Würselen - Medizinisches Zentrum: Bardenberger Händler bangen um Kunden

Medizinisches Zentrum: Bardenberger Händler bangen um Kunden

Von: mabie/ssc
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Noch gehört das zum Bild in Bardenberg: Krankentransporte, die das Krankenhaus im Herzen des Ortes ansteuern. Foto: Markus Bienwald

Würselen. Ein Vormittag im Zentrum von Bardenberg. Die Friseure begrüßen ihre ersten Kunden, Frühstücksbrötchen werden geholt, Arbeiter machen Kaffeepause. Doch obwohl sich sommerliche Idylle auf dem Platz vor dem Krankenhaus breitmacht und von der Betriebsamkeit des Klinikalltags draußen nicht viel zu spüren ist, sind die Menschen beunruhigt.

Seitdem die finanzielle Schieflage des Medizinischen Zentrums bekannt geworden ist, fragt sich so mancher, was aus dem Bardenberger Standort wird? Und was aus der Einkaufsstraße gleich nebenan?

Es gibt Pläne, den Klinikbetrieb auf den Standort Marienhöhe zu beschränken und im Bardenberger Gebäude Platz für das Amt für Altenarbeit zu schaffen und die Krankenpflegeschule sowie das Altenpflegeseminar von Würselen nach Bardenberg zu holen. Damit wäre das Gebäude zwar nicht leer – doch so viel Publikumsverkehr wie heute wird es dann nicht mehr geben. Und das könnte

Nicht mehr so entspannt

Ergün Yurttas ist einer von denen, die um den Verlust der Laufkundschaft fürchten. Er betreibt den Kiosk am Krankenhaus. Bei ihm gehen Besucher und Patienten ein und aus, hier wird eine Kaffeepause eingelegt, hier werden Zeitungen, Süßigkeiten und andere Kleinigkeiten gekauft. Die drohende Umstrukturierung ist ein Riesenthema in seinem Kiosk.

„Ich bin sehr zufrieden, dass es das Krankenhaus gibt“, sagt Yurttas. Entspannt ist er aber längst nicht mehr. Er müsse um seine Existenz bangen, sollte der medizinische Betrieb in Bardenberg eingestellt werden. „Wenn es das Krankenhaus nicht mehr gibt, dann kann man kaum in einem Ort wie Bardenberg überleben.“ Der ganze Ort lebe doch vom Krankenhaus als einem schlagenden Herz. „Dazu kommen natürlich auch viele Menschen als Besucher von außerhalb – das bringt Leben nach Bardenberg!“

Gerüchte hört ein Mann wie er ständig. Eines davon besage, „dass die Operationssäle in Bardenberg eventuell so gestaltet werden, dass sich Ärzte dort einmieten können“. Ob da was dran ist? Er zuckt mit den Schultern. Er hört ja nur dieses und jenes. Aber wie auch immer eine Neustrukturierung aussieht: „Ein echtes Krankenhaus ersetzt das nämlich nicht. Ich habe hier ein Sortiment, das ganz auf ein Krankenhaus zugeschnitten ist.“

Draußen sieht man Taxen, Fahrzeuge von Handwerksbetrieben, Busse. Es sind viele Menschen, die hier arbeiten, um den historisch gewachsenen Standort am Krankenhaus am Leben zu halten. Eine davon ist Apothekerin Birgit Claessen. Sie betreibt seit 1986 die Burg-Apotheke am Krankenhaus. Natürlich bringe der „Speckgürtel“ um das Krankenhaus den Geschäftsleuten vor Ort neue Kundschaft.

Gesundes Umfeld

„Für mich als Apothekerin ist die Situation vielleicht nicht so dramatisch“, sagt Claessen, „aber es ist eine sehr unangenehme Entwicklung, wenn ein aktuell sehr gesundes Umfeld an Attraktivität einbüßt“. Dazu würde bei einer Schließung des medizinischen Betriebs in jedem Fall kommen. „Es wäre auch von großer Bedeutung, wenn die Notfallpraxis dann ans andere Ende der Stadt verlegt würde“, sagt sie. „Das ist eine zusätzliche Erschwernis für die Menschen.“

Das eigentlich Verblüffende an der Sache ist für Birgit Claessen aber die zeitliche Abfolge der Investitionen in das Krankenhaus. „Warum werden Investitionen wie für einen modernen OP-Trakt einfach wieder über Bord geworfen? Was passiert mit dem Gebäude, was mit den Menschen, die hier leben und arbeiten? Ich habe ja Verständnis dafür, dass es Veränderungen geben muss – aber ein Konzept ist hier nicht erkennbar.“ Schlecht für ihr Geschäft ist es allemal, „schließlich hafte ich hier auch mit meinem Privatvermögen“.

Angst und Abwarten

Im Bäcker-Café nebenan ist das Krankenhaus auch Thema Nummer eins. Doch hier will niemand dazu öffentlich etwas sagen. Es scheint eine Mischung aus Angst vor dem zu sein, was kommen könnte und aus einem Abwarten vor dem, was noch nicht entschieden ist. Das Thema aber ist angekommen – und der Diskussionsbedarf dürfte so rasch nicht kleiner werden.

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