Trancendence Kino Freisteller

Mit Bus vom Cabarett über den Chanson zum Blues

Von: Nina Krüsmann
Letzte Aktualisierung:
Polit-Kabarettistin Anny Hartm
Polit-Kabarettistin Anny Hartmann eröffnete die Zeitenwende 2011 im Streiffelder Hof.

Herzogenrath. Wenn die Zeit sich wendet und es langsam auf den Winter zugeht, steht in Herzogenrath traditionell geballte Kultur auf dem Programm. Zum 6. Mal fand am Wochenende die Zeitenwende an drei Veranstaltungsorten statt.

„In der Nacht der Zeitumstellung bietet die Tour mit dem Shuttle-Bus Kulturhighlights im Streiffelder Hof, im Klösterchen und auf Burg Rode”, freute sich Mitorganisator Hans Bücken. Der Zuspruch der Herzogenrather war auch diesmal groß.

Mehr als 40 Besucher hatten sich ein Ticket für alle drei Events gekauft und pendelten mit einem großen Reisebus von einer Veranstaltung zur nächsten. „Beim Programm haben wir uns sowohl um eine niveauvolle Weiterentwicklung bemüht und andererseits in der Region bekannte Künstler eingeladen”, erklärt Bücken.

Den Start mache Anny Hartmann mit ihrem Programm „Humor ist, wenn man trotzdem wählt” im ausverkauften Streiffelder Hof. Die studierte Volkswirtin und ehemalige Sparkassenangestellte aus dem Kölner Raum hat sich mittlerweile ganz und gar der Kleinkunst verschrieben. Seit 2003 widmet sie sich ausschließlich dem Kabarett, eine Rolle die sie scharfzüngig auszufüllen weiß.

„Das Hauptarbeitsmittel der Kabarettisten, eine gewisse Boulevardzeitung mit vier großen Buchstaben, lese ich am liebsten im Zug”, erklärte Hartmann eingangs. Da gibt es dann auch immer einiges zu entdecken: Egal, ob „Bauer sucht Frau”, die griechische Finanzkatastrophe oder das Dekolleté von Angi Merkel - alles wird von Hartmann kommentiert. Mit ihrem Politkabarett widmet sie sich größtenteils dem bröckelnden Sozialwesen und dem Gesellschaftswandel in Deutschland.

Sie verglich die Einnahmen und Gehälter von Asylanten, Hartz-IV-Empfängern, Rentnern, der Bundeskanzlerin und Profifußballern oder äußerte sich zu Ursula von der Leyen: „Sie ist zwar noch ganz dicht, hat aber mit Sicherheit eine Schraube locker.” Wer als Zuhörer am lautesten klatscht oder ungefragt eine richtige Antwort gibt, wird von Hartmann mit einem Schokoladenriegel belohnt. So machte das Publikum von Anfang an mit.

Besonders gut in Szene gesetzt hat Hartmann die Situation auf dem Arbeitsamt: Soll man nun jung und dynamisch sein oder über langjährige Berufserfahrung verfügen? Praktika mit 61 - warum nicht? Sie prangert nicht nur an, sondern bietet auch kreative Lösungen an. „ Zu wenig Geld für Frauenhäuser? Warum nicht mit einer Misswahl die Finanzen aufbessern? Fußballer verdienen mehr als Krankenschwestern? Dann müssen Krankenschwestern eben mehr Tore schießen.”

Die großartige Chansonsängerin Madeleine Sauveur stellte mit ihrem „Sternstundenhotel” den zweiten Programmpunkt dar. Im Klösterchen war dies bereits ihr dritter Auftritt. In eigens komponierten Liedern und in kurzen Spielszenen erzählt Sauveur von Zimmernummern und Schlüsselerlebnissen im Zuhause auf Zeit. Spielort ist das Hotel Residenz. „So flüchtig wie Menschen im Hotel sind Sternstunden.

Sie übernachten mal kurz und -schwupp, weg sind sie”, sagt die Sängerin. Begleitet wird sie vom hervorragenden Pianisten Clemens Maria Kitschen, der alle Register zog. Alltagskompatibel wollen beide nach eigenem Bekunden nicht sein, sondern außergewöhnlich ungewöhnlich. Szenenwechsel waren angesagt. Einmal kam Sauveur als affektierte Front-Office-Managerin Stefanie Schlicht auf die Bühne, wenig später verwandelte sich ihr Pianist in einen italienischen Gigolo. Die intelligenten und witzigen Texte, die schmissigen Melodien und der Charme der Sängerin jedoch bleiben.

Der Abschluss der Kulturnacht mit dem Blues-Trio „The Hookers” fand auf Burg Rode statt. Die in der Region sehr beliebte Band bietet einen Querschnitt durch ein halbes Jahrhundert amerikanischer Rock- und Bluesgeschichte.

Bekannt geworden ist Sänger Hubert Clemens als Sänger der legendären Thirsty Man Band sowie der Bottlefield Blues Band. Seine kraftvolle und ausdrucksstarke Stimme ist das Markenzeichen der Hookers. Walter Jenniches begleitet das Ganze am Piano, Jochen Solbach spielt den Contrabass. Mit individuell interpretierten, ruhigeren Songs und Balladen der großen Songwriter wie Tom Waits, Bruce Springsteen und John Hiatt setzten die drei Musiker einen tollen Schlusspunkt unter die Zeitenwende.

Das Fazit war positiv: Bevor mit dem Umstellen von Sommer- auf Winterzeit die dunkle Jahreszeit begann, setzte die Stadt Herzogenrath noch einmal ein ausdrucksstarkes Zeichen für die Qualität der Kultur in der Grenzstadt.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.