„Miteinander für Toleranz und Vielfalt“: Zusammenhalt demonstriert

Von: Beatrix Oprée
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Erhielten viel Beifall für ihre liebenswerten Darbietungen: die jungen Tänzerinnen der türkischen Folklore-Gruppe.

Herzogenrath. „Ich habe große Angst“, bekannte Fehmi Tarasi. „Angst wegen der Hetze gegen Ausländer, Asylbewerber und Muslime.“ Bei der Kundgebung am Freitag „Miteinander für Toleranz und Vielfalt“ auf dem August-Schmidt-Platz begab sich der Vorsitzende des Integrationsrats auf die Suche nach den Ursachen für die veränderte Stimmung in Deutschland.

Durchaus Verständnis äußerte der gebürtige Türke für jene Deutschen, die Überfremdung und Islamisierung befürchteten. Ihre Sorgen seien jedoch vielmehr durch Hartz 4 und die Perspektivlosigkeit vieler Jugendlicher denn mit tatsächlich wachsendem Einfluss des Islam zu begründen. Tarasi stellte klar: „Wir wollen niemanden zum Moslem machen, Islamisierung ist niemals unser Ziel.“ Und: „Terroristen missbrauchen unsere Religion und unseren Glauben!“

Im Koran heiße es: „Wer einen Menschen tötet, tötet die ganze Menschheit.“ Rund 250 Teilnehmer waren dem Aufruf des Integrationsrats und des Bündnisses gegen Rechtsextremismus (BgR) gefolgt und hatten sich nach dem Freitagsgebet vor der Moschee am Boscheler Berg versammelt, um Richtung Ortszentrum zu ziehen. Ein Kontrast sollte gesetzt werden gegen die Pegida-Auswüchse und ein deutliches Zeichen für ein friedliches Miteinander in der Stadt.

Bürgermeister Christoph von den Driesch freute sich, dass auch viele Muslime gekommen waren, um diesen Zusammenhalt zu demonstrieren. Verachtung zeige man in der Stadt gegenüber denjenigen, die andere im Namen einer Religion in Geiselhaft nehmen und töten. Von den Driesch: „Herzogenrath ist und bleibt ein Ort der Vielfalt.“ Das betonte auch BgR-Sprecher Manfred Radermacher: „Herzogenrather Bürger leben Gewaltfreiheit und Frieden“, sie hätten die Courage, nicht wegzusehen und befürworteten Toleranz und ein Miteinander der Kulturen. Nach Terroranschlägen, so gab er zu bedenken, würde immer wieder nach strengeren Gesetzen und größerem Einsatz der Staatsmacht gerufen.

Aber Demonstrationen, freie Meinungsäußerung und Satire seien verfassungsmäßige Rechte: „Diese Instrumente einer Demokratie dürfen nicht beschnitten werden!“ Auch an den Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz durch die Rote Armee vor 70 Jahren erinnerte er. Heute würden Pegida-Anhänger im Schulterschluss mit Ewiggestrigen „Wir sind das Volk“ skandieren, dabei aber doch nur sich selbst meinen. AfD, die Pro-Parteien und „die Rechte“ nutzten diese Demonstrationen für ihre rechtsextremen Zwecke aus.

Erinnerung an braune Aufmärsche

Besonders bei älteren Menschen kämen zurzeit Erinnerungen an die Zeit nach 1933 auf, an braune Aufmärsche: „Es endete in Rassenwahn, Zerstörung und im Holocaust. – Keiner darf die Vernichtungsmaschinerie Auschwitz vergessen, nie und nimmer, sie war das Schlimmste, was der Menschheit angetan wurde.“

Mit der Produktion von Buttons „Bleibe für alle Recht“ ergänzte der Jugendbeirat der Stadt die Kundgebung. Die Falken organisierten eine Luftballon-Aktion. Und viel Beifall erhielten die Mädchen der türkischen Folklore-Gruppe für ihre hübschen Tänze sowie die Kinder der Dietrich-Bonhoeffer-Schule für ihr originelles Sockentheater.

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