Medizinische Versorgung in Würselen gewährleisten

Von: Karl Stüber
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Intensive Diskussion im Alten Rathaus Würselen: Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (am Podium 4.v.l.) stellte sich auf Einladung von CDU-Bürgermeisterkandidat Werner Birmanns (l.) kritischen Fragen zur medizinischen Versorgung. Foto: Karl Stüber

Würselen . Was die Stadt Würselen zur Sicherstellung der medizinischen Versorgung leisten kann, war jetzt Thema des „Runden Gesundheitstisches“ der CDU im Alten Rathaus. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe höchstpersönlich griff durch seine Teilnahme Parteifreund und Bürgermeisterkandidaten Werner Birmanns im Wahlkampf „unter die Arme“.

Trotz des denkbar ungünstigen Zeitpunkts (Beginn 16 Uhr!) entwickelte sich bei gut 40 Teilnehmern – vornehmlich CDU-Mitglieder und interessierte Mediziner – eine lebhafte Diskussion, an der auch Städteregionsrat Helmut Etschenberg, Landtagsabgeordneter Hendrik Schmitz, EU-Abgeordnete Sabine Verheyen sowie Würselens CDU-Vorsitzender Hans-Josef Bülles auf dem Podium teilnahmen.

Droht Würselen der medizinische Notstand? Wohl kaum! Laut Birmanns werden im Stadtgebiet 23 niedergelassene „Hausärzte“ gezählt, und das Medizinische Zentrum mit den Standorten Bardenberg und Marienhöhe gibt es ja auch noch. Es gibt auch das Aber: Ein Drittel der Niedergelassenen ist älter als 55. Werden genügend nachrücken, wenn die einmal ausscheiden? Und: Das Medizinische Zentrum (MZ) muss sich im Wettbewerb der Krankenhäuser behaupten. Was ist zu tun?

Städteregionsrat Helmut Etschenberg sieht das MZ durch den Neubau eines Traktes am Standort Marienhöhe und den Masterplan 2018, der eine tiefgreifende Umverteilung von medizinischen Einrichtungen auch für den Standort Bardenberg vorsieht, für die Zukunft in Trägerschaft der Städteregion und der Knappschaft Bahn-See gut aufgestellt. Er kritisierte allerdings, dass sich das Zentrum die hohen Investitionen praktisch selbst erwirtschaften muss und es vom Land so gut wie keine finanzielle Förderung hierfür gibt.

Bundesgesundheitsminister Gröhe bestätigte, dass Investitionen der Länder hier leider allgemein deutlich zurückgegangen seien. Der CDU-Mann hält die ortsnahe medizinische Versorgung neben der Bildung für außerordentlich wichtig. Ab Mai werde auf Bund-Länder-Arbeitsebene die weitere Entwicklung der Krankenhäuser Thema sein.

Da gehe es besonders um die Sicherstellung der medizinischen Versorgung in der Fläche. Zudem wolle sich das Ministerium der Fallpauschalen annehmen und diese kritisch hinterfragen, unter anderem unter dem Aspekt, ob auch das Pflegepersonal dabei „hinreichend dargestellt“ sei. Medizinische Versorgungszentren, in denen Hausärzte gemeinsam arbeiten, sollen befördert werden. Und dort, wo die Ärzte dies nicht in eigener Regie organisieren (können), komme kommunale Trägerschaft in Frage. Auch in Würselen?

Zudem gelte es, das Medizinstudium als solches zu überdenken, was sicherlich zu „munteren Diskussionen mit der Ärzteschaft“ führe. Ziel muss laut Gröhe sein, die Allgemeinmedizin in der Ausbildung zu stärken.

Zudem werde an die Auflockerung der Residenzpflicht gedacht. Warum sollte ein niedergelassener Allgemeinmediziner nicht aus familiären Gründen in der Stadt wohnen und auf dem Land eine Praxis betreiben dürfen? Weiteres Thema: Können Leistungen von Ärzten mit Blick auf den Erhalt der flächendeckenden medizinischen Versorgung teilweise nicht auch „von anderen Berufsgruppen“ erbracht werden?

Auf Nachfrage betonte der Gesundheitsminister, dass natürlich auch das Pflegepersonal Thema sein muss. Hier werde auf eine verstärkte Zusammenlegung der Grundausbildung in Alten- und Krankenpflege gedacht, was angesichts der immer älter werdenden Gesellschaft und multipler Erkrankungen nebst Demenz sinnvoll sei.

Der medizinische Leiter des MZ, Prof. Dr. Christoph Kosinski, verwies darauf, dass „die Zukunft der Medizin weiblich ist“. Als Lehrender wisse er genau, dass rund 70 Prozent der Studierenden Frauen sind. Angesichts des Numerus clausus (der Notenschnitt beim Abitur ist Grundlage des Studienzugangs) handle es sich um die besten Abiturienten, die sehr leistungsorientiert seien, aber auch entsprechende Lebensqualität im Zuge ihrer Berufsausübung erwarteten. Bei weiblichen Medizinern gehe es dabei vor allem attraktive und familienfreundliche Arbeitsbedingungen und ein entsprechendes Wohnumfeld. „Die Kommunen können hier einiges beitragen“, sagte Kosinki.

Bürgermeisterkandidat Birmanns notierte alles im Geiste und gelobte, nach der Wahl die medizinische Versorgung vor Ort mit allen in Frage kommenden Partnern und Akteuren zu bearbeiten.

Dabei dürfte auch der Aspekt, inwieweit es möglich ist, durch die Vergabe von Stipendien angehende Ärzte schon vor ihrem Abschluss an eine Kommune oder eine Region zu binden, eine Rolle spielen.

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