Molotow-Cocktail für den Ex: Milde Strafen

Von: Wolfgang Schumacher
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Der Richter verurteilte die 25-Jährige und ihren 20-Jährigen Freund zu Bewährungs- und Jugendstrafen. Symbolfoto: Angelika Warmuth/dpa

Aachen/Herzogenrath. Von Glück sagen konnte das wegen versuchten Mordes und schwerer Brandstiftung angeklagten Pärchen, das in der Nacht zum 3. Mai 2015 vor einem Haus in Herzogenrath-Merkstein vorgefahren war und einen Brandsatz an die Hauswand geschleudert hatte. Nun wurden die 25-Jährige und ihr fünf Jahre jüngerer Freund vor dem Landgericht Aachen verurteilt - und erhielten vergleichsweise milde Strafen.

Die nächtliche Aufregung um den selbst gebastelten Brandsatz war seinerzeit groß, auch wenn kein nennenswerter Schaden entstand. So konnte am Dienstag die 6. Große Jugendkammer in Aachen unter dem Vorsitzenden Richter Hans Günter Görgen ein Urteil verkünden, das der Zukunft der 25-jährigen Amra H. und ihres erst 20-jährigen Freundes Nico L. keine Steine in den Weg legen wird.

Denn die als versuchter Mord angeklagte Tat entpuppte sich im Nachhinein als eine egozentrische und vor allem nicht nachahmenswerte Racheaktion an einem Ex-Liebhaber. Dafür kassierte die Angeklagte eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten plus 240 Stunden sozialer Arbeit. Über dem Kopf des 20-Jährigen schwebt eine Jugendstrafe, die dann verhängt wird, wenn er den rechten Weg verlässt. Er muss ebenfalls Sozialstunden ableisten.

Zur Vorgeschichte: Wiederholt war der 25-Jährigen von ihrem damaligen Freund berichtet worden, dass der in Merkstein lebende ehemalige Arbeitskollege und kurzfristige Liebhaber von Amra H. „schlecht“ über sie rede. Das wollte die temperamentvolle junge Frau nicht auf sich sitzen lassen und dem Ex einen Denkzettel verpassen.

Richter Görgen: „Sie ist keine Jugendliche mehr, aber eine noch sehr junge Erwachsene. Ich denke, dass die sechsmonatige Untersuchungshaft einen nachhaltigen Eindruck bei ihr hinterlassen hat.“

Das gelte gleichermaßen für den in seiner Entwicklung verzögerten und leicht beeinflussbaren Nico L.. Er war in der Vergangenheit zwar wiederholt durch Graffiti-Sprayereien aufgefallen, könne aber nicht als eine Person gelten, die sich auf dem Weg ins kriminelle Milieu befinde.

Denn der junge L. hatte auf Veranlassung seiner neuen Freundin Amra H. begonnen, sich die Technik des Bastelns von Molotow-Cocktails anzueignen. Für einschlägige Informationen gingen beide ins Internet und stellten Versuchsbrandsätze her, die sie in Stolberg, der Heimatstadt von L., ausprobierten.

Beide beteuerten, dass die Aktion eine reine Warnung für den Ex sein sollte, Menschen hätten sie nicht in Gefahr bringen wollen. Die Staatsanwaltschaft hatte drei Jahre Haft für Amra H. und eine Jugendstrafe auf Bewährung von einem Jahr und zehn Monaten für Nico L. gefordert.

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