„Mehr davon!“ trifft Geschmack des Publikums

Von: Jule Klieser
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Imposantes Bild eines beeindruckenden Klagkörpers: Der Neue Chor Würselen präsentiert Teile seines neuen Programms „Mehr davon! auf Burg Wilhelmstein. Die Leitung hatte Christoph Leuchter. Foto: Wolfgang Sevenich
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Maarschierte durch die Reihe der Zuschauer auf die Bühne: die „Renew Brass Band“. Foto: Wolfgang Sevenich

Würselen. Das hohe Level der Sympathie für den Neuen Chor Würselen war auf Burg Wilhelmstein schon vor dem Konzert mit Händen greifbar. Nicht nur, dass die Freilichtbühne mehr als ausverkauft war, Menschen auf zusätzlichen Stühlen und auf jedem Mauervorsprung saßen oder gar stehen mussten.

Es knisterte vor freudiger Erwartung und nicht vor Spannung, was sie denn nun singen würden, denn dass es gut werden würde, wussten die Fans schon vorher.

Vollkommen entspannt gingen 70 Sängerinnen und Sänger, eine prima aufeinander eingespielte Band und zwei Gesangssolisten mit ihrem Sonnenschein und Chorleiter Christoph Leuchter ans Werk. Und folgten mit den 30 ausgewählten Stücken einem Spannungsbogen, der in dem dreistündigen Spektakel keinen Augenblick Langeweile aufkommen ließ. Das Boot der guten Laune, in dem das Publikum schon saß, fand noch mehr Auftrieb mit den ersten Stücken, einem Intro, Leonard Cohens „Halleluja“ und Leuchters Eigenkomposition, ein Gospel, „You are the Light“.

Fetzige Abba-Stücke

Eine gute Ladung Emotion und Aufbruchstimmung trug die Reisenden empor, um sie dann mit einigen fetzigen Abba-Stücken umher zu wirbeln. Das „Halleluja“ wiederholte sich in einem weiteren Leuchter-Stück jubelnd, gesungen vom Chor gemeinsam mit der Solistin Sandra Wainwright-Schneider. So gehörte dieser erste Teil des Konzertes der Fröhlichkeit und Euphorie, auch wenn zwischendurch das Schiff in ruhigeres Fahrwasser gelangte, etwa bei dem Stück „The Longest Time“ von Billy Joel. Patrick Kafka machte sich hier mit seinem berührenden Vortrag dem Publikum als sympathischer und natürlich auftretender Sänger bekannt, begleitet vom Chor, der sozusagen als Background-Singer fungierte.

Immer geht das Publikum mit. Lässt sich mitreißen von den Rhythmen und klatscht mit. Oder lauscht still den melancholischeren Klängen. Belohnt Solisten wie Chorsänger mit seinem lang dauernden Applaus, manchmal auch Pfeifen und Rufen.

Mitten in den Sitzreihen heben junge Leute plötzlich zwei große Plakate hoch, „Mehr davon“ und „wunderschön“ steht darauf. „Mehr davon!“ ist ja der Titel des Konzerts. „Immer mehr Leute sind auf uns zu gekommen und haben gesagt‚ könntet ihr von bestimmter Musik mehr machen, also mehr Abba, Beatles, mehr Gospels“, erzählt Leuchter dem Publikum. Den Wunsch hat er mit seinen Sängerinnen und Sängern erfüllt. Und dazwischen eigene Lieder, Highlights der Popmusik und Musicalstücke gestreut, so dass für jeden Zuhörer etwas dabei ist.

„Mehr davon“ könne auch mehr Publikumsbeteiligung sein, schlägt Leuchter etwas später vor. Mit „Yellow Submarine“ bringt er die Menge zum Lachen und zum Mitsingen, denn „die Männer sollen mal den Brasilianer raushängen lassen“. Alle Register des Abwechslungsreichtums ziehen die Akteure auf der Bühne nach der Pause. Sie singen à capella, Duette oder Soli, fröhlich laut oder besinnlich leise Töne. Die geniale Band (Harald Claßen, Franz-Josef Ritzerfeld, Manes Zielinski, Markus Butz) kann sich da ebenfalls begleitend und solistisch entfalten. „Bohemian Rhapsody“ kündigt Leuchter eigens an, „wir probieren es, Daumen drücken“.

Das knifflige Stück mit seinen wechselnden Rhythmen kriegen die Sänger und Sängerinnen aber prima hin. Das Publikum dankt es ihnen, pfeift, steht auf, klatscht und kreischt. Wenn die Sänger und Sängerinnen dann à capella singen („And so It Goes“), kann sich der Chorleiter endlich als Dirigent austoben, ist er doch ansonsten meist von Keybord und selber Singen beansprucht. Die Choristen werden merklich besser, gestalten die Dynamik des Songs differenziert. Und schließlich strebt alles auf den fulminanten Höhepunkt zu.

Spektakuläre Show

Christoph Leuchter hat zwar die endgültige Erlaubnis zum Anzünden der Wunderkerzen noch nicht erteilt (sein Running Gag), doch jetzt brennen schon viele, wenn die Gesänge aus dem Musical „König der Löwen“ beginnen. Für sein Solo „Endlose Nacht“ kommt Solist Patrick Kafka passend barfuß auf die Bühne, und immer mehr Personal aus dem Musical bevölkert nach und nach Bühne und Treppen der Arena. Prächtig gewandete und bemalte Indianer ruhen würdevoll am Bühnenrand, die leisen Tiere des Urwalds, ebenfalls perfekt verkleidet und geschminkte Menschen, bewegen sich geschmeidig auf und ab zwischen den Sitzreihen.

Auf die spektakuläre Show zur bombastischen Musik fahren die Zuhörer ab. Im Gefunkel der Wunderkerzen und passend zu dem Song „Circle of Love“ lassen sie das Pop-Konzert-Gemeinschaftsgefühl entstehen. Eigentlich sind erst dann die Wunderkerzen „erlaubt“, wenn die Zugaben, also die allerletzten Stücke kommen. Vor allem bei „What a Wonderful World“ sind sie angesagt, und zum Glück haben die Konzertbesucher vorgesorgt, sie haben noch welche. Drei Zugaben müssen es sein.

Danach wird diese Nacht des Neuen Chores niemand so schnell vergessen. Teile des Programms „Mehr davon!“ präsentiert der Neue Chor Würselen bei der Heiligtumsfahrt in Aachen am Freitag, 27. Juni, 20 Uhr, im Hof im Schatten des Doms.

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