Mittagstisch-Initiative „Tellerrand” wird zehn Jahre alt

Von: Beatrix Oprée
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Unkraut hat keine Chance: Im Q
Unkraut hat keine Chance: Im Qualifizierungsprojekt Gartenbau wird Gemüse und Obst für die „Tellerrand”-Küche angebaut. Reinhard Becker (vorne) ist mit großer Freude dabei Foto: Beatrix Oprée

Herzogenrath. „Die vom Tellerrand, die machen viel für die Jungs!” Friedhelm Mertin bringt auf den Punkt, dass es sich bei dem Geburtstagskind um weit mehr als einen bloßen Mittagstisch handelt. Die „Jungs”, das sind Männer, mit denen es das Schicksal nicht so gut gemeint hat, die aus welchen Gründen auch immer, neben dem Arbeitsmarkt gelandet sind.

Wie der resolute 64-Jährige selbst, der im Zuge der Gartenbau-Qualifizierungs-Maßnahme des „Tellerrand” als Vorarbeiter fungiert. „Ich bin 1-Euro-Jobber”, sagt er frank und frei. „Und wenn wir Probleme haben, brauchen wir bloß zum Hermann zu gehen! Der weiß immer weiter!”

Gemeint ist Hermann Knopik, der Vorsitzende des „Tellerrand in der Pfarre St. Josef e.V.” Seit über zehn Jahren hat er sich der Menschen um ihn herum sowie der Sorge um Organisation, Koordination und Finanzierung der Qualifizierungsprojekte verschreiben. Ehrenamtlich.

Der bürokratische Aufwand ist in dieser Zeit erheblich gewachsen: Die Richtlinien für Fördermaßnahmen Langzeiterwerbsloser ändern sich stetig. „Was die Bundesagentur für Arbeit uns mittlerweile an Dokumentation abverlangt, könnte ich alleine gar nicht mehr schaffen”, ist Knopik froh, dass ihm Bernhard Ruhl, Fachanleiter für Gartenbau und Kassenprüfer des Trägervereins, administrativ kräftig unter die Arme greift.

Und einfach so essen kochen für so viele Leute, wie Hunger haben, geht auch nicht. Denn auch hier gibt es strenge Vorschriften. Doch der Andrang am Mittagstisch, mit dem vor zehn Jahren alles begann, ist ungebrochen. Bis zu 200 Essen werden pro Tag in mehreren Schichten zubereitet: 40 bis 50 Gäste kommen täglich zur Josefstraße 6, zudem werden die Offene Ganztagsschule und die Kita beliefert.

Oft der einzige Kontakt

„Für viele vor allem ältere Menschen ist der Tellerrand oft der einzige soziale Kontakt am Tag”, verdeutlicht Mitinitiator Wilfried Hammers. Klar, dass die alten Menschen nicht vergessen werden, wenn sie eines Tages ihr Heim nicht mehr verlassen können: „Dann wird das Essen nach Hause gebracht.” Ein fahrbarer Mittagstisch ist der „Tellerrand” aber nicht, wie die Akteure betonen. Denn der Essensfahrer ist weitaus mehr als Lieferant, sondern Helfer in vielen Lebenslagen, der auch tröstende Worte findet.

Der biblische Auftrag, hinzusehen und zuzuhören, war der Anstoß, sich der wachsenden Zahl an Menschen anzunehmen, „die auf Sinn, Nähe, Nahrung und Gemeinschaft warten”, blickt Hammers zurück. So wurde 1991 der Mittagstisch gegründet und zunächst von Ehrenamtlichen täglich frisch gekocht. Immer mehr „Trauernde, Gestrauchelte, Verzweifelteund Gebückte” gesellten sich zu der Tischgemeinschaft. Eine Köchin wurde eingestellt, als es ökonomisch möglich wurde, und schließlich wurden Menschen über das Jobcenter zur Beschäftigung und Qualifizierung „in Obhut” genommen.

Einzigartig ist überdies das Wohnwagenprojekt, das Bedürftigen auch einmal Urlaub am Meer, fern von allen Problemen ermöglicht. In einer einfallsreichen Ausstellung in der Pfarrkirche St. Josef (sogar der kleine Lieferwagen, ein Piaggio Ape, hat hier Platz gefunden) haben die Tellerrand-Akteure aus der kleinen Pfarre, die auch Projekte in den Philippinen und Peru unterstützt, die Entwicklung der erfolgreichen Aktion nachgezeichnet.

Seinen zehnten Geburtstag feiert der „Tellerrand” am Samstag, 28. Mai, 18.30 Uhr, mit einem Gottesdienst in St. Josef. Um 20 Uhr (Einlass 19.30 Uhr) beginnt in der Mehrzweckhalle in Straß, Josefstraße, eine Revue unter Schirmherrschaft von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, die von MdL Eva-Maria Voigt-Küppers vertreten wird.

Tickets für Kabarett, Live-Musik und Buffet kosten 15 Euro im Pfarrbüro St. Josef, Telefon 02406/2255, Infos auch unter http://www.tellerrand-ev.de.

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