Mit tiefsinnigen Chansons die deutsch-französische Geschichte „erzählt“

Von: ehg
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Lieder zum Mitsingen: Der Chansonabend mit Walter Weitz im Alten Rathaus kommt gut an. Foto: Wolfgang Sevenich

Würselen. In der vom Geschichtskreis der Pfarre St. Sebastian initiierten Reihe „Die Deutschen und ihre Nachbarn“ folgt auf Polen nunmehr Frankreich, in Kooperation mit der Deutsch-Französischen Gesellschaft (DFG), die seit vier Jahrzehnten in vorbildlicher Weise freundschaftliche Beziehungen zu Morlaix im Westen des westlichen Nachbarlandes pflegt.

Beschäftigt wird sich in einer Reihe von Veranstaltungen mit dessen Geschichte, Gesellschaft und Kultur. Zur Auftaktveranstaltung begrüßte die DFG-Vorsitzende Ellen Thielen-Vafaie im Alten Rathaus Walter Weitz, einen deutschen Interpreten dieses französischen Genres.

Zum Vortrag brachte der Französisch-Lehrer Chansons, die ihn persönlich fasziniert haben. Um auch beim dritten Abend die Besucher tiefer einbeziehen zu können, projizierte er die französischen Texte auf eine Leinwand und lieferte mündlich dazu die deutsche Übersetzung.

Wie die Musik die tiefsinnigen meist kritischen Texte unterstützt, das demonstrierte Walter Weitz an ausgewählten Beispielen, was sich bis heute nicht geändert habe. Um zu belegen, dass die Liedermacher in Frankreich, wo längst nicht so streng wie in Deutschland zwischen Lied und Chanson getrennt werde, eine lange Tradition haben, drehte er das Rad der Geschichte ins 16. Jahrhundert zurück. Weitz trug Lieder vor, die zum kulturellen Erbe des Nachbarlandes Frankreich gehören.

Anlässlich der Weltausstellung 1894 in Paris beklagte der Liedermacher und Kabarettist Aristide Bruant, der durch den Maler Henri Toulouse-Lautrec als Mann mit rotem Schal bekannt wurde, die zahlreichen Toten des Seidenweberaufstands von 1834 in Lion. „Unsere Herrschaft wird kommen, wenn Eure zu Ende geht“, schrieb er den Mächtigen ins Stammbuch. In einem anderen Chanson aus dem 19. Jahrhundert erinnert Jean Babtiste Clément an den Volksaufstand 1870/71.

Von Georges Brassens, einem der großen Chansonniers des 20. Jahrhunderts, brachte Weitz ein in den 1950er Jahren geschriebenes bitterböses Lied über den Ersten Weltkrieg zu Gehör. An den Pranger stellte er darin in sarkastischen Tönen den Wahnsinn von Kriegen.

Ein weiteres Antikriegslied, verfasst von der deutschen Anti-Faschistin Rosa Helt, die vor den Nationalsozialisten nach Frankreich geflohen war, beschrieb ein weiteres Kapitel der deutsch-französischen Geschichte. Weitz ließ durch seine vorgetragenen Lieder auch bessere Zeiten deutsch-französischer Beziehungen anklingen.

Nach dem gelungenen Chanson-Abend gibt es am 23. September um 19 Uhr im „Dom“ ein Wiedersehen und -hören mit dem bretonischen Komponisten und Organisten Michel Cocheril. Er wird dann auf Einladung des Fördervereins Kirchenmusik e.V. zum dritten Mal ein Konzert auf der Eule-Orgel geben.

Am 12. Oktober werden sich Geschichtskreis und DFG gemeinsam mit ausgewählten Aspekten der Geschichte Frankreichs beschäftigen. Ein Seminar wird im Januar 2017 dazu angeboten werden. Die Abschlussveranstaltung findet anlässlich des Jahrestages der Unterzeichnung des Elysee-Vertrags durch den deutschen Bundeskanzler Konrad Adenauer und den französischen Staatspräsidenten Charles de Gaulle am 22. Januar statt. Zu den einzelnen Veranstaltungen wird noch eingeladen werden.

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