Mitmach-Konzert: Musikamateure und -profis in Harmonie

Von: ehg
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Ein musikalischer Genuss: Der Förderverein Kirchenmusik der Pfarre St. Sebastian präsentierte das Mitmachkonzert des Sinfonieorchesters Aachen mit Generalmusikdirektor Kazem Abdullah in der Kirche St. Sebastian. Foto: Wolfgang Sevenich

Würselen. Einmal in einem großen Sinfonieorchester mitwirken zu dürfen, das ist der fromme Wunsch eines jeden Amateurmusikers. Für mehr als 30 von ihnen ging er beim zweiten Mitmach-Konzert – das erste fand in 2014 statt – des Sinfonieorchesters Aachen unter der Leitung von Generalmusikdirektor Kazem Abdullah im Würselener „Dom“ in Erfüllung.

Es präsentierte sich ein über 70-köpfiger fulminanter homogener Klangkörper, in den bei der „Orgelsinfonie“ von Camille Saint-Saëns die Königin der Instrumente integriert wurde. Als Solisten traten die 17-jährige Natasha Botchway und der 1962 in Aachen geborene Organist Stefan Palm, seit dem vergangenen Jahr Leiter der Katholischen Hochschule Rottweil, virtuos in Erscheinung.

Vor der musikalischen Mitwirkung hatten die Götter vor allem bei den Amateuren den Schweiß gesetzt. War das Konzert doch das Ergebnis eines intensiven Arbeitsprozesses, der für viele ambitionierte Musiker lange vor der ersten Probe begonnen hatte.

Viele Monate musste geprobt werden, bevor das Üben in Instrumentengruppen erfolgte und schließlich die Zusammensetzung zum großen Orchester erfolgte, das beim Konzert einen großen Erfolg verbuchte.

Um die Königin der Instrumente bei der „Orgelsinfonie“ räumlich enger an den Klangkörper anbinden zu können, waren die Musiker diesmal nicht im Altarraum, sondern vor der Empore platziert worden. Damit die zahlreichen Besucher ganz Auge und Ohr sein konnten, drehten die fleißigen Mitstreiter des Fördervereins Kirchenmusik – er war der Veranstalter – Bänke und Stühle um 180 Grad. Der große Aufwand zahlte sich aus.

Bevor unter der souveränen Stabführung von Christian Casleanu die ersten leisen Akkorde von dem weltberühmten Stück „Pavane“ erklang, hieß Kazem Abdullah die große Zahl der erwartungsfroh gestimmten Besucher, aber auch die ebenso emotional aufgeladenen Musiker willkommen. Bei „Pavane“ handelte es sich ursprünglich um ein Chorstück, das der französische Romantiker Gabriel Fauré im Sommer 1887 orchestrierte und sich von da an weiter über ganz Europa verbreitete.

Fauré entwickelte, obwohl von der deutschen und französischen Romantik beeinflusst, eine eigene Tonsprache, poetisch nuanciert, die nicht zuletzt in der dargebotenen Komposition ihren Niederschlag fand. Ihr zugrunde liegt sehr einfacher Schreittanz spanisch-italienischer Herkunft, der im 16. und 17. Jahrhundert am Hofe seine Blütezeit erlebte.

Obwohl der Frühling vor der Türe steht, folgte im Programm „Der Winter“ aus Antonio Vivaldis „Le quattro stagioni“. Bei der Aufführung des von dem venezianischen Komponisten und Violinisten des Barocks für die Violine als Soloinstrument geschriebenen Werkes brillierte die junge Solistin. Musikalisch porträtiert wurde die kalte Zeit im Jahr.

Beschreibt die Musik doch die klirrende Kälte, den an die Fensterscheiben tropfenden Regen und zum guten Schluss einen Eisläufer, der so lange seine virtuosen Pirouetten auf das Eis zaubert, bis es krachend einbricht – ein wunderschönes musikalisches Gemälde, bei dem sich das Orchester unter dem Dirigat von Kazem Abullah in vornehmer Zurückhaltung übte. Tosender Beifall brandete auf. Die Konzertbesucher waren sich einig: Natasha Botchway steht erst am Anfang einer großen Karriere.

Das Hauptwerk des Konzertes war Camille Saint-Saëns‘ Franz Liszt gewidmete 35-minütige „Orgelsinfonie“, deren Grundgedanke der „dies irae“, der Tag des Jüngsten Gerichtes, ist. Fürwahr: Der französische Romantiker und Lehrer von Gabriel Fauré hat bei dieser Komposition, wie er es selbst formulierte, alles gegeben. Was die Besucher mit Fug und Recht auch den Musikern attestierten.

Bisweilen bebten die Grundfesten des „Doms“, erst recht bei den gewaltigen Schlussakkorden. In der Kombination mit großem Orchester bewirkte die Königin der Instrumente einen außergewöhnlichen Klangeindruck. Stefan Palm, dem der Ruf vorauseilt, ein genialer Orgelinterpret zu sein, versetzte die Konzertbesucher in Ekstase. Standing Ovations waren der „Lohn“ für eine musikalische Meisterleistung, schlichtweg für einen musikalischen Hochgenuss.

Kaplan Dr. Andreas Möhlig dankte den Akteuren und dem Förderverein Kirchenmusik St. Sebastian für ihr großes Engagement bei einem musikalischen Erlebnis mit hohem Anspruch .

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