Mit Nachwuchs in die Teilzeitausbildung starten

Von: Stefan Schaum
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Erika Nazarenus ist seit 2013 bei der RegioIT angehende Systemkauffrau.
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Thomas Schmitz hat als Distriktleiter der Bäckerei Oebel gute Erfahrungen gemacht. Foto: Lowtec, MZ, Heinrichs-Gruppe.
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Und Martina Kohnle und Janine Kather sammeln sie derzeit als Azubis im MZ. Foto: Lowtec, MZ, Heinrichs-Gruppe.

Nordkreis. Zum Beispiel Janine Kather. Vor vier Wochen hat ihre Ausbildung begonnen. Die 26-Jährige wird in drei Jahren zur Medizinischen Fachangestellten. Und zwar in Teilzeit. 30 Stunden Lehrzeit pro Woche, Schule inklusive – mehr ist nicht drin. Weil Janine auch Mama ist, von Aaliyah, zwei Jahre alt.

Die Kleine besucht seit einem Monat den Kindergarten, und die Mutter will nun beruflich neu starten. Klingt das exotisch? Im Grunde nicht. Doch eine Teilzeitausbildung ist hierzulande noch kaum bekannt – und schwer zu bekommen. Janine Kather hat da einige Erfahrung.

Auf eigene Faust? Keine Chance!

Sie hat es zunächst mal auf eigene Faust versucht. Mit ihrem Fachabi in der Tasche und nach dem Abbruch einer Bürolehre („Das war einfach nicht das Richtige für mich“). Gut 30 Bewerbungen hatte die junge Mutter verschickt mit ihrem Wunsch, im medizinischen Bereich eine Teilzeitausbildungen zu machen. Antworten darauf hat sie so gut wie nicht bekommen. Ob die Unternehmen die Möglichkeit einer stundenreduzierten Ausbildung gar nicht kannten? Oder sie nicht anbieten wollten? Das weiß sie nicht. Jedenfalls sagt sie: „Keine Chance!“

Per Zufall stieß sie dann im Internet auf das Landesprojekt „Teilzeitausbildung“, das in Nordrhein-Westfalen viele Kooperationspartner hat, die Müttern und Vätern beim Einstieg in die Lehrzeit behilflich sein wollen. In Alsdorf war der Verein für allgemeine und berufliche Weiterbildung (VabW) die Anlaufstelle. Die verzeichnet große Nachfrage. Gut 80 Kandidaten wollen dort pro Jahr in die so genannte Qualifizierungsphase einsteigen. Nur zwölf davon schaffen es. Und zwar diejenigen, bei denen alles stimmt. Von der Kinderbetreuung, über die Schullaufbahn bis zur Motivation. Vor zwei Jahren wurde Janine Kather vorstellig. Doch damals war Aaliyah gerade mal ein Jahr alt und noch nicht im Kindergarten. Die Oma hätte sich zwar kümmern können, „aber als Ausgangsbasis ist das zu wackelig“, sagt Sabine Bußmann, Ausbildungsberaterin beim VabW. „Gerade die Kinderbetreuung muss doppelt und dreifach abgesichert sein. Die ist das Fundament, auf dem alles steht.“ Kaum ein Arbeitgeber wird Verständnis zeigen, wenn sein Teilzeit-Azubi häufig nicht im Betrieb steht, weil das Kind daheim unversorgt ist.

Wie man Betreuung und Ausbildung unter einen Hut bekommen kann, wie der Tag organisiert wird, welche Fördermittel es gibt, wie die Bewerbung aussehen sollte – darum geht es in der viermonatigen Qualifizierungsphase, während der die Teilnehmer auch bei Unternehmen vorstellig werden. Einige Kooperationspartner gibt es, die seit Jahren bereit sind, solchen Kandidaten eine Chance zu geben. „Es kommen langsam aber sicher immer neue hinzu“, sagt Sabine Bußmann.

Die bringen viel mita

Thomas Schmitz ist Wiederholungstäter. Der Distriktleiter der Bäckerei Oebel hat jüngst vier neue Teilzeit-Azubis begrüßt, drei waren es im vergangenen Jahr. In ein paar Jahren könnten es zehn pro Ausbildungsjahr sein, sagt er. „Ich sehe da nur Vorteile.“ Denn er hat erfahren, dass Mütter und Väter manches mitbringen, das anderen jungen Azubis bisweilen fehlt. Eine höhere Belastbarkeit vielleicht, oder gutes Organisationstalent, Flexibilität, Verantwortungsgefühl. Viele wertvolle Dinge. Die verkürzte Zeit sei kein Problem. „Weil wir in Schichten arbeiten, gibt es immer die Möglichkeit, flexible Arbeitszeitmodelle zu entwickeln, die passen.“

Es passt in der Regel – dafür sprechen die Zahlen. Landesweit schaffen im Projekt gut zwei Drittel der Teilnehmer während der Qualifizierungsphase den Einstieg in der Lehre und werden auch dort während der ersten Monate von den Ausbildungsberatern begleitet. Ein Beistand, für den Janine Kather sehr dankbar ist. Nach vier Wochen im Medizinischen Zentrum Würselen ist sie rundum glücklich. „Dieses Ausbildungsmodell könnte sicher für noch viel mehr Menschen ein Idealfall sein!“

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