Multiple Sklerose: Die Krankheit der 1000 Gesichter

Von: lbe
Letzte Aktualisierung:
5164307.jpg
Eine Altenheimbewohnerin mit ihrem Rollator. Für Multiple Sklerose-Erkrankte ein lebenswichtiges Hilfsmittel. Foto: imago/Geisser

Würselen. „Multiple Sklerose (MS) ist die Krankheit der 1000 Gesichter“, sagt die Betroffene Bettina Röser. „Die Diagnose kam aus heiterem Himmel, und ich bin aus allen Systemen gefallen“, erzählt sie rückblickend. Rückblickend in eine Zeit voller Ängste, Verzweiflung und Fragen: „Jetzt habe ich mich mit MS angefreundet“.

Der Neurologe, Psychiater und Physiotherapeut Dr. Michael Brockmann erläutert: „MS ist eine entzündliche Erkrankung des Rückenmarks und des Gehirns.“ Seit über 20 Jahren arbeitet er in seiner Praxis in Würselen und hat schon viele Patienten mit MS betreut. Er weiß, dass Ärzte sich als Berater sehen sollten, nicht als „Gott in Weiß“.

Röser, Brockmann sowie die Heilpraktikerin und Physiotherapeutin Gabi Rüben-Dembowski, Gabriele Schulte-Kalitz vom Kontaktkreis II MS Aachen und Brigitte Dohmen, Gesundheitsberaterin der Barmer, waren Gäste einer Podiumsdiskussion zum Thema Multiple Sklerose im Kulturzentrum Altes Rathaus. Die Volkshochschule (VHS) Nordkreis Aachen hatte die Veranstaltung in Kooperation mit unserer Zeitung, dem Paritätischen, Kreisgruppe Städteregion, und der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Würselen, Silke Tamm-Kanj, ins Leben gerufen. Bürgermeister Arno Nelles eröffnete die Diskussionsreihe als „Veranstaltung mit zehnjähriger Tradition“. Er hatte sich informiert und wusste, dass „die Krankheit in ihren Ursachen bislang noch nicht erforscht worden ist“. Auch wenn sie nicht heilbar sei, so könne man sie zumindest deutlich mildern. Tipps, Anregungen und Erfahrungswerte aus den verschiedensten Perspektiven wurden während der Diskussion geliefert.

Jeder muss seinen Weg finden

Merete Menze, Geschäftsführerin des Paritätischen in der Städteregion, führte durch den Abend. Sie stellte heraus, dass jeder Patient anders mit MS umgehe und auf ganz individuelle Weise von der Krankheit gezeichnet sei. Einige Patienten haben nur wenige Schübe, leiden unter Müdigkeit, aber können zum Teil mehrere Jahre gut mit der Krankheit leben. Andere kriegen mehrere und stärkere Schübe und sind letztlich auf einen Rollstuhl oder Gehhilfen angewiesen.

Einigen helfe die Schulmedizin, andere schwören auf pflanzliche Mittel und die Hilfe von Heilpraktikern. „Für mich war der richtige Weg weg von der Schulmedizin“, sagt Bettina Röser. Seither gehe es ihr besser.

Betroffene aus dem Publikum und auch Gabriele Schulte-Kalitz spritzen jeden Tag sogenannte Interferone. Das Protein entfaltet eine immunstimulierende und vor allem antivirale und antitumorale Wirkung. Gabriele Schulte-Kalitz rät daher zu einem Besuch einer Selbsthilfegruppe. „Dort wird auch nicht nur über die Krankheit gesprochen“, scherzt sie. Aber es helfe oft und bei vielen Fragen mit Betroffenen über Probleme zu sprechen. „Die Gruppe gibt Halt“, sagt sie. Auch Brigitte Dohmen ist Verfechterin von Selbsthilfegruppen. „Dort sind Menschen, die eine Sprache sprechen“, erklärt sie. Denn die Erkrankung verlaufe „sehr unterschiedlich“, spricht Dr. Brockmann aus Erfahrung.

Patienten sollten sich die Tipps der Ärzte anhören und dennoch in aller erster Linie auf ihren eigenen Körper hören. Das rät Bettina Röser als Betroffene, aber auch alle anderen Podiumsgäste.

In jedem Fall lohne es sich, Hilfe in Anspruch zu nehmen, um Möglichkeiten kennenzulernen und dann ganz individuell zu entscheiden.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert