Herzogenrath - „Minutenpflege“ gehört Vergangenheit an

„Minutenpflege“ gehört Vergangenheit an

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Arbeitsbedingungen und wirtschaftliche Situation: Im Seniorenzentrum auf der Liester fand gestern eine mehrstündige Mitarbeiterversammlung statt. Die Kommunikation soll sich in Zukunft erheblich verbessern.

Herzogenrath. 90 Minuten gespannte Aufmerksamkeit – es gab viel zu lernen an diesem Nachmittag bei der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Merkstein. Aus kompetentem Mund hörten Mitglieder und Gäste „Neues aus der Pflegeversicherung“.

Claudia Liepertz, Fachbereichsleiterin Pflege und Betreuung bei der AWO Aachen-Land, stellte die zweite Stufe des Pflegestärkungsgesetzes vor, die am 1. Januar 2017 in Kraft tritt.

Kernpunkt ist ein völlig neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff. Statt der bisherigen drei Pflegestufen gibt es künftig fünf Pflegegrade. In sechs Modulen, einschlägigen Lebenssituationen, werden Alltagskompetenz, Selbstständigkeit, Fähigkeiten überprüft, beurteilt und nach einem Punktesystem eingeordnet. Aus diesem Mix ergibt sich der Pflegegrad. Damit gehört die immer wieder zurecht kritisierte „Minutenpflege“ endlich der Vergangenheit an.

Die Überleitung der derzeit Pflegebedürftigen ins neue System erfolgt automatisch. Entscheidende Verbesserung: Personen mit Eingeschränkter Alltagskompetenz (EAK) kommen in einen höheren Pflegegrad. Damit wird erstmalig den Bedürfnissen von Menschen mit Demenz und vergleichbaren Belastungen Rechnung getragen. Dringende Empfehlung der Fachfrau: „Jetzt die Pflegestufe überprüfen lassen, vor allem hinsichtlich einer möglichen EAK!“

Entsprechend dem Grundsatz „ambulant vor stationär“ hat die Tagespflege bereits seit zwei Jahren ein eigenes Budget. Darüber könne Tagessatz und Fahrt abgerechnet werden. Für Unterkunft und Verpflegung sei Betreuungs- und Entlastungsleistung zu beantragen. Mit den neuen verbesserten Sätzen der einzelnen Pflegegrade kann Tagespflege nun auch realistisch finanziert werden, stellte Claudia Liepertz an konkreten Rechenbeispielen dar.

Klar strukturiert brachte sie den Zuhörern das komplizierte Geflecht von Pflegegeld, Pflegesachleistung, Kombinationsleistung, Kurzzeitpflege und Verhinderungspflege nahe, stets mit Beispielen aus der Praxis untermauert.

Eine weitere Verbesserung: niemand muss mehr aus dem Krankenhaus entlassen werden ohne häusliche Versorgung. Auch Menschen ohne Pflegestufe haben dann Anspruch auf Kurzzeitpflege im Krankenhaus. Dies sei im Krankenhausstrukturgesetz geregelt. Über entsprechende ärztliche Verordnung könne auch häusliche Pflege beantragt werden.

Umfassende Aufklärung leistete Claudia Liepertz mit ihrer lebendigen anschaulichen Power-Point-Präsentation. Deutlich wurde aber auch: jeder einzelne Fall bedarf der individuellen Beratung. „Da ist es gut zu wissen, dass wir die zuverlässigen Fachleute hier unmittelbar vor Ort haben“, bedankte der sich AWO-Vorsitzende Horst Herberg.

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