Menschen mit Migrationshintergrund als positives Beispiel

Von: Christoph Hahn
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Setzen in ihrem Kampf gegen Hass und Vorurteile auf die Kraft des Dialoges: die Gewerkschafter Bulkan Ersoy (l.) und Dennis Radtke (r.) im Gespräch mit dem Polizisten Robert Grabow beim Gesprächsforum der IG BCE zur Internationalen Woche gegen Rassismus im Alsdorfer Cinetower. Foto: Hahn

Alsdorf. Ein Polizist, dessen Mutter von den Niederländischen Antillen stammt, ein im Kongo geborener Fußballer, der durch seine Leistung Respekt genießt, ein Software-Spezialist türkischer Herkunft, der als Taekwondo-Trainer Kindern Selbstachtung und -beherrschung beibringt: Robert Grabow, Juvhel Tsoumou und Sadettin Özdemir haben es geschafft - und manchmal allen Vorurteilen und handfesten Anfeindungen zum Trotz.

Wie sie ihren Platz in der deutschen Gesellschaft gefunden haben, was sie dort noch immer irritiert und welche Beiträge sie selbst zur Verbesserung des sozialen Klimas leisten, das erzählten die drei Gäste der Industriegewerkschaft Bergbau-Chemie-Energie (IG BCE) beim Forum „Menschen mit Migrationshintergrund als positives Beispiel”, das im Ballsaal des Cinetowers in Alsdorf stattfand.

In zwei Welten daheim

Vorbereitet worden war dieses Forum vom Vorsitzenden des IG-BCE-Arbeitskreises ausländischer Arbeitnehmer, Bulkan Ersoy (Merkstein), und Gewerkschaftssekretär Dennis Radtke, der auch dem Arbeitskreis angehört.

Ersoy, im Zivilberuf freigestellter RWE-Betriebsrat in Köln und dort zugleich Ausländer-Beauftragter, eröffnete den Abend. Kurz und knackig formulierte er seine politische Zielrichtung: „Es geht nicht darum, Fronten zwischen Deutschen und Migranten aufzubauen.” Dabei verhehlte der Merksteiner türkischer Abstammung seine eigenen Erfahrungen keineswegs: „Mittlerweile fühle ich mich deutsch - ich bin hier zwar nicht geboren, aber aufgewachsen.”

„Meine zwei Welten kommen gut mit einander klar”, fügte Ersoy hinzu, um noch einen Appell an die Berliner Regierungschefin anzuschließen, die auf einem Kongress der Jungen Union Multikulti-Politik für tot erklärt hatte: „Frau Bundeskanzler: Nicht pessimistisch sein - es wird noch!”

„Sind Sie denn Deutscher?”, ist Robert Grabow, heute Einstellungsberater im Aachener Polizeipräsidium, immer wieder mal gefragt worden. Doch irritiert hat es den Ordnungshüter nicht, der zudem auf Chancengleichheit Wert legt: „Jeder Mensch mit Migrationshintergrund ist uns so wertvoll wie jemand ohne.” Gezielt sei die Polizei dabei, Frauen und Männer mit Wurzeln außerhalb der deutschen Grenzen anzuwerben. Darum ist Grabow froh, dass bei der jüngsten Vereidigung von Kommissarsanwärtern 124 von rund 1100 jungen Kandidaten eine ausländische Abstammung haben.

Sport fördert Integration

Sehr handfeste Erfahrungen mit Feindlichkeit und Rassismus auf und neben dem Spielfeld blieben Juvhel Tsoumou nicht erspart. Trotzdem resümierte der Fußball-Profi: „Mittlerweile ist Deutschland nicht mehr so wie früher”, bilanzierte der Berufssportler, der gerne Witz und Charme gegen Hass und abfällige Bemerkungen einsetzt.

Sadettin Özdemir, seit 41 Jahren in Baesweiler ansässig, setzt inner- und außerhalb der Turnhalle ganz auf den Kampfsport Taekwondo als Mittel zur Charakterbildung - schon weil es für den Trainer ein Gebot sei, vor der Übungsstunde die Sorgen seiner Schüler anzuhören.

In seinem Sportverein ist es Özdemir gelungen, Menschen aus 16 Ländern zusammenzuführen und ihnen zu helfen, Taekwondo als sicheren Weg zu Respekt und Charakterfestigkeit zu erfahren. Darüber ist er fast so froh wie über eine andere Tatsache - dass ihm seine Mitmenschen in den vergangenen 41 Jahren nicht einmal mit Hass oder rassistischen Äußerungen begegnet sind: „So lange ich in Deutschland lebe, habe ich diese Dinge nie erlebt.”

Freilich müsse manches noch besser werden, findet Özdemir trotz aller positiver Erfahrungen: Eine präventivere Polizeiarbeit und eine bessere Ausstattung von problembehafteten Schulen mit Lehrern zählte der Sportsmann mit Zivilcourage unter anderem auf. Bulkan Ersoy sieht aber auch länger in Deutschland ansässige Menschen und Migranten als gefordert an: „Nicht nur nehmen, sondern auch etwas bringen”, lautet die Devise.
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