Merzbrücker Segelflieger setzen auf E-Mobilität

Von: Helena Mertens
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Segelflug
Der 23-Jährige Leo Girbig, Vorsitzender des Vereins Flugwissenschaftliche Vereinigung Aachen e.V. (FVA), stellt in Würselen den Prototyp der FVA-29 vor. Foto: Helena Mertens

Würselen/Aachen. Im Cockpit herrscht absolute Stille. Keine Motorengeräusche, kein Fluglärm, nur das Pfeifen des Windes. Der Adrenalinspiegel des 23-Jährigen steigt, denn nun heißt es volle Konzentration. Sobald das Segelflugzeug den Boden des Merzbrücker Flugplatzes verlässt, ist Leo Girbig als Pilot sein eigener Herr.

Trotz aller möglichen Gefahren schwärmt der 23-Jährige von den Sonnenuntergängen, die sich ihm dann aus einer einzigartigen Perspektive darbieten: „Fliegen ist ein Gefühl, das süchtig macht. Man übernimmt viel Verantwortung und entwickelt einen sportlichen Ehrgeiz, denn wir wollen mit unseren Segelflugzeugen möglichst lange Strecken fliegen.“

Zusammen mit rund 60 weiteren Studenten arbeitet der angehende Maschinenbauingenieur derzeit an der Fertigstellung neuer Konstruktionen des Vereins Flugwissenschaftliche Vereinigung Aachen (FVA), um die Flugdistanz beim Segelfliegen zu vergrößern. Jetzt hat das studentische Team den Prototyp der FVA-29 in der vereinseigenen Werkstatt in Würselen vorgestellt. Das Segelflugzeug verfügt über einen elektrisch angetriebenen Motor mit einem ausfahrbaren Propeller und soll im Gegensatz zu den üblichen Verbrennungsmotoren, die auch in den meisten Rasenmähern eingebaut sind, einfacher zu bedienen und leiser sein. Der 30 Kilowatt Motor wird in der FVA-29 mit 16 Kilowatt betrieben und soll sowohl einen Rückflug zum Startflughafen ermöglichen als auch zusätzliche Sicherheit für den Piloten bieten.

„Die größte Herausforderung war für uns der Einbau des Energiespeichers, da der Stauraum eigentlich nur für die Verbrennungsmotoren geeignet ist“, erklärt der Projektleiter Merlin Bögershausen. Seit 2013 sei der studentische Verein mit der Konstruktion des Projektes beschäftigt gewesen, 2016 habe der Bau begonnen. Was noch fehle sei ein Crashfall, der zeige, dass dem Piloten im Ernstfall nichts passieren kann, so Bögershausen. Das jüngste Projekt des Vereins ist die Planung eines Motorseglers, der von Aachen bis Berlin mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 200 Stundenkilometern fliegt. Derzeit erweist sich jedoch der Einbau der geforderten Batterie und der zwei verschiedenen Propeller als schwierig umsetzbar. Mitte 2018 soll dieses Projekt mit dem Titel „FVA-30“ gebaut und 2020 fertiggestellt werden.

„Forschen, Bauen, Fliegen“ lautet das Motto des durch Spenden finanzierten Vereins und vor allem letzteres kommt bei den Studenten unterschiedlicher Fachrichtungen – darunter Architekten, Informatiker, Maschinenbauingenieure und Physiker – nicht zu kurz. Der Verein FVA finanziert den Mitgliedern nämlich eine Pilotenausbildung zum Segelflieger.

An jedem Wochenende von April bis Oktober stehen Schlepppilot und Fluglehrer bereit, um die Schüler auszubilden. Im Winter finden die nötigen Theoriekurse und Klausuren statt. Wer die Ausbildung schon hinter sich hat oder auf das Fliegen gänzlich verzichten möchte, arbeitet in der Werkstatt des Vereins.

Dort bohren, schweißen und lackieren die Studenten die sieben Flugzeuge der FVA und stellen Flugzeugteile, beispielsweise den Propeller aus carbonfaserverstärktem Kunststoff her. Auch ohne das nötige Know-how sei die Mitarbeit in dem Verein möglich, so der Vorsitzende Leo Girbig.

„Der Grundsatz unseres Vereins lautet: Leute können von sich aus alles lernen, wenn sie das nötige Interesse mitbringen. Wir haben einen Generationenkreislauf und vermitteln uns das Wissen gegenseitig“, erklärt der 23-Jährige stolz.

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