Menschen mit Demenz aus der Tabuzone holen

Von: mabie
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Geborgenheit: Demenzkranke Menschen brauchen auch emotionale Förderung. Copyright: stock/epd
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Eva Sommer (Vergissmeinnicht), Kerstin Harings (Koordinationsbüro Rund ums Alter), Claudia Liepertz (AWO), Nina Lauterbach-Dannenberg (Landesverband der Alzheimer Gesellschaften NRW) und Manfred Wüller (Alzheimergesellschaft der Städteregion) wollen mit der Plakataktion das Thema Demenz mehr in den öffentlichen Fokus rücken. Foto: Markus Bienwald

Herzogenrath. Mit einer auffälligen Plakataktion soll das Thema „Demenz“ in Herzogenrath stärker ins Bewusstsein rücken. So wünscht es sich zumindest ein neues Netzwerk, das unter dem Titel „Aktion Demenz in Herzogenrath“ das vorhandene Fachwissen bündeln und verschiedene Anlaufstellen kombinieren will.

„Alleine in der Städteregion Aachen gibt es geschätzt 9000 Menschen mit einer Demenz“, sagt Manfred Wüller von der Alzheimer Gesellschaft der Städteregion. Heruntergerechnet auf die Einwohnerzahl von Herzogenrath ergeben sich so aktuell zwischen 800 und 1000 Menschen im Stadtgebiet, die von einem dementiellen Erkrankungsbild betroffen sind.

„Die Zahlen belegen, dass immer mehr Familien mit dem Thema Demenz konfrontiert sein werden“, sagt auch Bernd Sauren, Bereichsleiter für Soziales im Herzogenrather Rathaus. Darum sollen nun die auffälligen Plakate, auf denen allzu wörtlich genommene Sandkuchen, saftiges Birnen-Obst anstelle einer Glühbirne und ein als Wäscheleine genutztes Stromkabel zu sehen sind, überall in der Stadt aufgehängt werden.

Offen mit dem Thema umgehen

„Wir werden im gesamten Stadtgebiet plakatieren und so dazu beitragen, dass unsere Gesellschaft dem Thema und den Betroffenen gegenüber offen begegnet“, sagt Kerstin Harings, die in der Stadtverwaltung für das Koordinationsbüro „Rund ums Alter“ zuständig ist. Damit soll das Thema Demenz auch aus der Tabuzone herausgeholt werden, wo es nach Ansicht von Experten noch immer ist.

Wobei Nina Lauterbach-Dannenberg schon jetzt stolz sein kann auf die Menschen in der Städteregion. „Wir haben im letzten Jahr rund 6000 Menschen in ganz NRW zum Thema geschult“, sagt die Vertreterin des Landesverbandes der Alzheimer Gesellschaften, „davon alleine 800 in der Region Aachen.“ Dennoch sei es weiterhin nötig, das Thema so informativ wie lebensnah wie möglich aufzubereiten.

Lebensnah ist auch das, was Eva Sommer täglich bei ihrer Arbeit im Unterstützungsnetzwerk „Vergissmeinnicht“ in Straß erlebt. „Oft sind Menschen, die altersbedingt einfach abbauen mit alltäglichen Situationen schlicht überfordert“, erklärt sie. So sei es wichtig, ein öffentliches Bewusstsein bei allen Menschen dafür zu schaffen, auf solche Symptome und Verhaltensmerkmale aufmerksam zu werden und Hilfe anzubieten.

Anderes Verhalten

„Wir müssen lernen, wie wir damit umgehen, dass ein anderes Verhalten von an einer Demenz erkrankten Menschen ein Zusammenleben doch wieder möglich macht“, schließt auch Claudia Liepertz vom AWO-Kreisverband Aachen-Land. Sie sieht es als sehr positiv an, wenn die Verweildauer von dementiell Erkrankten in den eigenen vier Wänden durch mehr Aufmerksamkeit und Betreuung verlängert werden könne. „So kann man stationäre Aufnahmen verschieben oder vermeiden“, ist sie sicher.

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