Mit eisernem Willen: 24 Stunden rund um den Carl-Alexander-Platz

Von: Markus Bienwald
Letzte Aktualisierung:
8059858.jpg
Das war‘s: „Marathon-Mann“ Dietmar Pfeiffer wurde am Ende seiner Tour von jubelnden Zaungästen gefeiert. Fotos (3): Markus Bienwald Foto: Markus Bienwald
8061131.jpg
Bei der Zielankunft waren auch Luis Travnitschek und seine Mutter Carina dabei, um ihren großen Helfer Dietmar Pfeiffer zu unterstützen. Foto: Markus Bienwald

Baesweier. Höher hinaus konnte Dietmar Pfeiffer die Nordic-Walking-Stöcke kaum recken. Dennoch gönnte sich der ganz besondere Marathon-Mann nach dem Abschluss seiner exakt 24 Stunden langen Nordic-Walking-Tour rund um den Carl-Alexander-Park diese Siegergeste. Und keiner der wohl rund 100 Zaungäste nahm es ihm übel, dass der 55-Jährige sich zum Schluss erstmal ein großes Weißbier gönnte.

Der Saft, mit dem bajuwarische Fußballmeister auch den soundsovielten Titel in Folge gerne über die Köpfe ihrer Bosse ergießen, schmeckte Dietmar Pfeiffer besonders gut. Und auf die natürlich spontane Frage, ob er denn noch ein Ründchen laufen könnte, gab der Ein-Tages-Läufer nur zurück: „Natürlich könnte ich noch, irgendwie, aber es geht jetzt nicht mehr.“

Zermürbende Nässe in der Nacht

Nach so einer Tour noch die richtigen Worte zu finden, fiel ihm sichtlich schwer. Noch schwerer war aber die Nacht gewesen, die sich vor allem durch Nässe auszeichnete, die letztlich die letzten Nerven des Sportlers aufzufressen drohte. „Zwischendurch hatte ich echt einen toten Punkt und dachte, jetzt gebe ich auf“, sagte Dietmar Pfeiffer. Schwere Beine waren das eine, die Zuversicht, die ihm aber die 40 Begleiter in seinen wechselnden Routen auf insgesamt 146 Kilometern Länge immer wieder gaben, halfen ihm dennoch dabei, am Ende nicht aufzugeben.

Nicht ganz unschuldig dürften die drei Laufsets gewesen sein, die dem Sportler auch von der Ausrüstung her immer das Gefühl des frischen Laufens gaben. „Zwischendurch wurden Schuhe trocken geföhnt, die Laufkleidung zu Hause im Trockner wieder tragfähig gemacht, um Dietmar zu unterstützen“, erzählte Johannes Winkler, der gemeinsam mit Michael Arlt für den Baesweiler Lauftreff die Gesamt-Projektleitung innehatte.

Und der Ehrgeiz, der Wille, durchzuhalten, zahlten sich am Ende aus. Getragen von der jubelnden Menge und Menschen, die sich ein paar Tränen der Rührung nicht verkneifen konnten, machte sich Dietmar Pfeiffer auf den Weg auf eine kleine Extrarunde. Die war aber wirklich klein, denn mehr als ein Stück Rasen unten am Bistro des Carl-Alexander-Parkes war nicht mehr drin. Wohl aber dürfte Dietmar Pfeiffer noch nie so viele Fingerabdrücke auf seinen Waden gespürt haben. „Die sind ganz hart“, meinte eine Dame nach einem prüfenden Griff.

Bürgermeister Dr. Willi Linkens, dessen Ehrentitel „Schirmherr“ bei diesem Marathon mit viel Regen einen ganz anderen Beigeschmack hatte, freute sich ohne Ende mit dem Sportler. „Das wird für die Ewigkeit bleiben“, war sich Linkens sicher.

Was bleibt, ist natürlich auch eine gewaltige logistische Leistung des Teams vom Lauftreff Baesweiler. Nicht nur, dass sich gleich 40 Personen um den einen Läufer kümmerten. „Ohne sie wäre es nicht gegangen“, war sich Dietmar Pfeiffer sicher. Der Baufacharbeiter konnte mit der ganz langen Runde um den Park aber nicht nur seinem Ruf gerecht werden, alles, was er sich zum Ziel setzt, auch wirklich umzusetzen. Er lief nicht nur, um sich selbst etwas zu beweisen, sondern auch für den guten Zweck. Ein Teil des von ihm über Spenden erlaufenen Betrages geht an die Bürgerstiftung Baesweiler. Ein anderer Teil ist für den kleinen Luis bestimmt. Er leidet an dem seltenen „MECP2-Duplikationssyndrom“, von dem weltweit weniger 2000 Kinder betroffen sind. Damit ist er auf einen Rollstuhl angewiesen, denn mit schwachen Muskeln, Schluckstörungen, einer langsamen motorischen Entwicklung, einer beinbetonten Spastik und schließlich einer eingeschränkten Lebenserwartung, die Betroffene meist nicht älter als 25 Jahre werden lässt, bewältigt Luis ein Leben voller Hürden. Gemeinsam mit seiner Mutter Carina Travnitschek ließ es sich der junge Mann übrigens nicht nehmen, mit seinem größten Helfer noch die letzten Meter zurückzulegen.

Spenden für guten Zweck

Das erlaufene Geld soll unter anderem auch der Forschung ums Rett-Syndrom zugutekommen, einem ganz ähnlichen Gendefekt, der sich die Mehrzahl der Symptome mit dem „MECP2-Duplikationssyndrom“ teilt. „Schon dafür hat sich der Weg gelohnt“, war Dietmar Pfeiffer am Ende sicher. Und weil der Weg das Ziel ist, dankte er zum Schluss natürlich noch allen Menschen, die ihm in seinem Willen, das ehrgeizige Projekt in die Tat umzusetzen, unterstützt haben. Ein ganz besonderer Dank galt dabei seiner Frau Gisela. „Sie hat es mir ermöglicht, mir die Zeit dafür zu nehmen“, schloss er. Zwar hätte es deswegen schon einmal eine kleine Krise gegeben, gestand er, „doch sie wusste immer, wofür es war.“ Und am Ende ließen es sich alle Beteiligten gerne noch am Bistro schmecken, denn mit Hilfe von Sponsoren und den fröhlichen Leuten vom Lauftreff Baesweiler wurde das Finale des 24-Stunden-Nordic-Walkings zu einem großen Fest mit viel Musik, dem ein oder anderen Kaltgetränk und einem immer wieder über sich selbst staunenden Athleten.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert