Mit offener Blase geboren: Urologe wagt komplizierte Implantation

Von: Conny Stenzel-Zenner
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Mariam (l.), freut sich immer auf die Visite mit Professor Vögeli (2.v.l.). Gertrud-Maria Vögeli (4.v.l.) vom Friedensdorf International hat den Kontakt zum MZ hergestellt. Foto: ny

Würselen. Es ist der Anfang für ein ganz neues, befreites Leben: Die neunjährige Mariam aus Georgien war mit einer offenen Blase geboren worden, die zwar direkt nach der Geburt zugenäht wurde, aber nicht fachgerecht. Mariam blieb inkontinent, eine schlimme Diagnose für ein heranwachsendes Mädchen. Doch zum Glück gab es Hilfe.

Auf Vermittlung des Friedensdorfes International kam Mariam schon im August vergangenen Jahres nach Deutschland. Alleine, ihre Eltern und die vier Geschwister konnten sie nicht begleiten. Im Friedensdorf in Oberhausen war sie zunächst untergebracht, aber es fand sich kein Arzt, der die nötige Operation vornehmen wollte, nämlich eine Kunstblase an den Enddarm anzuschließen. Im März zog Mariam nach Bardenberg um, denn Professor Thomas-Alexander Vögeli, Chefarzt der Klinik für Urologie und Kinderurologie, wollte den Eingriff wagen. Fast fünf Stunden dauerte die OP. Vögeli und sein Team haben rekonstruiert, ersetzt und wieder verschlossen.

„Das bravste Kind“

„Mariam war das bravste Kind, das auf unserer Station je gelegen hat. Sie war das komplikationsloseste Kind“, spart Professor Vögeli nicht an Lob. Er ist einer von vielen deutschen Ärzten, die sich um Kinder aus Kriegsgebieten kümmern.

Diese Operation, im Wert von 20.000 Euro, wird niemand bezahlen können. „Wir können uns als Krankenhaus diese humanitäre Hilfe leisten“, sagt MZ-Geschäftsführer René Bostelaar. Gemeinsam mit dem Ärzte- und Schwestern-Team freut er sich, „dass wir sowohl in der medizinischen als auch in der wirtschaftlichen Lage sind, solche Operationen für Kinder vornehmen zu können, die das Glück verlassen zu haben scheint, bevor sie zu uns kamen.“

Mariam freut sich. Sie hat ihre Blase endlich unter Kontrolle. Obwohl sie jetzt aus dem MZ in Bardenberg entlassen wird, kann sie noch nicht sofort nach Hause. „Wir müssen erst wieder einen Flug nach Georgien organisieren“, sagt Gertrud-Maria Vögeli vom Friedensdorf International. Solange muss Mariam noch in Oberhausen bleiben. Aber ihr Heimweh soll nicht mehr lange andauern. Gedankenversunken blättert die Neunjährige ab und zu in dem kleinen Fotoalbum mit Bildern von zu Hause. Auch wen sie keinen Kontakt zu ihrer Familie hatte, so mangelte es ihr nicht an liebevoller Pflege. Umarmungen hat Mariam in der Fremde erhalten. Täglich kamen Ehrenamtliche vom Friedensdorf auf Station U9, saßen bis zu drei Stunden bei Mariam am Bett. Auch die Schwestern waren ein Mama-Ersatz. Das Kind mit den großen braunen Augen hatten alle schnell liebgewonnen. „Mariam wird als gesund entlassen“, zieht Thomas-Alexander Vögeli zufrieden sein Fazit. Und die braunen Augen von Mariam sagen Danke.

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