MIT-Forum liefert Mittelständlern neue Ideen

Von: Lars Odenkirchen
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Spannende Diskussionen: MIT-Vorsitzender Georg Lompa (l.) im Gespräch mit dem Unternehmer Dieter Reitmeyer. Foto: Lars Odenkirchen

Würselen. Was ist der richtige Weg für Unternehmer: Auf Gewinnmaximierung setzen, oder doch lieber soziales Engagement zeigen? Am besten wäre natürlich beides zugleich - doch ob dies überhaupt möglich ist, wurde nun im Rahmen des ersten MIT-Forums diskutiert.

Die MIT Würselen ist die Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU, und für ihre erste öffentliche Diskussionsrunde hatte die noch junge Vereinigung gleich ein kontroverses Thema ausgewählt, das mit einem hochkarätigen Referenten besetzt werden konnte. Im Euregiokolleg zu Gast war Dieter Reitmeyer, der geschäftsführende Gesellschafter der international erfolgreichen „redi”-Group, die vor allem in den Bereichen Qualitätsmanagement und Qualitätssicherung in der Automobilbranche tätig ist.

Georg Lompa, Vorsitzender der MIT, freute sich, den Gast begrüßen zu können, und stellte zugleich die Bedeutung des Themas heraus: „Die öffentliche Diskussion der letzten Wochen ist uns allen gut präsent. Für viele zahlt der Staat eindeutig zu viel. Wenn man sich aber die andere Seite vor Augen führt, merkt man, dass die Sache so einfach nicht ist. Denn die Hartz-IV-Regelsätze sind alles andere als eine Überversorgung.”

Reitmeyer sprach zum Thema „Der Unternehmer und soziales Handeln - ein Widerspruch?” und stellte dabei Konzepte vor, die er auch selbst in seinem Unternehmen erfolgreich umgesetzt hat. Als Wohltäter will der Unternehmer aber nicht dastehen, das machte er ganz zu Beginn seines Vortrags klar: „Ich habe nichts mit Mutter Theresa zu tun. Ich bin ein Unternehmer, der auch Geld verdienen möchte.”

Das hat Reitmeyer in den vergangenen Jahren auch getan: 1996 fing er als Ein-Mann-Betrieb an, mittlerweile beschäftigt er über 1000 Mitarbeiter und verbuchte im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund 100 Millionen Euro - und das, obwohl die Wirtschaftskrise auch die „redi”-Group hart traf. Reitmeyers Erfolgsrezept ist dabei denkbar einfach: Ein guter und fairer Umgang mit den Mitarbeitern soll die Identifikation mit dem Unternehmen stärken und so zu mehr Leistung anspornen. „Ich habe schon vor zehn Jahren meine Einkünfte öffentlich gemacht”, erklärte Reitmeyer, „und wenn ein Mitarbeiter mit ganzem Herzen für das Unternehmen dabei ist, bekommt er auch eine Gewinnbeteiligung.”

Auch bei den Neueinstellungen blickt der erfolgreiche Geschäftsmann vor allem auf den Menschen selbst: „Ich will wissen, wer ist das? Wer Menschen führen will, muss auch zeigen, dass er Menschen mag.” Pures Fachwissen kann ihn dabei nicht beeindrucken: „Ich möchte nicht den, der heute viel weiß, sondern den, der zeigt, dass er morgen ein bisschen klüger sein will als heute.”

Ganz eigene Konzepte hat Reitmeyer auch zum Thema Arbeitslosigkeit. Er lud Arbeitslose zu Vorstellungsgesprächen ein und fühlte ihnen auf den Zahn. „Ich wollte wissen, ob sie das Leuchten in den Augen haben, ob sie etwas erreichen wollen.” Rund 100 Arbeitslosen gab er anschließend Jahresverträge und ließ sie seiner Stammbelegschaft bei der Arbeit sprichwörtlich über die Schulter schauen - lernen am Praxisbeispiel eben, nicht auf der Schulbank. „78 von ihnen sind heute bei mir festangestellt, und ich kann nur sagen, die wirbt mir so schnell keiner ab. Diese Menschen sind loyal und voller Ehre”, erklärte der Geschäftsmann.

Auch eine Stiftung rief er ins Leben: Mit ihr will er Arbeitnehmern helfen, die unverschuldet in Not geraten. Für dieses Engagement wurde der Unternehmer auch mehrfach mit Preisen bedacht. Am Ende heißt es also: Sozial und erfolgreich, nicht „oder”. Denn gerade in der Wirtschaftskrise zahlte sich Reitmeyers Linie aus: „Wir haben die Krise nicht überstanden, weil meine Familie klug ist, sondern, weil wir so tolle Mitarbeiter haben.” Denn die Ideen, mit deren Hilfe die „redi”-Group in der Wirtschaftskrise neue Geschäftsfelder erschloss, kamen ausschließlich von den Mitarbeitern.

Zum Abschluss eines höchst interessanten Abends gab der Unternehmer seinen Würselener Kollegen eine gehörige Portion Selbstvertrauen mit auf den Weg und betonte die Bedeutung des Mittelstands in Deutschland: „Wir müssen uns dieses Potenzials nur bewusst werden.”
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