Merkstein braucht neues Selbstbewusstsein

Von: Nina Krüsmann
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Dialogpartner in Merkstein: Bürgermeister Christoph von den Driesch und Diakon Franz-Josef Kempen. Foto: Nina Krüsmann

Herzogenrath. Den Chef der Stadt einmal außerhalb der regulären Sprechstunde mit Fragen zu löchern – das ermöglichte jetzt das Bildungswerk St. Willibrord Merkstein im Pfarrheim. Gesprächsleiter Diakon Franz-Josef Kempen bot einen Gesprächsabend mit dem Herzogenrather Bürgermeister Christoph von den Driesch.

Der Bürgermeister ist der Chef der Gemeindeverwaltung und der gesetzliche Vertreter der Kommune. Er hat den Vorsitz im Stadtrat, repräsentiert die Bürger der Stadt und ist auch Ansprechpartner für die Bürger. Viele Aufgaben, so Kempen. „Zu diesem Amt gehört vor allem die Sorge um Gegenwart und Zukunft unserer Stadt.“

„Die Veranstaltung im kleinen Kreis soll ein Forum bieten, um stadtteilspezifische Fragen zu klären“, sagte Kempen eingangs. Von den Driesch stieg schnell in die derzeit wichtigen Themen für Merkstein ein: „Tatsächlich ist es auch 40 Jahre nach der kommunalen Neugliederung immer noch eine große Herausforderung, denn der Standort Herzogenrath besteht faktisch immer noch aus den drei Teilen Merkstein, Herzogenrath-Mitte und Kohlscheid.“ Nur schwer hätten die drei Orte zusammengefunden, scheinen oftmals noch immer getrennt zu sein.

„Wir müssen Stärken und Schwächen analysieren. Was ich feststelle ist, dass Merkstein unter einem Minderwertigkeitskomplex leidet, sich nur als Anhängsel und Schlafstadt bezeichnet“, betonte der Bürgermeister. Die subjektive Wahrnehmung sei, dass es Gewerbetreibende in Herzogenrath-Mitte und Kohlscheid leichter haben.

„Aber auch hier gibt es Probleme, ist die Krise angekommen. Merkstein lebt immer noch in der Vergangenheit, doch die Zeit der Gruben ist lange vorbei. Die Merksteiner können auch heute ohne Bergbau wieder wer sein“, sagte von den Driesch. Gesundes Selbstbewusstsein sei dabei nicht mit Selbstverherrlichung zu verwechseln. „Wir wollen den Standort nach vorne bringen. Mit den 140 neuen Wohneinheiten und der Wiederbelebung des Schienenverkehrs durch die Euregiobahn ist Merkstein zusätzlich ein attraktiver Wohnort geworden.

Kirche, Vereine, und Gewerbe müssen neue Ansätze entwickeln, diese Leute zu binden.“ Weiterer Pluspunkt sei der Gewerbepark Nordstern, dessen positive Effekte vergleichbar mit den Standorten in Baesweiler und Übach-Palenberg seien. Ein großer, bislang unerfüllter Wunsch sei, den Aldi-Markt vom Boscheler Berg nach Alt-Merkstein zu verlegen. „Zweites großes Problem, das alle ehemaligen Bergbausiedlungen haben, ist die Struktur“, stellte der Bürgermeister fest.

Als Kernbereich und zentrale Versorgungslage für Merkstein sei der Bereich um den August-Schmidt-Platz festgelegt worden. Bürger bemängelten, dass Kaufkraft fehle und sich deshalb der Einzelhandel zurückziehe. Besonders entlang der Geilenkirchener Straße gebe es leere Geschäftslokale, sei Merkstein zum schlafenden Stadtteil geworden.

„Ein Patentrezept habe ich angesichts von Discountern, Ramschläden und Internethandel nicht. Aber lange leerstehende Geschäfte zu Wohnungen umzubauen, halte ich für eine gute Lösung“, sagte der Bürgermeister. Nicht alles sei schlecht in Merkstein, betonte ein Bürger – im Gegenteil: Das Wohnen sei attraktiv, auch dank des Naherholungsgebietes, das Platz auf dem ehemaligen Bergbaugelände gefunden hat.

Der Wunsch nach einem Ärztehaus und seniorengerechten Wohnungen soll sich bald erfüllen, wie von den Driesch erklärte. „Merkstein und seine Bürger brauchen ein neues gesundes Selbstbewusstsein. Wir müssen endlich Schwung in den Stadtteil bringen. Merkstein ist lebens- und liebenswert, das sollten wir nach außen tragen“, betonte von den Driesch.

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