Migranten zur Integration „lotsen”

Von: Karl Stüber
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Auch so kann man den Willen zu
Auch so kann man den Willen zur Integration fördern: Eine Frau mit Kopftuch geht an einem Werbeplakat mit einer klarer Aussage vorbei. Foto: dpa

Alsdorf. Lotsen kommen immer dann zum Einsatz, wenn der weitere Weg anderen nicht klar ist und diese nicht recht weiter wissen. Das ist im Schiffsverkehr so oder auch im Gesundheitswesen, durch dessen Labyrinth der Hausarzt finden helfen soll.

Lotsen sichern die Überwege für Schulkinder, und sie helfen bei Fragen der Integration. Die Städteregion Aachen hat jetzt in einem zweiten Schwung 18 solcher Lotsen ausgebildet - 16 Damen und 2 Herren. Sie tragen keine bunten Westen und tragen auch keine orange-farbenen Kellen, aber sie sind ausgestattet mit Wissen und Einfühlungsvermögen, das ihnen in insgesamt 120 Schulungsstunden nahe gebracht worden ist, wie Beate Lennartz vom Integrationsbüro der Städteregion im Alsdorfer Integrationsrat vortrug.

„Die Lotsen haben die Aufgabe, Menschen mit Migrationshintergrund über die in Deutschland vorhandenen Beratungsangebote im Feld der Sprache, der Bildung, des Gesundheitswesens, in Fragen der Anerkennung von Berufsabschlüssen, der Angebote der Jugendhilfe sowie des Sozialleistungssystems zu informieren und die Wege zu den Beratern aufzuzeigen, die hier kompetente Beratung geben können”, beschreibt Lennartz die Arbeit der Ehrenamtler, die nur eine geringe Aufwandsentschädigung erhalten. Aber das Ganze ist keine Einbahnstraße, denn neben der Inanspruchnahme von Beratungsmöglichkeiten geht es auch darum, klar zu machen, dass bestehende Regeln und Verpflichtungen einzuhalten sind, um auch Leistungen zu beziehen. Das wird auch Thema des 4. Stadtgesprächs des Fördervereins Stadtmarketing und unserer Zeitung am 8. Juni sein.

Grundsätzlich sollen sich die Lotsen mit den Klienten in deutscher Sprache verständigen, um deren Beherrschung als zentralen Baustein zur Integration in Deutschland zu trainieren. Aufgabe der Lotsen ist es laut Lennartz allerdings nicht, als Dolmetscher oder „Problemlöser” tätig zu werden. Sie können nur in Einzelfällen als „Türöffner” fungieren.

Das Lotsenmodell der Städteregion traf im Integrationsrat auf Kritik. So sagte Sadi Ünal von der türkisch ausgerichteten Gruppe Avrasya, er sehe das Vorhaben zum Scheitern verurteilt, weil die Lotsen „nicht an die Leute herankommen”. Neben der Sprachkompetenz gehe es schließlich auch um das Verständnis für die jeweilige Kultur. Ünal beklagte, dass „Leute ausgebildet wurden, die in ihrem Umfeld nicht so bekannt sind”. Dagegen seien die Mitglieder des Integrationsrates nicht gefragt und auch nicht speziell ausgebildet worden. „Wir mussten uns das alles erarbeiten.” Der Vorsitzende des Integrationsrates, Mevlüt Zorlu (ebenfalls von Avrasya), versucht die Wogen zu glätten, bot an, seitens des Integrationsrates bei Bedarf „Ansprechpartner zur Übersetzung” an die Seite zu stellen. Die Vertreterin der Städteregion, Beate Lennartz, warb im Integrationsrat um das Lotsenmodell. Sie finde es ideal, die Kompetenzen nach Vorschlag des Vorsitzenden Zorlu zusammenzuführen. Zorlu regte daraufhin an, auch die Mitglieder des Integrationsrates zu schulen.

Die Deutsch-Marokkanerin Khadija Offermann (International-Liste) würde es lieber sehen, wenn nicht Ehrenamtler, sondern Hauptberufliche die wichtige Aufgaben von Lotsen übernehmen würden. Alsdorfs Bürgermeister Alfred Sonders verwies hingegen auf den hauptamtlichen Bürgerbeauftragten der Stadtverwaltung und alle Bereiche seines Hauses, die hauptberuflich für alle Bürger, natürlich auch für Migranten, da seien. Die Integrationslotsen würden nur ein zusätzliches Angebot darstellen.

Kritiker Ünal schlug letztlich eine bessere Vernetzung vor. „Es macht keinen Sinn, dass jeder seine Brötchen backt.” Dabei sollten die Angebote des Sozialdienstes katholischer Frauen genauso einbezogen werden wie die neuen Integrationslotsen.
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