Masterplan soll Nahversorgung in Ofden verbessern

Von: Karl Stüber
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Trotz eines Discounters in der Nähe läuft der „Dorv“-Laden in Pannesheide (Bild): Dorv-Projekteiter Jügen Spelthann ist als Berater und Gutachter für weitere Projekte in der Region unterwegs und wird auch heute am Alsdorfer Stadtgespräch in Ofden teilnehmen. Foto: Karl Stüber

Alsdorf/Herzogenrath. Schlecker hat dicht gemacht. Entlang des „Kernbereichs“ von Ofden, an der Theodor-Seipp-Straße, halten sich aber weiterhin wacker eine Handvoll Geschäfte. Dazu gehören unter anderem Bäcker, Blumengeschäft, Schnellrestaurant, Friseure, Ballet- und Tanzsportbedarf, die Gaststätte Haus Ofden sowie Kiosk und Apotheke.

Gemüse und Obst gibt es die Woche über auch an einem Stand. „Fliegende“ Händler steuern Ofden an. Von einer ortsnahen „Rundumversorgung“ in dem rund 2500 Einwohner zählenden Alsdorfer Stadtteil kann also keine Rede sein, ohne den verbliebenen Geschäftsleuten etwas zu wollen. Wer den täglichen Komplettbedarf zum Leben decken will, ist über kurz oder lang darauf angewiesen, anderenorts einzukaufen, sich etwas von Dritten mitbringen zu lassen oder Bestellservice in Anspruch zu nehmen.

Nun will die Stadt Alsdorf im Zuge des „Masterplan Ofden“ in dieser Ortslage neues, sprich zusätzliches Wohnen ermöglichen. Der Bebauungsplan für das noch vom Verein für berufliche und allgemeine Weiterbildung (VabW) genutzten ehemaligen Schulgeländes an der Alfred-Brehm-Straße wurde unlängst vom Rat der Stadt auch gegen Bedenken einer Bürgerinitiative zum Erhalt der Grünanlagen und der Wohnqualität verabschiedet. Allerdings ist die Ausweisung „Ofdener Feld“ als Baugebiet vom Tisch.

Aber: Nach Umzug von Gymnasium und Realschule ins noch auf dem Annagelände in Alsdorf-Mitte zu bauenden Kultur- und Bildungszentrums (Kubiz), angesichts der im Masterplan angeregten Randbebauung der Festwiese und der Pläne der evangelischen Gemeinde, Kirchengrund als Bauland umzuwandeln, wird sich einiges in Ofden tun.

Wie kann im Zuge der Veränderungen die ortsnahe Versorgung der Bürgerschaft optimiert werden? Das ist ein Aspekt des 11. Alsdorfer Stadtgesprächs, das am Mittwoch, 11. Dezember, in der Ofdener Festhalle (Turnhalle) an der Alfred-Brehm-Straße (Gelände des VabW) um 19.30 Uhr beginnt (siehe Info).

Einer der Referenten ist Jürgen Spelthann, ein Stadtplaner, der Ofden bereits gut kennt. Schon einmal wurde das Modell seines Arbeitgebers zur ortsnahen Rundumversorgung dort vorgestellt, beim Ortsverein der SPD. Das ist wenige Jahre her. Es geht um das Konzept „Dorv-Laden“. Das Kürzel „Dorv“ steht für „Dienstleistung und Ortsnahe Rundum Versorgung“. Konkret aufgegriffen wurde das Konzept für Ofden damals nicht. Jetzt wird es wieder aktuell.

Spelthann ist Projektleiter, angestellt beim „Dorv“-Projekt in Jülich-Barmen, eine Art „Ur-Mutter“ und Multiplikator für weitere Projekte in unserer Region. Tags zuvor war er bei einem Vortrag in Stolberg-Vicht, nun sitzt er im Begegnungscafé des „Dorv-Ladens“ in Herzogenrath-Pannesheide und erzählt von dem Konzept.

Eine ältere gehbehinderte Dame kommt in das Geschäft, eine ehemalige Gaststätte – außen am Gebäude prangt noch die Werbung einer Biermarke. Sie bestellt eine Tasse Kaffee und hört mit einem Ohr dem Gespräch zu.

Nicht selten bleiben Kunden im Laden „hängen“ und halten einen kleinen Plausch. Das ist Bestandteil des Konzepts von „Dorv“, erzählt Spelthann. Es geht nicht nur darum, ein Grundangebot an Waren vor Ort zur Verfügung zu stellen, sondern auch Anlaufstelle und Begegnungsstätte zu sein.

Wichtig ist Spelthann die Feststellung: „Man muss mit dem Dorv-Laden Partner und nicht Konkurrent zu bestehenden Geschäften sein!“ So bieten die Dorv-Läden jeweils recht unterschiedliche Waren bzw. Dienstleistungen an, die sich nach dem zuvor ermittelten Bedarf richten bzw. sich mit den Jahren der Nachfrage anpassen.

Spelthann betont, dass so ein Laden nur funktioniert, wenn er von der Bevölkerung vor Ort gewünscht und durch Frequentierung getragen wird. Notwendig hierfür ist, dass sich ein Kreis Aktiver zusammenfindet, der als Trägerverein, eventuell genossenschaftlich, das Geschäft aufbaut und am Leben erhält. In Pannesheide können sich Bewohner durch einen Anteil an der Dorv Pannesheide GmbH einbringen.

Der Gründung einer Dorv-Initiative geht ein längerer und intensiver Klärungsprozess voraus, wie Spelthann sagt. Nach Vorträgen und Gesprächen müssten sich ein erkennbarer Bürgerwille und ein Kreis Aktiver abzeichnen. „Erfahrungsgemäß ist die Bereitschaft im ländlichen Raum, in Dörfern, größer als in Stadtteilen oder Stadtquartieren“, sagt er. Von Leuten vor Ort bzw. der Kommune müsste dann der Auftrag ergehen, das Vorhaben ernsthaft zu prüfen. Das ist der Job von Dorv-Projektmanager Spelthann.

Diese Dorv-Machbarkeitsstudie als Bedarfsanalyse kostet ein paar tausend Euro – je nach Aufwand. Ziel ist, so der Fachmann, Partner mit ins Boot zu holen, je nach Bedarf. Der Dorv-Manager begleitet diesen Prozess, wenn das Projekt steht, greift er nicht mehr ein, berät aber auf Wunsch. Dann sind die Verantwortlichen vor Ort gefordert.

Bei der Initiative in Pannesheide zählen zu den Lieferanten eine Bäckerei, eine Bio-Metzgerei, ein Biohof, ein Hofladen, ein Getränkeladen, eine Imkerei, ein Vertrieb konventioneller Lebensmittel, eine Käserei und zwei Obst- und Gemüsespezialisten.

Weitere Kooperationspartner sind etwa ein Architektenbüro, eine Apotheke und ein Schreibwarenladen. Die Küche wird bei Bedarf für Catering bzw. der Zubereitung von Mahlzeiten genutzt. Es können Dienstleistungen in Anspruch genommen werden wie etwa „Katzensitting“ an Urlaubstagen, Paketdienst, Kauf von Briefmarken und anderes mehr. Neben der fest angestellten Geschäftsführung spielen geringfügig Beschäftigte eine wichtige Rolle.

Was halten Sie, liebe Leser, von den anstehenden Veränderungen in Ofden? Was finden Sie gut, was schlecht? Schreiben Sie uns Ihre Meinung unter www.leser-meinung.de

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