Medizinisches Zentrum hilft kranken Kindern aus aller Welt

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Dilnoza ist auf dem Weg der Besserung: Dr. Markus Graf liegt das Wohl der Neunjährigen aus Usbekistan am Herzen. Foto: MZ

Würselen. Dilnoza ist bereits seit vier Monaten Patientin im Medizinischen Zentrum (MZ). Das neunjährige Mädchen aus einem kleinen Dorf in Usbekistan wurde mit Hilfe des Friedensdorfes International nach Deutschland gebracht. In Usbekistan wurde sie mit ihrem Vater bei medizinisch geschultem Personal vorstellig, schnell erkannte man die Schwere ihrer Krankheit.

Dilnoza hatte einen offenen Oberschenkelbruch in der Nähe des Kniegelenks. Alle Versuche, die Infekte dieser Wunde in ihrer Heimat therapeutisch zu bekämpfen, blieben erfolglos. Der Infekt beeinflusste das Wachstum des Beines, so dass sich eine Fehlstellung in Oberschenkel und Knie ausprägten. Der Unterschied zwischen linkem und rechtem Bein betrug acht Zentimeter. Man erkannte die Notwendigkeit der Expertise eines erfahrenen Wiederherstellungschirurgen.

Markus Graf, Chefarzt der Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie und Direktor des Zentrums für Orthopädie und Unfallchirurgie, arbeitet bereits seit 2008 mit dem Friedensdorf in Oberhausen zusammen. Dort wusste man, seine Expertise könnte dem Mädchen helfen. Im Juni kam Dilnoza also nach Würselen ins MZ. In einem komplexen Verfahren wird ihr seitdem mit Hilfe eines Fixateursystems die Fehlstellung korrigiert.

Mittlerweile sind sechseinhalb Zentimeter korrigiert, die Beine also fast gleich lang. Das junge Mädchen verspürt keine Schmerzen, sie ist sogar trotz des Systems, das wie ein Käfig ihr linkes Bein umklammert, mobil. Sie wurde bereits fünfmal operiert. Etwa alle drei Wochen muss der Fixateur im Rahmen der Verlängerung des Beines angepasst werden. Nun wird eine Pause eingelegt und das Bein in Stellung gehalten.

Dilnoza kann für wenige Wochen zurück nach Oberhausen, zurück unter Kinder in ihrem Alter. Dort wird sie in gewohnter Umgebung von Physiotherapeuten betreut, bevor sie das Würselener Krankenhaus wieder besucht, um weiter behandelt zu werden.

Im Krankenhaus bekommt sie täglich Besuch. Die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen des Friedensdorfes in der Städteregion, Gertrud Vögeli, Hildegard Meulenbergh sowie weitere Ehrenamtliche, kommen vorbei. Sie lehren sie Schulwissen und bringen ihr Deutsch bei.

„Wir geben den Kindern, denen wir helfen, nicht nur ihre Gesundheit zurück. Wir geben ihnen auch eine Chance mit auf den Weg. Eine Chance, einen Platz in der Gesellschaft zu finden. Sie können beispielsweise mit dem Gelernten Übersetzer oder Lehrer in ihrer Heimat werden, in der zum Teil keine Alphabetisierung stattgefunden hat“, erklärt Chefarzt Dr. Graf.

Dilnozas Beine sind jetzt fast gleich lang. Das verletzte Bein wird jedoch in Zukunft wieder kürzer sein, als das gesunde – denn von alleine wächst es nicht mehr. „Wir werden Dilnoza weiterhin operieren müssen. Möglicherweise wird das kranke Bein gar erst mal länger als das gesunde. In ihrer Heimat kann schließlich ein Wachstumsausgleich stattfinden“, führt der Chefarzt aus, der schon Kinder mit allen möglichen Erkrankungen (an den Extremitäten, mit Fehlstellungen, Infekten, Brüchen oder offenen Stellen) behandelt hat.

All den Kindern am MZ kann nur durch humanitären, ehrenamtlichen Einsatz geholfen werden. Schon 2014 setzte sich das Dreigestirn der Karnevalsgesellschaft „Au Ülle“ aus Würselen für die Friedensdorfkinder ein. Durch fleißige Spendenbitten der engagierten Karnevalisten während der Session kam eine unglaubliche Summe von knapp 25.000 Euro zusammen.

Das Lions-Hilfswerk Würselen steuerte 7000 Euro bei, bei einer Benefizveranstaltung kamen knapp 3000 Euro zusammen. Mit weiteren vereinzelten Spenden waren es letztlich über 36.000 Euro, die den Kindern des Friedensdorfes zugute kommen konnten. Von diesem hohen Betrag wurden drei Kinder bei der Behandlung unterstützt.

Das Würselener Krankenhaus ist immer wieder auf Spenden angewiesen, da die Behandlungskosten der Kinder nicht von deutschen Krankenkassen getragen werden. Für das Krankenhaus sind humanitäre Gründe und Hilfe über die Wirtschaftlichkeit hinaus ausschlaggebend.

Man merkt dies bereits beim Pflegepersonal, das sich mit unglaublicher Hingebung und trotzdem professionell dem jungen Mädchen widmet. „Ich habe Dilnoza ins Herz geschlossen und werde sie vermissen. Ich bin stolz darauf, ein Teil dieses Projektes gewesen zu sein und ihr geholfen zu haben“, freut sich OP-Schwester Sabine Weist.

Das Würselener Krankenhaus der Schwerpunktversorgung behandelt kostenlos bis zu drei Friedensdorfkinder jährlich. Alle anderen Kosten, wie Spenden, Verbandsmaterial, MRTs und so weiter finanzieren sich durch Spendengelder.

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