Mit dem Glühwein zum Public-Viewing

Von: Sebastian Maassen
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Shirts & Sonnenbrillen: Ob es die 2022 bei der WM auch braucht? Der Kick in Katar sorgt für einige Fragen. Foto: Dagmar Meyer-Roeger

Nordkreis. Glühwein statt Bier und Nikolausmützen statt Fan-Accessoires? So oder so ähnlich könnte ein typisches Public-Viewing im Jahr 2022 aussehen – zumindest sofern die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar tatsächlich in den Winter verlegt werden sollte.

Wegen der hohen Temperaturen in dem Emirat wird diese Option derzeit diskutiert. Sehr zum Leidwesen vieler Sportbegeisterter, die stets auf ein weiteres Sommermärchen hoffen.

So auch Stefan Hanrath, Leiter der Alsdorfer Cinetower-Gastronomie und Organisator von Public-Viewing-Veranstaltungen. „Die Stimmung ist im Sommer natürlich deutlich besser. Trotzdem würden wir auch im Winter versuchen, Fanmeilen-Atmosphäre zu kreieren.“ Der Tower verfüge über einen großen Innenbereich, auf den man ausweichen könne. Außerdem seien auch die Bedingungen bei der WM in Brasilien schwierig gewesen, so Hanrath. „Da hatten wir mit Zeitverschiebung und schlechtem Wetter zu kämpfen.“

Manfred Borgs vom Stadtsportverband Herzogenrath ist das Wetter herzlich egal. Er ist kein Freund des gepflegten Rudelguckens, genießt die Spiele lieber zu Hause auf der Couch. Zu welcher Jahreszeit die WM ausgetragen wird, kümmert ihn persönlich nicht. „Denn ich gehe davon aus, dass der Bundestrainer mich nicht nominieren wird.“ Aus Rücksicht auf die Aktiven im Leistungssport könnte eine Verlegung in den Winter aber durchaus sinnvoll sein, überlegt Borgs. „Wobei es ja auch noch sieben Jahre dauert, bis es ernst wird.“

Eine Zeitspanne, die Willi Köhnen, Geschäftsführer des „BistroRant“ Löwenherz in der Baesweiler Burg, nutzen will, um kreative Ideen zu entwickeln. Einige hätte er schon parat, etwa einen „Schlittenkorso“ durch die Stadt oder eine Veranstaltung im Stile einer Après-Ski-Party. Um mangelnden Zulauf sorgt Köhnen sich auch bei einer WM im Schnee nicht. „Zwar haben die meisten Leute mittlerweile große Fernseher zu Hause, doch letztlich ist es immer die Massendynamik, die für das Erlebnis sorgt – egal zu welcher Jahreszeit.“ Und in der Scheune der Burg sei durchaus eine Kombination aus Weihnachtsfeier und Public-Viewing-Veranstaltung umsetzbar, sodass man nicht in Konkurrenz zum klassischen Weihnachtsgeschäft treten müsse. Alles in allem steht Köhnen einer Winter-WM aufgeschlossen gegenüber. „Ganz im Sinne der Textzeile von Andreas Bourani: ‚Wer friert uns diesen Moment ein?‘“

Weniger optimistisch sieht Günter Kuckelkorn, Vorsitzender des Stadtsportverbands Würselen, dem sportlichen Großereignis entgegen. „Eine WM im Winter hat es noch nie gegeben. Und einen Tag vor Heiligabend das Endspiel starten zu wollen, setzt dem Ganzen die Krone auf!“ Ob man stattdessen nicht die Olympischen Spiele in Katar hätte ausrichten können, fragt er sich. Außerdem kritisiert er die schlechten Bedingungen, unter denen ausländische Arbeiter Medienberichten zufolge Stadien und andere Bauten errichten müssen. Sein Eindruck: „Die hausen da in Unterkünften, die selbst Tieren nicht gerecht würden, und werden im wahrsten Sinne des Wortes verheizt – das ist absolut unmenschlich und im 21. Jahrhundert eigentlich undenkbar. Die Fifa sollte verdammt noch mal endlich aktiv werden und die Situation vor Ort verbessern. Geld genug hat sie ja.“

Polizeisprecher Paul Kemen ist schon zufrieden, wenn es in seinem Revier mit rechten Dingen zugeht. „Bei der letzten WM gab es weder Ausschreitungen noch andere Probleme. Das wird im Winter hoffentlich nicht anders sein. Ob Fans ihre Autokorsos in T-Shirt oder Daunenjacke veranstalten, ist uns vollkommen gleich.“ Einen klaren Vorteil in Sachen Kleiderwahl gibt es aber doch: Der Schal der Lieblingsmannschaft hätte endlich einen praktischen Nutzen.

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