Mit „Löschzwergen” für Nachwuchs sorgen

Von: Holger Bubel
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Die Helme passen schon fast pe
Die Helme passen schon fast perfekt: Sollten künftig auch Kinder im Grundschulalter Mitglied in der Feuerwehr werden können? Experten im Nordkreis sehen positive Aspekte und offene Fragen. Foto: Wolfgang Sevenich

Nordkreis. Sechsjährige, die sich todesmutig unter Atemschutz in ein brennendes Haus vorkämpfen, Siebenjährige, die während des Lese-Unterrichts aus der Grundschule flitzen, weil sie alarmiert wurden und zu einem Unfall mit Personenschaden eilen müssen. Der Grund: Sie gehören zur kommunalen Kinderfeuerwehr und haben Einsatz.

Nein, so ist der Gesetzentwurf der Landes-CDU, der Kinder in die Freiwillige Feuerwehr holen soll, natürlich nicht gedacht. Doch meinen die Unionspolitiker es durchaus ernst, wenn sie die Änderung des Paragrafen 9 Absatz 3 des Gesetzes über den Feuerschutz und die Hilfeleitung (FSHG) in den Landtag einbringen.

Bislang sieht das Gesetz vor, dass Kinder erst mit zehn Jahren in die Jugendfeuerwehr eintreten dürfen. Zu spät nach Meinung der Politiker, um die Zukunft der ehrenamtlichen Wehrleute zu gewährleisten. Bis zum Eintritt in die ehrenamtliche Freiwillige Feuerwehr, so klärt die Begründung im Gesetzentwurf auf, hätten andere Freizeitangebote die Kinder bereits abgeschöpft: Sport-, Musik- oder andere Vereine dürften Mitglieder noch sehr jungen Alters aufnehmen, die Feuerwehr jedoch nicht. Ob dann die Zeit es noch zulässt, neben anderer Vereinstätigkeiten Mitglied der Jugendfeuerwehr zu werden? Ob überhaupt noch Interesse an der anspruchsvollen Aufgabe in der Wehr geweckt werden kann?

Begrüßt wird der CDU-Vorstoß von den Feuerwehren aus dem Nordkreis: Der Alsdorfer Stadtbrandinspektor Peter Adenau findet es durchaus sinnvoll, frühzeitig das Interesse der Kinder für die Feuerwehr zu wecken. Schließlich würden viele kleine Jungs im Grundschulalter davon träumen, einmal Feuerwehrmann zu werden: „Aber der Entwurf muss genau geprüft werden. Schließlich stellt sich die Frage, wer Kinder in diesem Alter überhaupt pädagogisch betreuen kann. 80 Prozent der ?Ausbildung würden doch wohl eher spielerisch gestaltet sein. Wer von unseren Leuten wäre dazu in der Lage”, fragt er sich ganz pragmatisch. Dieser pädagogische Ansatz sei vielleicht noch wichtiger als die zukünftige Aufgabe als Feuerwehrmann.

„Die Kinder früh abholen”

Mit Zehnjährigen könne man durchaus schon ernsthaft das Rüstzeug zur Ausbildung eines Feuerwehrmanns in Angriff nehmen, meint Adenau. Doch wie sollte der „Dienst” der „Lösch-Zwerge” aussehen?

Das fragt sich auch Thomas Hendriks, stellvertretender Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Herzogenrath: „Dieser könnte wohl nur dergestalt sein, dass man die Kinder neugierig auf die Feuerwehr macht und im besten Fall Begeisterung dafür auslöst.”

Auch Ralf Jüsgens, Sprecher der Würselener Feuerwehr, ist durchaus angetan von der Idee einer Kinderfeuerwehr. Doch auch er fragt: Wer soll die Knirpse nach pädagogischen Ansprüchen ausbilden - und in was? „Da müsste der Landesverband sich entsprechend positionieren und das Personal entsprechend schulen.”

Zunächst skeptisch hinsichtlich der Idee der „Löschzwerge” war Hans-Josef Hermanns, Wehrleiter der Freiwilligen Feuerwehr Baesweiler: „Aber dann haben wir uns informiert, wie das in anderen Bundesländern läuft - und sind positiv davon angetan.”

Neben dem Gedanken der Nachwuchsakquise für die Freiwilligen, wie ihn die Nordkreis-Kollegen hervorheben, ist für Hans-Josef Hermanns ein weiterer Punkt sehr wichtig: „Verantwortung übernehmen, sich für die Allgemeinheit einsetzen - in meinen Augen kommt das in unserer Gesellschaft zu kurz. Hier die Kinder früh abzuholen, halte ich für ein wertvolles Anliegen.”
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