Maurer haben ein Imageproblem: Lehrstellen bleiben unbesetzt

Von: Verena Müller
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Die beiden Praktikanten Yann Engelen (18) und Anna Holz (19) arbeiten mit Azubi Marcel Müller (19, v.l.) auf der Baustelle an der Pommernstraße in Alsdorf. Foto: Annika Thee
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Findet, dass Maurer zu Unrecht ein negatives Image haben: Josef Engelen, Bauunternehmer in Merkstein. Foto: Verena Müller

Herzogenrath. Bob der Baumeister habe zwar etwas zur Imageverbesserung beigetragen, auf die große Trendwende wartet die Branche aber immer noch: Der Maurer ist einfach nicht hoch angesehen. Und das nicht erst seit gestern.

„Schauen Sie doch mal einen Tatort. Sie werden feststellen, dass der Chef der Baufirma vielleicht nicht der Mörder ist, aber irgendwas hat er damit zu tun“, sagt Josef Engelen, Bauunternehmer in vierter Generation.

Die Firma Hermann Engelen beschäftigt 20 Mitarbeiter. Maximal fünf Lehrlinge sind zeitgleich in der Ausbildung, aber in manchen Jahren können eben nicht alle Stellen besetzt werden, sagt Engelen. Damit steht er nicht alleine da. Laut Handwerkskammer Aachen sind traditionell auch kurz vor Ausbildungsbeginn noch viele Stellen in der Branche frei. Ebenso bei Bäckern oder Anlagenbauern.

Ein gutes Beispiel

Engelen sitzt in seinem Büro am Boscheler Berg in Merkstein, in seinem Rücken ein Porträt seines Großvaters. Der hieß auch Josef Engelen. An der gegenüberliegenden Wand ist sein Großvater noch einmal zu sehen, diesmal auf einem Foto an einer Baustelle. Daneben hängt der Entwurf des Familienhauses an der Kirchrather Straße, das der Großvater gebaut hat. Für den Bauunternehmer ist genau das ein gutes Beispiel für das Missverständnis, das es seiner Branche seit zehn Jahren schwer macht: „Maurer werden unterschätzt“, findet er.

„Welcher Kfz-Mechaniker kann schon ein ganzes Auto bauen? Ein Maurer könnte mit geringem Aufwand und Kosten ein Gesamtbauwerk vom Fundament bis zum Dachstuhl errichten. Das ist doch eine super Sache.“ Ein Blick in einen Standard-Ausbildungsvertrag zeigt: von wirtschaftlicher und energieschonender Materialverwendung über Mengen- und Kostenberechnungen bis hin zu Untergrundprüfung, Schalungen, Holzverbindungen, Fliesenlegen, Baugrubenausheben und dem Anschließen von Versorgungsleitungen ist alles dabei. „Und die meisten Bauten überleben uns“, sagt Engelen.

Trotzdem sei der Kfz-Mechaniker höher angesehen – weil das Auto bei den Deutschen eben einen besonderen Stellenwert habe. Der Bau habe den Ruf, dass hier nur diejenigen landeten, die keinen Schulabschluss hätten und unqualifiziert seien. Was nicht stimme. „Wer in Mathe und Naturwissenschaften vier oder schlechter stand, wird große Probleme haben.“

Immer in Bewegung

Erschwerend kämen nicht wegzudiskutierende Fakten wie Überstunden im Sommer und Ausfälle im Winter hinzu, die aber durch das Saisonkurzarbeitergeld abgemildert würden.

Manches ist aber einfach auch Typfrage: Viel draußen zu arbeiten und immer in Bewegung zu sein, ist für den einen ein Vorteil, für den anderen ein Nachteil. „Das gilt auch für die wechselnden Arbeitsplätze und unterschiedlichen Anfahrtswege“, so Engelen.

Die Bezahlung im Allgemeinen sei gar nicht so schlecht, besser jedenfalls als beispielsweise im Friseurhandwerk. 785 Euro im ersten Lehrjahr, 1135 Euro im zweiten und 1410 Euro im dritten Lehrjahr. „Man kann sagen, ein Maurer verdient zwischen 3000 und 3500 Euro brutto“, sagt Engelen.

Wenn er auf die Aufstiegschancen zu sprechen kommt, nennt er gerne das Beispiel eines seiner Zöglinge. Als Abiturient kam dieser zu Engelen, absolvierte dort eine duale Ausbildung, wurde vom Bauindustrieverband NRW als einer der Jahrgangsbesten 2016 ausgezeichnet, studiert an der FH Köln und wird laut Engelen jetzt schon von großen Unternehmen umworben. Engelen betont: Sogar ohne Abitur ist nach der Lehre ein Gang an die Fachhochschule oder Universität möglich.

Bis vor wenigen Tagen war bei dem Merksteiner Bauunternehmer noch eine Lehrstelle offen, was sich sehr wahrscheinlich inzwischen erledigt hat, wie Engelen sagt. Nach guten Leuten suche er aber immer. Und was sollen die neben brauchbaren Noten mitbringen? „Am wichtigsten ist, dass man neben den fachlichen Voraussetzungen Spaß an der Arbeit hat. Deshalb bieten wir auch 14-tägige, bezahlte Praktika an, bei denen man gucken kann, ob das das Richtige ist“, sagt der Chef. „Entweder man ist dann Feuer und Flamme oder wieder weg.“

Den Beruf des Baumeisters gibt es übrigens nicht mehr. Bob ist also eigentlich nur Meister. Das tut seinem Image aber kaum Abbruch.

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