Mehr als nur Muskeln nötig: Möbelspedition sucht Azubis

Von: Annika Thee
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Teamarbeit ist gefragt: Möbelpacker müssen natürlich auch körperlich fit sein.
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Sucht dringend Azubis: Jürgen Zantis, Geschäftsführer Maassen & Becker.

Alsdorf. Die Möbelspedition Maassen & Becker in Alsdorf ist schon über 100 Jahre alt. 22 Mitarbeiter sind dort beschäftigt, aber ein Auszubildender ist nicht darunter. Jürgen Zantis, der Geschäftsführer bei der Spedition, ist sich aber sicher, dass der Beruf als Fachkraft für Möbel-, Küchen- und Umzugsservice (FMKU) zu Unrecht einen schlechten Ruf genießt.

Denn die Tätigkeiten der Azubis sind vielfältig. Schließlich gehe es nicht nur darum, den ganzen Tag Möbel und Kisten zu tragen. „Die Ausbildung beinhaltet auch Tätigkeiten von anderen Berufen wie Tischler, Elektriker, Installateur und Berufskraftfahrer“, erklärt der 53-jährige Geschäftsführer aus Baesweiler. Außerdem beschäftige sein Betrieb einen Schreinermeister, der die Azubis anlernt.

In der Berufsschule stehen der professionelle Umgang mit Werkzeug und Material auf dem Lehrplan sowie der Aufbau und die Anpassung von Küchen und Möbeln auf die persönlichen Bedürfnisse der Kunden auf dem Lehrplan. Darüber hinaus wird gelernt, wie Elektroeinrichtungen installiert und Rechnungen und Formulare korrekt ausgefüllt werden. Im Betrieb werden diese Fähigkeiten dann in der Praxis eingeübt.

„Die Zeit, wo Möbelpacker einfach nur schleppen mussten, ist schon lange vorbei“, versucht Zantis gegen Vorurteile über den Beruf als FMKU anzukämpfen. Die Ausbildung gibt es erst seit 2006. Der Fachberuf hat sich scheinbar noch nicht rumgesprochen.

„Von Berufsberatern oder Arbeitsämtern wird der Beruf nur selten vorgeschlagen“, erklärt Zantis einen Grund für den Azubi-Mangel. Deutschlandweit gibt es nur etwa 1300 Auszubildende, aber der Bedarf an jungen Fachkräften ist weit höher. Dabei kann der Beruf sowohl in Umzugsunternehmen als auch in Möbel- und Küchenhäusern erlernt werden, und Absolventen können später auch in anderen Branchen ihr Brot verdienen.

Als Vorsitzender des Landesverbandes Möbelspedition und Logistik im Verband Verkehrswirtschaft und Logistik (VVWL) setzt sich Jürgen Zantis auch bei der Handelskammer dafür ein, dass der Beruf der FMKU innerhalb von zwei Jahren auch zum Meisterberuf weiterentwickelt werden kann.

Hohe Abbrecherquote

Dass die Möbelspedition zurzeit keinen einzigen Auszubildenden beschäftigt, liegt nicht nur daran, dass sie wenige Bewerbungen erhalten. „Zusammen mit dem Hotel- und Gastronomiegewerbe verzeichnen wir die größte Abbrecherquote während der Ausbildung“, sagt Jürgen Zantis besorgt. Das liege auch an den unregelmäßigen Arbeitszeiten, denn die Tage auf Montage sind lang.

Einige Bewerber seien zudem nicht selbstständig genug. „Viele wollen einfach nicht von Mamas Rockzipfel weg und auf Montage gehen oder für den Blockunterricht der Berufsschule bis nach Münster fahren“, sagt Zantis. Deshalb bevorzuge der Betrieb Auszubildende ab einem Alter von 18 Jahren, auch damit die Einhaltung des Jugendarbeitsschutzgesetzes garantiert werde.

Viele Vorteile

Außerdem sei es wichtig, dass die Azubis zuverlässig, pünktlich und teamfähig sind, aber einige Azubis würden nach ein paar Tagen nicht mehr regelmäßig zur Berufsschule gehen oder unterschätzen, dass der Beruf körperlich anstrengend ist.

Dafür sei einigen Anwärtern die Bezahlung zu gering. Ab dem 1. November erhalten Azubis 735 Euro im ersten Lehrjahr, 825 Euro im zweiten und 905 Euro im letzten Lehrjahr. Hinzu kommen Urlaubsgeld und Spesen. Als Berufseinsteiger können Fachkräfte dann mit einem Verdienst von 1800 Euro brutto monatlich rechnen. Neben den Nachteilen hat der Beruf aber auch einige Vorteile zu bieten.

So erwartet den Auszubildenden ein abwechslungsreicher Arbeitsalltag, da die Einsatzorte stetig wechseln. Möbelspeditionen unterstützten nicht nur Familienhaushalte beim Umzug, sondern auch Firmen, Arztpraxen, Labore und Museen innerhalb von Städten, deutschlandweit oder sogar in Ländern auf der ganzen Welt. „Soeben sind drei unserer Teams für eine Woche in Frankreich eingesetzt“, sagt Jürgen Zantis.

Auch könnten die Auszubildenden ihr Vorstellungsvermögen und ihre Kreativität unter Beweis stellen, wenn es darum geht, Möbel zu bearbeiten und anzupassen. Nicht zuletzt lockt der Beruf auch mit guten Zukunftschancen. „Die Mitarbeiter der Umzugsunternehmen werden immer älter. Wir alle suchen dringend Nachwuchs“, sagt Jürgen Zantis. Momentan finden nahezu 100 Prozent der Absolventen einen Job.

„Die Gesellschaft wird immer mobiler und die Menschen ziehen häufiger um. Fachkräfte für Möbel-, Küchen- und Umzugsservice werden also auch auf lange Sicht dringend gebraucht“, sagt Zantis. Um sich von der Konkurrenz abzuheben, bietet sein Unternehmen Azubis besondere Anreize. „In der Regel zahlen wir nach erfolgreicher Probezeit einen Führerschein und die Chancen zur Übernahme nach Ende der Ausbildung sind sehr hoch“, verspricht Zantis.

Voraussetzungen für Bewerber sind körperliche Fitness, ein Hauptschulabschluss mit der Note gut bis befriedigend und gute Deutschkenntnisse.

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