Nordkreis - Mediziner rät zur Bewegung auf dem Zweirad

Mediziner rät zur Bewegung auf dem Zweirad

Von: Jessica Küppers
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Bergauf radeln: Radsport hält den Körper fit. Foto: MZ, imago/Thomas Eisenhut
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Kardiologe Dr. Heribert Fritz glaubt, dass regelmäßiger Radsport Krankheiten wie Diabetes und Bluthochdruck verhindern kann.

Nordkreis. Radfahren liegt im Trend. Auch motorisierte Fahrräder – sogenannte Pedelecs – sind immer häufiger am Straßenrand zu sehen. Doch wie wirkt sich das Radfahren auf uns aus? Dr. Heribert Fritz, stellvertretender Direktor des Zentrums für Innere Medizin am Medizinischen Zentrum Städteregion Aachen, erklärt, was beim Radfahren in unserem Körper passiert.

Ist Radfahren gesund?

Fritz: Radfahren ist gesund. Dafür gibt es gleich mehrere Gründe. Wie alle Ausdauersportarten beeinflusst es positiv den Bluthochdruck, den Blutzucker und den Fettstoffwechsel. Demnach ist es besonders für Bluthochdruck-Patienten, für Zuckerkranke und für Menschen mit einem erhöhten Cholesterinspiegel hilfreich.

Was bewirkt Radfahren in unserem Körper?

Fritz: Durch Radfahren verbrennen die Muskeln Kalorien. Energieträger wie Fette und Zucker werden von den Muskeln verbraucht. Durch viel Bewegung wird verhindert, dass zu viele Nahrungsstoffe Fettdepots gebildet werden. In diesem Zusammenhang ist vor allem das Bauchfett problematisch, weil die Fettzellen ein entzündliches Niveau erreichen können.

Warum ist das nicht nur für Gesunde Menschen, sondern auch für Kranke ratsam?

Fritz: Man weiß, dass Menschen mit Bluthochdruck durch Ausdauersport niedrigere Werte haben. Auch auf Diabetiker des Typs II wirkt sich regelmäßige sportliche Aktivität positiv aus und kann die Werte deutlich verbessern. In dem Fall spielt übrigens nicht nur Ausdauersport, sondern auch Kraftsport eine wichtige Rolle. Was das Cholesterin angeht, wird durch Fahrradfahren beispielsweise das Verhältnis zu Gunsten des guten HDL-Cholesterins verschoben. Das schlechte Cholesterin, das für die Atherosklerose (Verkalkung)verantwortlich ist, wird dadurch reduziert. Eine Patientengruppe profitiert besonders vom Radfahren – Patienten mit Herzschwäche. Deren Pumpleistung ist eingeschränkt, weil sie unter einer Herzmuskelschwäche leiden. Durch Ausdauertraining und sogar leichtes Intervalltraining ist eine Verbesserung der Pumpleistung möglich. Der Herzmuskel wird gekräftigt. Wichtig ist, dass man sich vorher gründlich untersuchen lässt.

Lassen sich Krankheiten durch regelmäßiges Radfahren heilen?

Fritz: Die angesprochenen Erkrankungen lassen sich nicht komplett heilen. Aber die regelmäßige Bewegung führt zur einer Verbesserung der Stoffwechselparameter. Für gesunde Menschen ist Radfahren eine Prävention vor diesen Krankheiten und kann gegebenenfalls verhindern, dass man krank wird.

Für wen ist Radfahren nicht geeignet?

Fritz: Es ist für fast jeden geeignet. Für Patienten gilt: Bevor sie anfangen, sollten sie einen Gesundheitscheck beim Hausarzt machen. Das heißt mit einem Belastungs-EKG prüfen, ob es Auffälligkeiten gibt. Sie sollten nicht einfach los radeln, sondern warten bis der Arzt grünes Licht gibt und unter ärztlicher Aufsicht Sport machen. Patienten, die stark geschwollene Beine oder Wasser in der Lunge haben, sollten kein Rad fahren. Die Symptome deuten auf eine schwere organische Herzerkrankung hin und müssen zuerst mit Medikamenten behandelt werden. Wer sich aufs Rad setzt und Schmerzen im Brustkorb hat oder wem zum Beispiel schwindelig wird, sollte die Warnsymptome unbedingt ernst nehmen. Es gibt für jede Krankheit Behandlungsrichtlinien, die wiederum Leitlinien enthalten. Für Bluthochdruckpatienten findet man beispielsweise unter dem Begriff Life-stylemodifikation die Empfehlung an fünf bis sieben Tagen in der Woche mindestens 30 Minuten täglich Sport zu machen. Entscheidend ist die Regelmäßigkeit. Das Radfahren muss in den Alltag eingebunden werden. Es nützt nichts, wenn man einmal in der Woche viel radelt. Man muss auch bei schlechtem Wetter und im Winter aufs Rad. Dafür haben die meisten Patienten einen Hometrainer.

Was halten Sie von den sogenannten Pedelecs?

Fritz: Wenn diese elektrounterstützten Räder den Aktionsradius vergrößern und helfen, schwierige Geländepassagen zu überwinden, ist das eine gute Sache. Die körperliche Belastung ist dann im Vergleich zum normalen Rad fast gleich. Mir ist ein Patient mit Pedelec lieber, als ein Patient, der nur auf dem Sofa sitzt und fernsieht. Ich rede allerdings von Rädern, die gelegentlich mal unterstützen, also Räder bis 25 Kilometer pro Stunde. Dann wird die Leistung trotzdem erbracht und es ist ein guter Effekt, wenn die Menschen sich dadurch mehr bewegen.

Ist der sportliche bzw. gesundheitliche Aspekt dabei überhaupt noch gegeben?

Fritz: Ja. Es gibt ja unterschiedliche Belastungsstufen. Als Faustregel sollte man sich noch unterhalten können. Bis an diese Grenze sollte man aber auch heran gehen. Für den Kreislauf macht das keinen Unterschied, ob man mit einem Pedelec 18 Kilometer pro Stunde oder ohne Unterstützung 12 Kilometer pro Stunde fährt.

Was empfehlen Sie, wie oft sollte man mit dem Rad unterwegs sein?

Fritz: Kranke sollten sich an die jeweiligen Leitlinien halten. Gesunde Menschen können sich mit regelmäßigem Radfahren etwas Gutes tun und so verhindern, dass sie krank werden.

Fahren Sie selbst auch viel Rad?

Fritz: Ich bin früher auch viel Rad gefahren – sogar zur Arbeit. Das mache ich mittlerweile nicht mehr. Mein Rad hat keinen Motor und ist etwa 20 Jahre alt. Auch heute fahre ich immer noch gerne damit. Wenn das Wetter schön ist, gibt es eigentlich kaum etwas Schöneres.

Welche ist Ihre persönliche Lieblingsroute?

Fritz: Ich fahre am liebsten nach Holland ins dortige Mergelland. Da ist eine schöne Route. Sie ist abwechslungsreich und geht mal ein bisschen bergauf, mal bergab. Das ist genau die richtige Mischung und man hat einen tollen Ausblick.

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