Missionar Pater Siegers feiert Goldenes Priesterjubiläum

Von: rp
Letzte Aktualisierung:
als_patersiegers_bu
Den Kleinsten helfen: Pater Fritz Sieger will auch weiterhin für die Straßenkinder im brasilianischen Cruzeiro do Sul da sein. Foto: Marietta Schmitz

Alsdorf. Vor wenigen Wochen hat Pater Fritz Siegers sein 76. Lebensjahr vollendet. Die Hälfte seines Lebens, genau 38 Jahre, hat er als Missionar in Brasilien verbracht, war überwiegend im tiefen Urwald tätig. Vor rund elf Jahren ist er in seine Mariadorfer Heimat zurückgekehrt und verrichtet dort in verschiedenen Pfarrgemeinden bis jetzt heute seinen priesterlichen Dienst. Am Samstag, 17. Juli, feiert er sein Goldenes Priesterjubiläum.

1947 kam er zu den Spiritanern in Knechtsteden. Nach seinem Studienjahren wurde er am 17. Juli 1960 zum Priester geweiht und reiste 1961 nach Brasilien. Dort unterhalten die Spiritaner am Amazonas ein großes Missionsgebiet, das man als Flussmission bezeichnet.

Verbindungswege sind dort unzählige größere und kleinere Flüsse. Straßen gibt es großteils auch heute nicht. Die „Pfarrkinder” waren Gummizapfer, Indios, Kleinbauern und Fischer. „Die Menschen lebten vereinzelt im Urwald, oft mehrere Stunden auseinander, einsam und alleine auf sich gestellt mit ihren vielen Kindern. Hilflos, ohne Schule oder ärztliche Betreuung und der Willkür der Gebietsbesitzer ausgeliefert”, erinnert sich Siegers.

Oft gab es kein Geld

Das habe sich vor allem finanziell ausgewirkt. „Das Produkt der mühseligen Arbeit in der feuchten Hitze des Urwalds, der Rohgummi, wurde in den Sammellagern oft nicht mit Geld bezahlt, sondern mit Lebensgütern, deren Preis der Besitzer des Gebietes willkürlich festlegte. Und zwar so hoch, dass der Gummizapfer immer mit Schulden lebte.”

Die Missionare, wie Pater Fritz Siegers lebten in kleinen Ortschaften, aus denen sie auszogen, um in wochenlangen Reisen mit dem Boot die Pfarrkinder, die sie zu Fuß nicht erreichen konnten, zu besuchen. „Die Einsiedlerfamilien hatten nur ein- oder zweimal im Jahr Gelegenheit, einer heiligen Messe beizuwohnen, zu heiraten, ihre Kinder taufen oder firmen zu lassen.”

Leibsorge

Neben der Seelsorge war auch die Leibsorge seine Aufgabe, da es keine medizinische Betreuung gab. Die Missionare hatten einige medizinische Grundkenntnisse erworben - sei es durch Fachliteratur oder schmerzhafte Erfahrungen am eigenen Leib. So verteilten sie bei ihren Besuchen Medikamente gegen die „normalen” Tropenkrankheiten wie Malaria, Lebererkrankungen, Vitaminmangel, Typhus, Darmerkrankungen oder Amöbenruhr.

Auch Pater Siegers hat die meisten dieser Krankheiten selbst erlitten. Hinzu kam ein schwerer Herzinfarkt. Mit all dem musste er alleine fertig werden. Doch von allem hatte sich der Mariadorfer Pater nicht unterkriegen lassen. „Was das Leben des Missionar belastete, war die Einsamkeit. Denn die großen Entfernungen von einer Pfarrei zu anderen, bis an die 500 Flusskilometer, machte es unmöglich, sich regelmäßig zu treffen.”

Obwohl laut Satzung des Ordens kein Mitbruder alleine auf einer Station sein dufte, war das mangels Nachwuchs nicht anders möglich. Die ersten 20 Jahre hat Siegers ohne Arzt, Krankenhaus oder Elektrizität gelebt. In den folgenden elf Jahren erging es ihm etwas komfortabler. Er war in mehreren Pfarreien tätig und hat in dieser Zeit einige Kirchen errichtet.

Kitas aufgebaut

Im Januar 1992 wurde er in die Hauptstadt des Gebietes, nach Cruzeiro do Sul (Kreuz des Südens) versetzt. Diese Stadt die 1961 nur 5000 Einwohner zählte, war auf über 80000 Einwohner angewachsen, weil die Menschen im Inneren des Landes durch den Wegfall der Rohgummigewinnung, ihr Leben im Urwald aufgaben, um in Kleinstädten Arbeitsmöglichkeiten zu finden.

Die größte Sorge neben der Seelsorge war die soziale Not, erinnert sich Siegers. „Ich habe mich besonders den Kindern zugewandt, die sich oft unterernährt mit ihren Hungerbäuchen im Dreck der Wege in den Randgebieten tummelten.” In vielen Städten in Brasilien wurden aus so genannten Straßenkinder kriminelle Banden.

Dies wollte Siegers in seinem Arbeitsbereich vermeiden - und so entstanden innerhalb von sieben Jahren sechs Kindertagesstätten. Realisiert mit Spenden aus Deutschland und den Hilfen von Adveniat und der Sternsingeraktion.

Die Kitas bestehen heute noch, die finanziellen Mittel werden nach wie vor von Pater Siegers in Deutschland akquiriert - besonders in seiner Heimat. Seit elf Jahren sammelt er für die Menschen in seiner zweiten Heimat und überzeugt sich einmal im Jahr persönlich in Brasilien nach der Entwicklung und dem Wohl der Kinder und der Kindertagesstätten.

Sein goldenes Priesterjubiläum feiert er am Samstag im Bergischen Land, wo seine Schwester lebt und wo der frühere wieselflinke Rechtsaußen von DJK Mariadorfer Ehrenmitglied einer Schützenbruderschaft ist.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert