„Mission erfüllt“: Die Schnellstraße ist Geschichte

Von: Heiner Hautermans
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Aus den letzten Spenden finanziert die Bürgerinitiative B 258 nein diese Picknickbank, die nun an der Stelle steht, an der die Schnellstraße durch das Heydener Ländchen geplant war. Foto: Andreas Herrmann

Aachen/Herzogenrath. „Mission erfüllt“, könnte man sagen: Im idyllischen Flecken Horbach gab es jetzt Grund zu feiern. An der Hochzeitswiese im Heydener Ländchen (Scherbstraße/Ecke Heyder Feldweg) fand sich die Bürgerinitiative „B 258 nein“ zu ihrer letzten Veranstaltung zusammen.

Die nach der Jahrtausendwende geplante Schnellstraße hat sich nämlich erledigt, sie ist mit der Beschlussfassung über das Fernstraßenausbaugesetz im Dezember 2016 endgültig aus dem Bundesverkehrswegeplan gestrichen worden.

Ziel nach 13 Jahren erreicht

Damit hat die im September 2004 gegründete Vereinigung nach 13 Jahren ihr Ziel erreicht. Sprecher Volker Spiertz: „Es war von Anfang an klar, dass es kein Sprint ist, sondern ein Marathon. Der ist es auch geworden. Wir laufen gerade durch das Ziel.“ Zum finalen Akt übergaben die 30 Mitglieder nun eine Picknickbank, die aus den restlichen Spenden finanziert worden ist, in einer kleinen Feierstunde offiziell an die Stadt Aachen.

Sie steht mitten auf der ursprünglich geplanten Trasse der B 258n und soll daran erinnern, dass das „wenig sinnvolle, aber umweltzerstörende Verkehrsprojekt nicht gegen den Willen der betroffenen Bürgerschaft und der Stadt Aachen durchgesetzt werden konnte“. Spiertz sah das auch als Aufmunterung für andere Initiativen in ihrem mitunter mühsamen Kampf gegen Windmühlenflügel: „Manchmal kann es sich lohnen, und man kann etwas Positives bewirken.“ Spiertz dankte allen, die sich besonders eingesetzt hatten.

An der Hochzeitswiese hatte 2004 auch die erste Informationsveranstaltung der BI stattgefunden, jetzt schloss sich an derselben Stelle der Kreis. 4,3 Kilometer lang und 18 Meter breit sollte die geplante Straße zwischen Richterich und der Hamstraat (Buitenring) in Kerkrade durch das Landschaftsschutzgebiet werden, vorwiegend als Entlastung für die immer wieder überfüllte Roermonder Straße von Politikern aus Herzogenrath vorangetrieben.

Während der Kosten-Nutzen-Faktor als Messziffer für die Sinnhaftigkeit des Millionenprojekts vom ersten Beschluss an stark sank (und der Verkehr in Kohlscheid so wohl nur gering entlastet worden wäre), explodierten die Kosten von anfangs 6,6 Millionen auf 33 bis 40 Millionen Euro am Ende – auch das ein Grund dafür, die B 258n in die Mottenkiste zu stecken.

Die BI brachte ihren Protest in die diversen Parlamente, von der Bezirksvertretung bis zum Bundestag, schaltete Abgeordnete und Naturschutzverbände ein, verfasste Stellungnahmen, organisierte Podiumsdiskussionen und beteiligte sich sogar am Karnevalszug 2011. So viel Power zahlte sich Ende 2016 aus: Die ungeliebte Straße versank im Orkus der Geschichte.

Fest im Boden verankert

Bezirksbürgermeisterin Marlis Köhne nahm das solide Geschenk, das vom Stadtbetrieb fest im Boden verankert worden war, dankbar entgegen: „Ich hoffe, dass viele Wanderer auf der Bank Platz nehmen werden.“ Und darauf stießen dann alle mit einem Glas Sekt oder Sprudel an.

Die wahrscheinlich mehr als 100 Jahre alte Eiche, nur wenige Meter entfernt, die wohl der Straße hätte weichen müssen, nahm es mit Gleichmut. Sie kann nun weiter Jahresringe sammeln – wenn der Mensch sie denn lässt.

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