„Montagsgespräche“: Eine klare Absage an Zwang und Gewalt

Von: Christoph Hahn
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Islamkenner und selbstbewusster Christ: Referent Dr. Carsten Polanz beim „Montagsgespräch“ im Herzogenrather Pfarrheim St. Gertrud. Foto: Christoph Hahn

Herzogenrath. Alle reden vom Islam – die Macher der „Montagsgespräche“ im Herzogenrather Pfarrheim St. Gertrud auch. Wiewohl ausdrücklich katholische Inhalte immer wieder zum Programm gehören, reichen die Themen dennoch stets aufs Neue über den Rahmen des rein Kirchlichen hinaus – so auch beim jüngsten Termin.

Dr. Carsten Polanz, Wissenschaftler und Dozent an der Freien Theologischen Hochschule zu Gießen, wandte sich dem Thema „Europäischer Islam oder islamisches Europa? Der Islam als Herausforderung für die westliche Welt zu“.

Einseitig war das auf keinen Fall, was der Gast da zum Vortrag brachte. Denn Polanz nahm nicht nur das muslimische Gegenüber, sondern auch sich und andere Christen ins Visier: „Jeder, der sich mit dem Islam beschäftigt, muss sich zwangsläufig mit sich selber beschäftigen.“ Es gelte, zu „schauen, wo denn die Werte sind, die wir gerne bezeugen“.

Steilvorlagen für antiislamische Polemiker – damit konnte und wollte der Referent nicht dienen. Statt dessen warnte er ausdrücklich: „Verzerren wir nicht!“ Ein ums andere Mal nahm Carsten Polanz Christen und Vertreter anderer angestammter europäischer Geisteshaltungen in die Pflicht und kritisierte eine weithin verbreitete Beliebigkeit: „Alles ist gleich gültig“, um daraus zu folgern: „Dann hat man wenig Veranlassung, mit Muslimen in einen Glaubensdialog einzutreten.“

Bevor es in die Kontroverse mit dem Islam gehe, rief Polanz seine zahlreichen Zuhörer dazu auf, ihre Überzeugungen und die damit verbundenen Werte ernst und wichtig zu nehmen sowie demzufolge offen zu vertreten.

Das Rüstzeug für das Gespräch gab der Wissenschaftler den Menschen im Saal in einer zuerst einmal nicht wertenden Sprache an die Hand. Er erläuterte zentrale Begriffe wie etwa Scharia und Dschihad und vergaß dabei auch nicht, das Leben des Propheten Mohammed kurz zu schildern. Wichtiger sei indes etwas anderes: „Wir sollten endlich über Inhalte und weniger über Begriffe sprechen!“

Für Polanz akzeptabel erscheint ein Islam, den zum Beispiel der aus dem Iran stammende Philosoph Abdelkarim Sorush vertritt. Dieser Überzeugung nach gilt die Demokratie als vernünftig und darum als islamisch. Ausdrücklich warnte der evangelische Christ vor einem Islam, der sich anderen Religionen gegenüber als überlegen und diese als defizitär begreift.

Immer wieder tauchte im Verlauf seines Vortrages der Begriff der Sprachfähigkeit, mithin die Bereitschaft zum im Sinne des Wortes selbstbewussten Vertreten christlicher Werte und Inhalte auf. Eine klare Absage erteilte Polanz allen Formen von Zwang und Gewalt. Dem Gegenüber den Weg zur Einsicht aus freien Stücken zu eröffnen und dabei auch zu akzeptieren, dass er dem nicht zu folgen vermag: Das ist ihm allemal wichtiger.

Alexander Kissler macht weiter

Auf dem Vortrag von Dr. Carsten Polanz baut das nächste „Montagsgespräch“ am Montag, 22. Mai, 19.30 Uhr, im Pfarrheim St. Gertrud zu Herzogenrath (Schütz-von-Rode-Straße) auf. Dr. Alexander Kissler (Berlin), Kulturchef der Zeitschrift „Cicero“, referiert dann zum Thema „Keine Macht den Intoleranten! Warum der Westen seine Werte verteidigen muss“.

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