Mit im Gepäck: Motivation und viele gute Ideen

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Den Treff mitgestalten: Nadine van der Meulen wünscht sich, dass sich die Kinder und Jugendlichen aktiv mit einbringen. Foto: Beatrix Oprée

Herzogenrath. Es ist wieder was los im Jugendtreff „4You“ an der Josefstraße 6 in Straß: Im Zuge der Vertragsunterzeichnung zur Fortsetzung der offenen Jugendarbeit in Herzogenrath-Mitte waren Mitte Dezember 2,6 Stellen für die beiden Einrichtungen festgeschrieben worden.

Womit ein langer Prozess im Kampf um die Finanzierung der Offenen Türen – dem sehr erfolgreichen HOT St. Gertrud und dem „4You“, bei dem eine inhaltliche Neuausrichtung anstand – einen Schlusspunkt fand.

Nadine van der Meulen heißt die neue Frau im „4You“. Die zur Verfügung stehenden Räume im Keller des Pfarrheims hat die 26-Jährige schon gründlich unter die Lupe genommen und erste zielgerichtete Veränderungen vorgenommen. Viele Ideen hat die Sozialarbeiterin/Sozialpädagogin mitgebracht, sie setzt aber auch auf Kreativität und Gestaltungswillen der Kinder und Jugendlichen, die in dem Treff eine feste Anlaufstelle bekommen sollen. Beatrix Oprée sprach mit ihr:

Sie haben Ihr Bachelorstudium gerade abgeschlossen und treten in Straß Ihre erste Stelle an. Die beinhaltet direkt schon eine Neukonzeptionierung. Das ist eine große Herausforderung.

van der Meulen: Ja, und ich nehme sie gerne an. Die Erfahrungen hier kann ich gleich auch für meine Masterarbeit an der Katholischen Hochschule nutzen. Schwerpunkt meines Studiums ist Bildung und Integration. Ich habe schon überlegt, ein Forschungsprojekt zu entwickeln, mit Fragebögen und Interviews in Bild und Ton. Denn Jugendinteressen sind stets einem großen Wandel unterlegen. Zunächst heißt es aber, das Quartier kennenzulernen. Dazu bin ich in den vergangenen Wochen viel unterwegs gewesen.

Der Straßer Jugendtreff existiert seit 1992, in den vergangenen Monaten allerdings gab es ein Vakuum. Wie war die erste Resonanz nach der „Wiedereröffnung“ durch Sie?

van der Meulen: Eigentlich gut, auf Anhieb waren erfreulich viele Besucher da. Jetzt werden wir noch einen Infoflyer entwerfen. Man merkt aber schon, dass alleine die Mundpropaganda fruchtet. Von Tag zu Tag werden es mehr Kinder. Auch ein ehemaliger Besucher hat sich gemeldet, mittlerweile 25 Jahre alt, der sich ehrenamtlich einbringen, unter anderem in Sachen PC Unterstützung leisten möchte. Überhaupt erfahre ich hier in der Pfarre von allen Seiten großartige Hilfestellung. Ich bin ganz begeistert davon und sehr dankbar. Wichtig ist jetzt auch eine gute Vernetzung mit Eltern und Nachbarschaft sowie den bürgerschaftlich Engagierten. Kontakte lassen sich auch gut am Mittagstisch „Tellerrand“ aufnehmen. Vielleicht lassen sich auch mal mit speziellen Aktionen in der Kirche, etwa jüngst die Mahnwache, verbinden.

Nach Ihrer Bestandsaufnahme – was wird Kindern und Jugendlichen zurzeit denn schon geboten im „4You“?

van der Meulen: Man kann mit Holz, Papier und Ton arbeiten, es gibt unzählige Brettspiele, eine Playstation, zwei Kicker, einen Billardtisch, eine Tischtennisplatte. Wir planen, dass man zudem an der Theke kleine Snacks und alkoholfreie Getränke kaufen kann. Aufgearbeitet werden muss der PC-Raum. Überdies ist seit kurzem Freifunk im „4You“ eingerichtet.

Einiges hat sich ja schon getan: Wie werden Sie die drei zur Verfügung stehenden Räume verändern?

van der Meulen: Mal sehen, was sich alles upcyclen (Anm. d. Red.: optisch aufwerten) lässt. Die Jugendlichen können sich hier natürlich mit ihrer ganzen Kreativität selbst mit einbringen. Unter anderem lässt sich auch eine kleine Disco ausbauen.

Der Wunsch der Verantwortlichen in St. Josef ist es, dass neben der gut laufenden Arbeit mit Kindern wieder mehr Jugendliche und junge Erwachsene in den Treff kommen. Wie sieht es damit aus?

van der Meulen: Richtig. Im Zuge aufsuchender Jugendarbeit werde ich aktiv das Gespräch suchen mit Jugendlichen in der Gemeinde, um herauszufinden, wo die Bedarfe sind. Die Jugendlichen sollen zu Wort kommen, sich gerne auch von sich aus im Treff melden, um gewünschte Aktionen anzuregen. Auch die Umgebung des „4You“ bietet gute Möglichkeiten, etwa für ein Open-Air-Konzert auf dem Schulhof. Oder ein Open-Air-Kino. Hier lässt sich schon schön was realisieren.

Wann ist „4You“ derzeit geöffnet?

van der Meulen: Ab Februar donnerstags bis samstags von 15 bis 20 Uhr. Einen Tag in der Woche brauche ich noch, um mich der aufsuchenden Arbeit zu widmen.

Ältere Jugendliche erwarten aber sicher auch Öffnungszeiten, die weiter in die Abendstunden hineingehen.

van der Meulen: Davon gehe ich auch aus. Aber zunächst kann jeder einmal reinschnuppern und sich ein Bild machen von dem, was geboten wird. Dann können wir neu überlegen. Ich bin immer offen für Neues!

Eine 60-Prozent-Stelle mit Ihren Ansprüchen auszufüllen und gleichzeitig ein Masterstudium zu absolvieren, verlangt einiges ab. Wie managen sie das alles?

van der Meulen: Ich habe immer schon 30 Stunden nebenher gearbeitet, auch neben meinem Bachelor-Studium. Dazu bin ich immernoch im Asta aktiv, überdies in der Finanzverwaltung der KatHo. Und ich leite diverse Arbeitskreise. Stillstand war noch nie mein Ding. Und ich habe ein Faible für Finanzen und dafür, herauszufinden, was man mit zur Verfügung stehenden Mitteln, auch wenn sie nur begrenzt sind, alles umsetzen kann.

Zur Sozialarbeit sind Sie aber erst im „zweiten Anlauf“ gekommen?

van der Meulen: Ich habe in Aachen das Fachabi in Gestaltung abgelegt und im Anschluss am Berufskolleg für Gestaltung und Technik eine Ausbildung zur Mediengestalterin gemacht. Von Fotografie zum Beispiel war ich schon immer sehr angetan. Aber auch die soziale Arbeit war und ist mein Steckenpferd. So war ich in der KSJ aktiv, zudem unter anderem am in der Schülervertretung. So habe ich damals dann einfach mal auf der Seite der KatHO nach Studienmöglichkeiten nachgeschaut – und bin nach der entsprechenden Bewerbung prompt genommen worden. Darüber war ich sehr glücklich. Und im Nachhinein weiß ich: Das Studium hat mich sehr vorangebracht. Man gewinnt eine andere Sichtweise auf alles. Und lernt, die Dinge zu hinterfragen.

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