Merzbrück: Stadt wird Flächen nicht verkaufen

Von: Stephan Mohne
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Platz für ein neues Gewerbegebiet? Die Stadt Würselen verfolgt entsprechende Pläne am Flugplatz Merzbrück, doch noch fehlen dafür Grundstücke in Aachener Besitz. Foto: Manfred Kistermann
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Weniger klassisches Glücksspiel, dafür wieder mehr Automatencasino an der Monheimsallee. Foto: Harald Krömer

Aachen/Würselen. So ist das, wenn man im Stadtrat keine feste Mehrheit mehr hinter sich weiß. Da sind es dann merkwürdig bunte Koalitionen, die einem Oberbürgermeister einen Strich durch die Rechnung machen können. So geschehen am Mittwoch in nicht-öffentlicher Sitzung. Und das bei einem nicht gerade unwichtigen Thema.

Da ging es nämlich um den Verkauf von städtischen Flächen auf Würselener Gebiet nahe dem Flugplatz Merzbrück an die städteregionale Gesellschaft „Aachener Kreuz Merzbrück“ (AKM). Diese will die Grundstücke haben, um das dortige Gewerbegebiet entwickeln zu können.

Der OB hatte sich im Juli bei einer Pressekonferenz gemeinsam mit Städteregionsrat Helmut Etschenberg und Bürgermeister Arno Nelles weit aus dem Fenster gelehnt und vehement für den Verkauf plädiert: „Wir haben als Stadt Aachen dafür zu sorgen, dass hier Arbeitsplätze angesiedelt werden. Auch dann, wenn wir nichts von den Gewerbesteuereinnahmen haben“, so der OB damals. Doch daraus wird nichts. Mit der hauchdünnen Mehrheit von einer Stimme (35:34) stimmte der Stadtrat dagegen – wobei SPD, Grüne, Linke und Piraten den Schulterschluss übten und CDU und FDP überstimmten.

Es geht bei den rund 250.000 Quadratmeter großen Flächen um Vermögen, das teils dem Jahrhunderte alten Elisabethspitalfonds gehört. Die SPD hatte kurz vor besagtem OB-Vorstoß ihrerseits eine Pressekonferenz abgehalten und dafür plädiert, in Sachen Verkauf auf die Bremse zu treten. Denn es sei überhaupt nicht klar, was die Käufer überhaupt konkret mit dem Areal vorhätten. Gerüchteweise ging es im Juli auch um die Ansiedlung eines Bahn-Containerterminals, was aber kurz darauf dementiert wurde.

Dennoch gibt es vor allem bei den Grünen auch noch immer Befürchtungen, dass die Pläne zum Ausbau des Flughafens immer noch nicht ad acta gelegt worden sind, obwohl es dafür kein Landesgeld gibt. Wie es in diesem Punkt jetzt weitergeht, ist offen.

Der fragile städteregionale Frieden dürfte damit jedenfalls mal wieder einen argen Dämpfer erhalten haben. Beschlossen wurde mehrheitlich auf SPD-Antrag, dass die Verwaltung nach Alternativen zum Verkauf Ausschau halten soll – unter anderem dahingehend, wie die Stadt in diesem Gebiet ihren Einfluss wahren kann.

Guten Mutes geht man hingegen daran, die Zukunft des Spielcasinos zu sichern. Auch dazu gab es einen Beschluss, der in diesem Fall einstimmig ausfiel: Neben dem Casino soll im Neuen Kurhaus an der Monheimsallee demnächst auch das Unternehmen GOP Entertainment beheimatet sein, das dort Varieté anbieten will.

Das soll dann auch die Gäste wieder verstärkt strömen lassen. Casino-Betreiber Westspiel wird sich dann wohl auf kleinere Flächen beschränken, das „klassische“ Glücksspiel etwas zurückfahren und stattdessen das Automatencasino wieder zurück zur Monheimsallee holen. Das Eurogress hingegen wird den Beschluss nicht so erfreulich finden. Dort hatte man stets ein Auge auf das Kurhaus geworfen, um sich dort erweitern zu können.

Noch nicht geklärt ist die Frage, wer die hohen Sanierungskosten übernehmen wird. Sie werden auf weit über 20 Millionen Euro taxiert. Zumindest muss die Stadt sie nicht weitgehend alleine stemmen. Mehr Gäste würden zudem eine schnellere Refinanzierung der Investitionen bedeuten. GOP betreibt bereits mehrere Varietés, die rund 700.000 Besucher pro Jahr zählen.

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