Mit der Lebenshilfe Rollator sicher umgehen lernen

Von: mabie
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Alles im Griff: Während Josefine Dautzenbergs (l.) Bekannte Thea Brokamp interessiert zuschaut, erläutert der Leiter der Abteilung Physiotherapie am MZ, Willi Gube, den richtigen Umgang mit dem Rollator. Foto: Markus Bienwald
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Nicht offiziell, aber trotzdem „bestanden“: Hanny Wendel stellte über 20 Zertifikate aus.

Würselen. Für Rosemarie Stieger ist der Rollator zur echten Lebenshilfe geworden. „Ich bin sehr unsicher beim Gehen“, sagt die 63-Jährige aus Würselen: „Ohne ihn würde ich kein Stück laufen.“ Aber ihr vierrädriger Kompagnon ist dennoch etwas, an das sie sich gewöhnen muss. Dabei hilft ihr an diesem Vormittag Sören Schulz.

Er ist Physiotherapeut am Medizinischen Zentrum (MZ) in Würselen und gehört zum Team, das auf dem Parkplatz der Geriatrie erstmals die Chance bietet, einen Rollator-Führerschein zu machen.

Zu hoch eingestellt

Natürlich ist das kein offizielles Papier, aber die Therapeuten und Spezialisten für alles rund um den älter werdenden Körper wissen eben, wie das so geht mit dem Rollator. Besser gesagt fährt, denn schließlich will das im Grundgerüst aus einem Sitz, einem Körbchen, zwei Haltegriffen, Bremse und vier Rädern bestehende Gefährt auch beherrscht sein. Willi Gube als Leiter der Abteilung Physiotherapie weiß exakt, worauf es ankommt. „Wichtig ist zum Beispiel die Stellung der Füße“, sagt er, während er die Bewegungen mit Josefine Dautzenberg übt.

„Die Füße sollten immer zwischen den hinteren Rollen sein, dazu sollten vor allem die Griffe nicht zu hoch eingestellt sein“, erklärt er. Ein kurzer Check zeigt, dass die Griffe bei Josefine Dautzenbergs nobler Rollator-Ausführung etwas zu hoch eingestellt sind. „Das machen fast alle“, kommentiert Gube und korrigiert mit routiniertem Griff die Stellung der wichtigen Halter.

Denn wenn hier, wo Mensch und Maschine den innigsten Kontakt miteinander pflegen, die Haltung nicht stimmt, kann es sein, dass der Rollator ein unerwünschtes Eigenleben entwickelt. Gube führt das eindrucksvoll vor, stellt die Griffe bewusst zu hoch ein. Nun kann er das Gefährt nicht mehr so souverän steuern. Und es kommt noch schlimmer: Denn bei von ihm simulierten, verkürzten Schritten, die bei älteren Menschen dafür sorgen, dass eigentlich immer beide Beine am Boden sind, kann es dazu führen, dass der Rollator sich an den ausgestreckten Armen immer weiter vom Körper entfernt und so zur gefährlichen Falle wird.

Schenkelhalsbrüche

„Schenkelhalsbrüche sind dann eine Folge, wenn der Mensch sich nicht mehr am Rollator halten kann und fällt.“ Neben der Einstellung ist auch die passende Ausstattung ein wichtiger Faktor, um gut mit dem vierrädrigen Gefährt umgehen zu können. „Eine Stange als Rückenlehne kann beim Sitzen wertvolle Dienste leisten“, sagt Gube. Das alles hat auch Josefine Dautzenberg, die richtig stolz auf ihren Alltagshelfer ist.

„Und der hat ein richtiges Sitzkissen, das über dem Körbchen liegt“, sagt sie, „nicht so kleine Brettchen wie die anderen. Außerdem kann mir dann so leicht keiner was aus dem Körbchen klauen.“ Stolz ist sie aber auch auf den kleinen Schirm, den sie bei einer Rast in der Sonne ausfahren kann und der sicherlich auch einmal ein paar Regentropfen abhält.

Doch egal, ob nun royal ausgestattet oder als Basismodell – das Fahren mit dem Rollator will geübt sein. Dazu gehen Rosemarie Stieger und Sören Schulz einen eigens angelegten Parcours auf dem Parkplatz an. Eine Sportmatte simuliert einen Teppich, dessen Kantenhöhe für Menschen mit eingeschränktem Bewegungsapparat schon eine Hürde darstellen kann.

Kleine gelbe Hütchen stellen Hindernisse dar, und eine Mini-Rampe zeigt, wie auch im Alltag mit simplen Hilfsmitteln beispielsweise das noch nicht in allen Punkten barrierefreie Zuhause locker gemeistert werden kann. Bei der offiziellen Begrüßung hatte Bürgermeister Arno Nelles als Schirmherr der Veranstaltung, die in diesem Jahr nochmals im MZ stattfinden soll, auf die steigende Bedeutung einer senioren- und altersgerechten Stadt hingewiesen.

Auch Hanny Wendel von der Arbeitsgemeinschaft 60plus der SPD, die an diesem Tag gemeinsam mit dem MZ Würselen Veranstalter dieses kostenlosen Angebots ist, weiß, wie wichtig es ist, im Alter mobil zu bleiben. Sie hat selbst vor drei Jahren einen Schlaganfall erlitten und hatte damals nur den Wunsch: wieder mobil zu sein. „Fahrradfahren wollte ich wieder“, gesteht sie lächelnd im Gespräch mit unserer Zeitung. Das hat auch geklappt, zum Termin ist sie geradelt.

„Man muss auch üben“

Ihr Mann allerdings, der seit Kurzem einen Rollator benötigt, den hat sie mit eben jenem Gefährt anreisen lassen. „Man muss auch üben“, sagt sie und freut sich, dass ihr Gatte an diesem Vormittag schon nach wenigen Minuten viel besser mit seinem Rollator umgehen kann. Sicherlich war er auch stolz, einen der mehr als 20 Rollatoren-Führerscheine zu erhalten, die zeigen, dass der kleine, nicht motorisierte Helfer ein großes Stück neue Flexibilität bedeuten kann.

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