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Mit Technik aus Würselen das Internet sicherer machen

Von: Marc Heckert
Letzte Aktualisierung:
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Die Schnittstelle für ein sicheres Internet: Lancom-Geschäftsführer Ralf Koenzen mit einem Hochsicherheitsrouter. Über diese Geräte können Unternehmen verschlüsselte Datenverbindungen aufbauen.

Würselen. Die Ankündigung hat für Wirbel gesorgt: Auf der Computermesse CeBit im März dieses Jahres will T-Systems, die Netzwerktochter der Telekom, den Startschuss geben für eine hochsichere und ausspähgeschützte Netzwerklösung. „Clean Pipe“ heißt dieses Angebot für Geschäftskunden, zu deutsch „saubere Leitung“.

Es gilt als eine deutsche Antwort auf den NSA-Skandal – und setzt auf Technik der Würselener Firma Lancom Systems. Sicheres Internet – kann denn so etwas überhaupt noch möglich sein, wenn Geheimdienste ihre geballte Rechenpower offenbar auch für Wirtschaftsspionage einsetzen? Kritiker fragten nach der Sinnhaftigkeit des vor einigen Wochen präsentierten Telekom-Angebots, eine Zeitschrift schrieb gar von einer „Mogelpackung“.

Realistische Bedrohungen

Lancom-Gründer und -Geschäftsführer Ralf Koenzen lächelt. „Ich halte es fast für einen Fehler, sich so auf die NSA zu konzentrieren“, sagt er. Schließlich sind neben der US-Schnüffelbehörde noch reihenweise weitere böswillige Organisationen und Kriminelle aus aller Herren Länder im Netz unterwegs. Für die meisten deutschen Mittelständler dürften Cyber-Angriffe von Hackern oder Wirtschaftsspionage von Konkurrenzunternehmen ein viel gegenwärtigeres Szenario sein als eine Ausspähung durch die NSA.

Dieser ganz realistischen Bedrohung will das Würselener Unternehmen entgegentreten. Mit ganz realistischer Technik. Im Mittelpunkt stehen die Router, also die Schnittstellen, über die ein Kunde ins Internet geht. Bei „Clean Pipe“ werden Lancom-Router verwendet, die verschlüsselte Verbindungen zum Telekom-Rechenzentrum aufbauen. Diese sogenannten VPN-Verbindungen funktionieren mit 128-Bit- und teilweise bereits mit 256-Bit-Schlüssellängen. Mit heutiger Rechenleistung sind sie nach Koenzens Worten praktisch nicht zu knacken. „Das kann man nach menschlichem Ermessen als sicher betrachten.“

Zwei Dinge machen seine Geräte besonders, hebt der Geschäftsführer hervor. Zum einen werden sie in Deutschland, von einem deutschen Unternehmen, entwickelt und gebaut – letzteres in zwei Produktionsstandorten in Augsburg und Überlingen am Bodensee. Zum anderen ist der Hersteller zertifiziert: nach dem aufwendigen Verfahren des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). „Mehr Vertrauenswürdigkeit werden Sie im Markt nicht finden“, sagte T-Systems-Pressesprecher Dr. Jürgen Kohr in einer Presseerklärung zum Start von „Clean Pipe“.

Zielgruppe des Telekom-Angebots sind mittelständische Unternehmen, Arztpraxen, Filialisten – ihr Sicherheitslevel soll sich durch die verschlüsselte Cloud-Lösung erhöhen, die laut Koenzen „ein Baustein in der Sicherheitsarchitektur“ ist. Er formuliert es denn auch bewusst bescheiden: „Wir wollen einen Beitrag leisten, das Internet in Deutschland ein Stück sicherer zu machen.“

Angesichts der Enthüllungen über die globalen Späh-Attacken der US-amerikanischen und britischen Geheimdienste dürften sich viele Unternehmen fragen: War der in den vergangenen Jahren so stark propagierte Weg in die Cloud, also die Nutzung von internetbasierter Software und Speicherplatz, nicht ein Fehler? Nein, sagt Koenzen. „Der wirtschaftliche Vorteil der Cloud ist so groß, dass wir ihn einfach nutzen müssen.“

Angesichts der rasant steigenden Komplexität von Programmen und Anwendungen sei es gerade für kleinere Firmen gar nicht mehr möglich, die entsprechende Hard- und Software zu kaufen. Solche Dienstleistungen über die Cloud zu mieten, sei die einzig wirtschaftliche Lösung. „Man muss sich allerdings über sein Tun und Lassen im klaren sein.“

Die allgemeine technische Entwicklung in der IT-Welt, sagt Koenzen, habe eine Dynamik erreicht, wie er sie in 30 Jahren noch nicht erlebt habe. In einem Punkt ist er sich denn auch sicher: „Die Sicherheitsdebatte steht erst ganz am Anfang.“ Man könnte auch sagen: Wer Sicherheit im Netz anbietet, hat bis auf weiteres Rückenwind.

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