Mit einem Feuerwerk an Emotionen überrascht

Von: Elisa Zander
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Zeigten gemeinsam Einblicke in das Gesamtwerk der deutschen Schriftstellerin Sarah Kirsch: Uwe Böttcher, Heribert Leuchter, Anush Manukian und Annette Schmidt (v.l.). Foto: Elisa Zander

Alsdorf. Es war anders, als das, was wohl die meisten Zuschauer erwartet hatten. „Dichterknöpfe”, die Inszenierung des Theater K zum 75. Geburtstag der Schriftstellerin und Lyrikerin Sarah Kirsch, war exotisch, ausgefallen, schlichtweg extraordinär.

Die vom Publikum vermutete Rezitation von Gedichten blieb aus. Das vierköpfige Ensemble überraschte mit einem Feuerwerk an Emotionen, Lyrik und Prosa.

Die Schauspielerinnen Annette Schmidt und Anush Manukian, die beide auch Regie führten, boten mit dem Gesamtkunstwerk im Energeticon einen Abend für alle Sinne.

Das Schauspiel, das mal mehr Tragödie, mal mehr Komödie war, war gleichzeitig Hörspiel, Installation und Konzert, ein Genuss, der von Uwe Böttcher (Violine und Kontrabass) und Heribert Leuchter (Saxophon) musikalisch begleitet und untermalt wurde. Sie spiegeln die Gemütslage von Schmidt und Manukian wider, die im unregelmäßigen Wechsel zu Sarah Kirsch werden und das Publikum wie selbstverständlich mit in diese Welt nehmen.

Es ist die Welt der Sarah Kirsch, die 1935 als Ingrid Bernstein im Südharz geboren wurde, und während des Zweiten Weltkriegs in Halberstadt aufwuchs. Zur Dichterkunst fand sie durch ihren Ehemann Rainer Kirsch, von dem sie sich 1968 nach acht Jahren Ehe scheiden ließ. 1969 zog sie nach Ost-Berlin.

Langanhaltender Applaus

Ihre Erfahrungen als Migrantin von Ost- nach West-Berlin, das Staunen über die Weite des Landes, aber auch über ihre Mitmenschen und die Natur prägen ihr Werk ebenso wie Szenerien aus dem Krieg. Sie schreibt von roten Wolken, die im Wasser treiben, von Absolution und Selektion. Es sind Gedichte über Kirschs „Sucht zur Erde” und ihrem Wunsch die Natur zu verstehen und mit ihr eins zu werden.

Die Lyrik, teils in Musikkompositionen arrangiert, floss wie selbstverständlich in das Spiel von Annette Schmidt und Anush Manukian mit ein. Die Texte sind kritisch, melancholisch, sogar traurig, kippen dann in eine hoffnungsvolle, fröhliche, gar optimistische Stimmung. Der Zuschauer und -hörer findet sich in den Bildern wieder, die Sarah Kirsch teils selbstironisch skizzierte, wenn Annette Schmidt und Anush Manukian etwa von Löwenzahnplage und Disteln als Rosettenalptraum erzählen oder Kirschs Gleichnis des Abfallbehälters als Zeitmesser der Menschen zitieren.

„Dichterknöpfe”, der Titel ist Programm. Während des Kriegs fehlte in Sarah Kirschs Familie neben Lebensmitteln auch Spielzeug. Sie fand in der Knopfsammlung der Mutter eine Beschäftigung, ein Verschluss hatte Augen - es wurde ihr Dichterknopf.

Die ausgefallene Auseinandersetzung mit einer Autorin, die selbstironisch und kritisch schreibt, geht, trotz anfänglicher Befremdnis, auf. Langanhaltender Applaus für einen Abend, der das Publikum die Welt mit anderen Augen sehen ließ.
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