Medizinisches Zentrum: Was bleibt dem Standort Bardenberg?

Von: Karl Stüber
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Arbeitet an der Fortschreibung des Masterplans für das Medizinische Zentrum Würselen: Geschäftsführer René A. Bostelaar. Foto: Karl Stüber

Würselen. Das Medizinische Zentrum Würselen (MZ) wird weiter umstrukturiert – gemäß dem selbst gewählten Motto „Wir bauen für Ihre Gesundheit!“ Dabei rücken jedoch wirtschaftliche Aspekte weiter in den Mittelpunkt. Besonders der Standort Bardenberg könnte dabei sein Gesicht fast vollständig verändern. Der Aufsichtsrat hat sich am Montag mit der möglichen Weiterentwicklung beschäftigt. Entscheidungen wurden aber noch nicht getroffen.

Und wie sieht die Vision aus? Die Kliniken für Lungenheilkunde und Urologie werden auch noch an den Standort Marienhöhe verlegt, wenn durch Schließen der defizitären Geburtshilfe und Umbauten die notwendigen Voraussetzungen zur Unterbringung in Würselen-Mitte sind. Stattdessen werden in Bardenberg 150 bis 180 barrierefreie Wohnungen von einem Investor neu errichtet.

Richtungsentscheidung wichtig

Nur das historische Zentralgebäude sowie der moderne Anbau und vielleicht noch der „Notfallturm“ haben Bestand, werden aber anders genutzt, etwa für Wohnungen oder als zentrale Begegnungsstätte und soziale Einrichtung. Eine Pflegeschule modernen Zuschnitts entsteht, vielleicht noch Einrichtungen zur erweiterten Nahversorgung der Ortslage Bardenberg. Das geht nicht von heute auf morgen, die Rede ist von fünf Jahren.

Entscheidungen über die Fortschreibung des Masterplans müssen bald getroffen werden, damit der Masterplan lückenlos fortgeschrieben werden kann. Städteregion Aachen und Knappschaft-Bahn-See haben als Anteilseigener aber schon eine andere wichtige Richtungsentscheidung getroffen.

René A. Bostelaar soll weitere fünf Jahre Geschäftsführer des Medizinischen Zentrums (MZ) bleiben. Der Aufsichtsrat hat zudem die Option draufgelegt, dass der gelernte Wundmanager noch weitere drei Jahre verlängern kann. Das macht kein Gesellschafter, das macht kein Aufsichtsrat ohne zu wissen, wofür ein Geschäftsführer steht und wie dessen Vorstellungen aussehen.

Bostelaar kann die oben beschriebene Vision gut begründen, wie er auf Anfrage unserer Zeitung sagte. Darum ging es auch in der Aufsichtsratssitzung. Denn das MZ ist immer noch ein Patient mit offenen Wunden, der zwar auf dem Weg der Besserung, aber noch lange nicht über den Berg ist.

Mag sein, dass mit der sukzessiven Umsetzung des Masterplans 2018 statt roter Zahlen wieder Gewinn gemeldet werden, der dringend gebraucht wird, um die Kredite zur Finanzierung des bislang erfolgten Umbaus zu bedienen. Aber mit dem Jahr 2018 werden bestimmt nicht alle Ziele erreicht sein.

Was empfiehlt Bostelaar? Ansiedlung des Amts 54 für Altenarbeit der Städteregion und Bau einer Krankenpflegeschule in Bardenberg, lautet die Antwort. Das Bundesgesundheitsministerium hat vorgegeben, dass die Ausbildungsbereiche Kranken- und Altenpflege zusammengelegt werden. Diese „Schülergruppen“ durchlaufen dann ein gemeinsames Jahr, anschließend erfolgt in Modulen die Spezialisierung.

Bostelaar legt den MZ-Entscheidern nahe, rechtzeitig eine moderne, den Anforderungen entsprechende große Gesundheitsakademie zu schaffen, etwa in Bardenberg. Bostelaar sieht, dass wohl oder übel kleinere Krankenpflegeschulen an Krankenhäusern im Umfeld von der Schließung bedroht sind, da es wohl dort kaum wirtschaftlich darzustellen sein dürfte, Lehrpersonal und Logistik aufzustocken, um Kranken- und Altenpflegeausbildung zugleich zu stemmen.

„Es wird wohl zu einer Zentralisierung kommen. Wir würden nicht nur für das MZ, sondern auch für andere ausbilden“, blickt Bostelaar in die Zukunft. Das würde bedeuten, dass die bisher getrennten Einrichtungen Fachseminar für Altenpflege der Städteregion und Krankenpflegeschule des MZ (beide derzeit noch auf Marienhöhe) in Bardenberg zusammengeführt werden. Ein Investor habe sich bereits präsentiert.

Der MZ-Geschäftsführer sagt, dass der Standort Bardenberg auch nach dem Abzug von Lungenheilkunde und Urologie medizinisch genutzt werden könnte, dann als Zentrum für geriatrische Rehabilitation – mit Blick auf die immer älter werdende Gesellschaft unbestritten ein Wachstumsmarkt.

Die Neugestaltung des Haupteingangs am Standort Marienhöhe wurde im Masterplan Teil 1 auf später verschoben, sagt Bostelaar. Im „Masterplan 2.0“, mit dem er das MZ „wirtschaftlich weiter festigen“ will, könnte dies mit weiteren Maßnahmen im direkten Umfeld verknüpft werden.

Anstelle der Kreißsäle könnten nach Ende der Geburtsklinik moderne OP-Räume eingerichtet werden – wenn die Gesellschafter dies gutheißen würden und auch politische Gremien dem folgten. Dann wäre Kapazität für die Operationen der Kliniken für die besonders stark prosperierende Lungenheilkunde und die Urologie geschaffen.

„Es bleibt schwierig, ein Krankenhaus mit zwei Standorten wirtschaftlich zu betreiben“, sagt Bostelaar. Dieses Argument war schon Grundlage für die Verlegung von Kliniken nach Marienhöhe im vergangenen Jahr gewesen.

Aber wohin dort mit den Patienten? Auch darauf weiß der MZ-Geschäftsführer eine Antwort: Derzeit werden vier Stationen zu je 23 Betten an Marienhöhe nicht für die Pflege von Patienten genutzt. In drei Stationen sind andere Funktionen untergebracht: Büros für Administration, Ergo-, Logo- und Physiotherapie.

Ist das Unsinn oder gar Verschwendung? Nein, sagt Bostelaar. Weitere Stationen stehen am Standort Marienhöhe zur Modernisierung an. Aufgrund der damit einhergehenden Sanierung der gesamten Versorgungsleitungen, die in Decken bzw. Böden untergebracht sind, müssen immer zwei übereinanderliegende Stationen auf einmal entkernt und neu aufgebaut werden.

Hierfür müssen die bislang dort untergebrachten Stationen von jetzt auf gleich in bereitstehende andere Räume ausweichen – deshalb die (derzeit noch) „freien“ Stationen.

Bostelaar resümiert: „Bardenberg könnte in die Marienhöhe passen, wird aber noch Jahre als Standort benötigt!“ Selbst wenn das Tempo bei der Umstrukturierung beibehalten wird, spricht der Geschäftsführer als Zieldatum von 2020/21, bis das alles fertig sein kann – und von weiteren 20 Millionen Euro an Investitionen.

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