Stolberg - Mit „Kosmos” die Kinder stärken und unterstützen

Mit „Kosmos” die Kinder stärken und unterstützen

Von: Elisa Zander
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Stärken mit dem Gruppenangebo
Stärken mit dem Gruppenangebot „Kosmos” Kinder von psychisch kranken Eltern: Ulrike Matuszak-Baier und Sebastian Fries. Foto: Elisa Zander

Stolberg. Depressionen, Burn-out, Zwangserkrankungen - die Liste psychischer Krankheiten ist lang. Auch in Stolberg erkranken jedes Jahr mehrere Tausend Menschen.

Dennoch sei die Akzeptanz und Anerkennung eines solchen Krankheitsbildes seitens der Gesellschaft gering. Und eine elementare Komponente sei - auch von Ärzten - „jahrzehntelang nicht beachtet worden”, wie die Diplom-Sozialarbeiterin und Pädagogin Ulrike Matuszak-Baier hervorhebt: nämlich die Kinder der Erkrankten.

Verantwortung übernehmen

Kinder, deren Eltern an einer psychischen Erkrankung leiden, zögen sich, wie auch ihre Eltern, aus der Gesellschaft zurück, brächten keine Freunde mehr mit nach Hause. Sie versuchen, Verantwortung zu übernehmen, „die sie gar nicht übernehmen können”, erklärt Diplom-Sozialpädagoge Sebastian Fries. Viele Lasten lägen auf den Schultern der Kinder, „sie gehen mit ihren Wünschen und Bedürfnissen ins Leere und dann zum Teil auch in die Resignation”, erläutert Sebastian Fries weiter. „Im Grunde besteht ihr Leben aus Rücksichtnahme. Sie haben das Gefühl, für ihre Eltern eine Belastung zu sein.”

Um Kinder psychisch kranker Eltern zu unterstützen und zu stärken hat der Deutsche Kinderschutzbund (DKSB), Ortsverband Alsdorf-Herzogenrath-Würselen, das Gruppenangebot „Kosmos” initiiert, das auch Anlaufstelle für Stolberger Betroffene ist.

Nach einer langen Anlaufphase konnte nun erstmals das Angebot umgesetzt werden, und fünf Kinder im Grundschulalter bekamen die Chance, sich mit professioneller Unterstützung mit ihren besonderen Lebensumständen auseinanderzusetzen.

An zehn Nachmittagen hatten die Kinder die Gelegenheit, andere Betroffene in ihrem Alter kennenzulernen, über ihre Probleme, Sorgen und Ängste zu sprechen und eine auf sie abgestimmte Freizeitgestaltung zu erleben. „Kinder haben Bewegungsimpulse, die von psychisch kranken Eltern teilweise nicht aufgegriffen werden können”, erklärt Sebastian Fries. „Auch das Loben ihrer Kinder fällt ihnen schwer”, ergänzt Ulrike Matuszak-Baier.

So konnten die Pädagogen während der gemeinsamen Nachmittage feststellen, dass es den Kindern mittlerweile im Gegenzug ebenfalls schwer fiel, Bestätigung und Anerkennung anzunehmen. Auch an sich selbst positive Attribute zu benennen, war für sie eine Herausforderung.

Nun, nach dem Ende des ersten Gruppendurchlaufs, ziehen Ulrike Matuszak-Baier und Sebastian Fries ein durchweg positives Resümee. „Die zehn Termine vergingen wie im Flug”, sagt Ulrike Matuszak-Baier. „Es hat Spaß gemacht, zu sehen, dass die Kinder sich entwickeln, Vertrauen aufbauen und Freundschaften schließen.” Gerne hätten die Pädagogen mehr Zeit mit den Kindern verbracht. Ein Wunsch, der wohl auf Gegenseitigkeit beruht.

Doch die Umsetzung ist schwierig. Das Konzept wird über die Jugendämter der Städte finanziert. Somit ist es notwendig, dass sich betroffene Eltern mit dem zuständigen Jugendamt in Verbindung setzen und ihr Interesse bekunden. Doch darin bestehe für viele eine große Hürde. „Die Eltern haben Angst, dass ihnen, wenn sie sich an das Amt wenden, ihr Kind weggenommen wird”, erklärt Ulrike Matuszak-Baier.

Mittlerweile ist eine Teillösung gefunden worden, wonach betroffene Eltern sich erst an den DKSB wenden können und gemeinsam mit einem Pädagogen zum Gespräch im Jugendamt gehen können. „Wir hoffen, so die Ängste zu nehmen und öfter das Angebot durchführen zu können”, betont Ulrike Matuszak-Baier auch das Interesse des DKSB, um auf diese Weise betroffene Kinder zu unterstützen. Denn Untersuchungen zeigen, dass Kindern, deren Eltern beide unter einer psychische Erkrankung leiden, selbst eine hohe Erkrankungswahrscheinlichkeit aufweisen. „Und die kann nur durch die Stärkung der Kinder in sich selbst vermindert werden”, unterstreicht Matuszak-Baier.

Viele Ebenen

Gruppengespräche, Einzelkontakte, Informationen kindgerecht vermitteln, Unterhaltungen mit den Eltern - es ist ein Prozess, der auf vielen Ebenen abläuft. Voneinander lernen, sich öffnen und Gedanken aussprechen sind Dinge, die dazugehören. Und die Verantwortlichen spürten bei den Vor- und Nachgesprächen mit den Eltern deren Bedürftigkeit und auch den Wunsch, ein solches Gruppenangebot ebenfalls für Eltern und Kinder gemeinsam anzubieten. Das ist noch Zukunftsmusik. Doch mit der Vereinfachung der bürokratischen Hürde für „Kosmos” ist zumindest ein erster Schritt getan.

Interessierte Eltern, die an einer psychischen Erkrankung leiden und Kinder gerne für die Gruppe „Kosmos” anmelden möchten, können sich an Ulrike Matuszak-Baier und Sebastian Fries des Deutschen Kinderschutzbundes (DKSB), Ortsverband Alsdorf-Herzogenrath-Würselen, wenden. Sie sind unter den Telefonnummern 02405/94488 oder 02405/802587 erreichbar.
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