Musikalische Virtuosität mündet in furiosem Finale

Von: Johannes Schaffeldt
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„KontraBassSonaten“: Matthias Botzet und Reimi Matsuda liefern Kontrabass und Klavier in perfekter Harmonie. Foto: Dagmar Meyer-Roeger

Würselen. Mit solchem Andrang hatte das Organisationsteam der Veranstaltungsreihe „Pius am Mittwoch“ nicht gerechnet: Im Gemeindesaal St. Pius X. in Würselen mussten für das Konzert des Duos „KontraVier“ noch Stühle herbeigeholt werden. Das Publikum erwarte ein „wunderschöner Abend mit vielfältigen Kunsteindrücken“, sagte Programmmacher Hans-Günter Leuchter - und versprach nicht zu viel.

Die Eröffnung der Gemeinschaftsausstellung „Collagen, abstrakte und figurative Malerei“ der Künstler Alice und Laurenz Kogel bot das richtige Ambiente für die Klangfiguren, die das Duo „KontraVier“ mit Sonaten für Kontrabass und Klavier ausmalte. Der Name des Duos ergibt sich aus der Zusammenziehung der beiden Instrumente Kontrabass und Klavier. Dahinter stecken die beiden talentierten Musiker Reimi Matsuda am Klavier und Matthias Botzet am Kontrabass.

Reimi Matsuda stammt ursprünglich aus Japan, wo sie an der Musikuniversität Tokio ihr Studium aufnahm. Weiter ging es über Graz nach Karlsruhe, wo sie ihre Studien am Klavier und in der Kammermusik mit Auszeichnung beendete. Matthias Botzet wurde das Musizieren schon in die Wiege gelegt. Seine Mutter Ulrike Botzet ist Kantorin in St. Sebastian, und Vater Berthold Botzet seit 2000 Domkapellmeister in Aachen. Zum Studium der Musik ging Matthias Botzet an die Robert-Schumann-Hochschule nach Düsseldorf, von wo er seinem Lehrer an die Hochschule für Musik in Trossingen folgte.

Instrumente ausgekostet

Kennengelernt haben sich die beiden Musiker in Baden-Württemberg, wo Botzet mittlerweile in Pforzheim beim Südwestdeutschen Kammerorchester und Matsuda an der Hochschule für Musik in Karlsruhe tätig ist. Schnell entstand die Idee eines gemeinsamen Sonatenabends. Konzipiert wurde das Programm um die Sonate in e-Moll für Kontrabass und Klavier, Op. 6 des Tschechen Adolf Mišek von 1911. Mit dem dramatischen „con fuoco“ zu Beginn bis zu einem nicht weniger furiosen Finale spiegelte die Sonate die Klangvielfalt des Kontrabass‘ und die Virtuosität der Vortragenden gut wider.

Die beiden anderen Sonaten des Abends stammten aus den Federn Ludwig van Beethovens und Paul Hindemiths. Die Sonate in F-Dur wurde von Beethoven ursprünglich für den Hornvirtuosen Giovanni Punto geschrieben. Nach dessen Tod wurde sie für Cello und Klavier umgeschrieben und später von den Kontrabassisten vereinnahmt, wie Matthias Botzet berichtete. Von der Wiener Klassik in die Moderne ging es mit der Sonate für Kontrabass von Paul Hindemith. Der Komponist war wegen verstärkter Repressalien in Deutschland Ende der 30er Jahre in die USA emigriert. Unter dem Eindruck des Krieges und der Zerstörung in Europa, aber auch in der Hoffnung auf einen Neuanfang, schrieb Hindemith 1945 eine sehr expressive Sonate. Wie auch bei seinen anderen Sonaten wollte er die volle Klangwelt des Instruments auskosten und erweitern. Matthias Botzet und Reimi Matsuda gelang es, den Zuhörern in Würselen diese eigenwillige Interpretation der klassischen Form wunderbar nahezubringen.

Auch Hans-Günter Leuchter zeigte sich restlos begeistert von der Virtuosität der beiden Musiker. Es sei bemerkenswert, wie harmonisch und aufeinander abgestimmt die beiden agierten, würdigte sie der Programmmacher am Ende des Abends.

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