Montagsgespräch: Religionspädagogin und Schriftstellerin referiert

Von: Nina Krüsmann
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„Den Erfinder des Sonntags, Gott, nicht außen vorlassen“, sagt die Autorin Monika Gräfin Metternich. Foto: Nina Krüsmann

Herzogenrath. Der Sonntag ist in Gefahr: Nicht nur von Seiten der Wirtschaft wird immer lauter über die Abschaffung des Verbots der Sonntagsarbeit nachgedacht, auch immer mehr Geschäfte haben sonntags geöffnet. Im Rahmen der Herzogenrather Montagsgespräche referierte jetzt Monika Gräfin Metternich auf Einladung von Pfarrer Dr. Guido Rodheudt.

Das Thema: „Über die Erhaltung des wichtigsten Tages der Woche“. Gräfin Metternich ist Religionspädagogin und Schriftstellerin und arbeitet als freie Journalistin für führende deutsche Zeitungen und schrieb mit „Lob des Sonntags – Weihrauch, Toast & Honey“ ein Buch zum Thema. Grundidee des Vortragsabends mit mehr als 80 Gästen war die biblische Grundlegung des Sonntags: Judenchristen feierten „ihren“ heiligen Tag schon in der antiken Gesellschaft inmitten einer geschäftigen Welt, die ja allenfalls einen Tag zuvor, am Sabbat, geruht hatte. Es kam aber darauf an, den Sonntag als Tag der Auferstehungsfeier Gott zu widmen und damit deutlich zu machen, dass es einen Tag braucht, um den „totalitären Anspruch der Arbeit“ zurückzuweisen.

„Das heißt, dass die neue Unsensibilität gegenüber dem Sonntag durch neue Ladenschlussgesetze und vieles mehr natürlich durch eine christliche Einflussnahme auf gesellschaftliche Veränderungen gebrochen werden könnte, dass aber zugleich – auch dann, wenn das nicht so ohne weiteres möglich ist – die Christen für sich selbst den ‚Tag des Herrn‘ anders nutzen sollten, als andere“, sagte Rodheudt. Solange die Christen den Sonntag auch nur als einen „Tag des Wäschewaschens“ und des „Freizeitstresses“ missbrauchen würden und Gott darin keinen Platz mehr gäben, seien auch ihre Interventionen gegen die Ausweitung von Ladenöffnungszeiten nicht mehr glaubwürdig. Das heißt aber nicht, dass der Sonntag als ein Tag des bloßen Nichtstuns gestaltet werden müsste. Er ist auch ein Tag des Herrn, wenn er zugunsten der Humanität eingesetzt wird. Dabei geht es zum Beispiel um die Pflege von zwischenmenschlichen und familiären Kontakten, Krankenbesuche, Lektüre und Beschäftigung mit kulturellen Dimensionen, also mit allem, was Gott und dem Menschen dient.

Das setzt natürlich den Glauben voraus, der Gott als Schöpfer anerkennt und Jesus Christus als Auferstandenen, dessen Sieg über den Tod allen Hoffnung gibt und Grund zum Danken, was am Sonntag gefeiert werden soll. „Ohne Gottesdienst ist daher der Sonntag kein Sonntag, sondern ein Tag der bloßen Pause, der letztlich der Produktivitätssteigerung zu Gute kommt und den Menschen auf eins subtile Weise wiederum zum Sklaven der Arbeitswelt macht“, betonte Rodheudt. Metternich bestätigte das durch den Verweis auf die geschichtlich immer wieder gemachten Versuche, einen anderen Tag als den Sonntag zum Tag der Ruhe zu erklären. Diese Ambitionen scheiterten in der Französischen Revolution und im Kommunismus immer wieder.

„Der Sonntag ist nur zu retten, wenn man den Erfinder des Sonntags, Gott, nicht außen vorlässt!“, sagte Rodheudt, der sich mit der gesamten katholische Kirchengemeinde in diesem Punkt mit der evangelischen Kirchengemeinde Herzogenrath einig weiß. Deren neuer Pfarrer Joachim Wehrenbrecht hat sich wiederholt zu diesem Thema in der Öffentlichkeit geäußert und betont, dass man die neuen liberalen Ladenschlusszeiten oder verkaufsoffenen Sonntage durch das eigene Einkaufsverhalten nicht unterstützen sollte. Beide Pfarrer sehen sich hier verbunden in einer „Ökumene der Grundbegriffe“, betonte Rodheudt. „Der Sonntag ist der humane Gegenpol zu einem Alltag, der alles schluckt: unsere Lebenskraft, unsere Zeit, unsere Beziehungen. Wenn wir den Sonntag so erneuern, wie er gedacht ist – und das heißt auch als einen Tag, an dem wir uns Zeit nehmen, Gott, unserem Schöpfer, die Ehre zu geben, finden wir das Fest, die Freiheit und die Freude wieder, die uns zu Menschen machen und nicht zu Sklaven der Wirtschaft“, stellte Metternich fest.

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