Martin-Luther-Kirche seit 60 Jahren das Herzstück der Gemeinde

Von: ehg
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Ein Blick in das Innere des evangelischen Gotteshauses: Pfarrer Harry Haller hält hier seit 2009 Gottesdienste. Immer wieder wurde die Kirche umgestaltet, 1964 um den freistehenden Glockenturm erweitert. Foto: Wolfgang Sevenich
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Seit 60 Jahren das Herzstück der Evangelischen Gemeinde: die Kirche an der Bahnhofstraße.

Würselen. Mit Psalm 34, 2 bis 9 – „Ich will den Herrn loben allezeit; sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein“ weihte Oberkirchenrat Boué am 17. Januar 1954 die heutige Martin-Luther-Kirche. Heute ist sie das Herzstück der Evangelischen Kirchengemeinde Würselen, deren 60-jähriges Bestehen am Freitag, 17. Januar, gefeiert wird.

Einige Monate später, am 24. Mai, eröffnete nebenan der Evangelische Kindergarten, das heutige Familienzentrum.

Der Grundstein für das Gotteshaus war am 16. August 1953 gelegt worden. Der Stein stammt als Zeichen der Verbundenheit von der Anna-Kirche in Aachen, der ältesten evangelischen Kirche in der Kaiserstadt. An die Legung erinnert auch die Urkunde, die gegenüber dem Eingang eingemauert ist. Die biblische Ansprache hielt der Superintendent des Kirchenkreises Aachen, Wilhelm Eichholz.

Mehr Gemeindemitglieder

Mehr als 300 Jahre lang hatten die evangelischen Christen Würselens zur Kirchengemeinde Aachen gezählt, bis sie 1838 nach Vorweiden eingepfarrt wurden. Durch die Vertriebenen und Flüchtlinge aus Schlesien, Ost- und Westpreußen stieg die Zahl der Mitglieder in der Gemeinde Vorweiden-Lürken an.

In den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts hielt Pfarrer Groß den ersten Gottesdienst in Würselen – in einem Physiksaal der Schule an der Lehnstraße. Danach stellte das katholische St. Antonius Kloster einen Raum bis zur Evakuierung zur Verfügung. Nach der Rückkehr nahm die katholische Gemeinde St. Balbina unter dem ökumenisch gesinnten Pfarrer Dr. Josef Thomé die evangelischen Christen auf, bis diese 1949 einen eigenen Raum in der Zigarrenfabrik Bischoff an der Haaler Straße anmieteten. Doch dann griff das Presbyterium der Gemeinde Vorweiden-Lürken unter Pfarrer Walter Schaeffer und Kirchmeister Rudolf Engelbarts die 1938 schon begonnene und durch den Zweiten Weltkrieg verhinderte Planung wieder auf. Es wurde mit Unterstützung des Stadtrats das Grundstück von den Familien Brauers und Thoma gekauft.

Bereits drei Jahre nach der Einweihung der Pfarrkirche wurde sowohl in Würselen als auch in Mariadorf, dem zweiten Zentrum in der Gemeinde Vorweiden-Lürken, ein Gemeindesaal mit Jugendräumen und einer Pfarrerwohnung im ersten Stock errichtet.

Das weitere Anwachsen der Zahl der Gemeindemitglieder in Vorweiden-Lürken machte die Errichtung einer zweiten Pfarrestelle erforderlich. Zum ersten Pfarrer des Pfarrbezirks Würselen wurde Walter Schaeffer, der vormalige Pfarrer der Gesamtgemeinde, gewählt. Auf ihn folgte im Juni 1966 Pastor Joachim Morgenroth.

Zweiter Trakt für die Schule

Als die vierklassige Martin-Luther-Schule dem Bedarf nicht mehr gerecht wurde, baute die Stadt einen zweiten Trakt an. Am Gemeindezentrum mussten weitere Wohnungen und Gemeinderäume realisiert werden. Der Ausbau der beiden Schwerpunkte an den Rändern der bisherigen Gesamtgemeinde Vorweiden-Lürken trug zu einer Entfremdung der Gemeindemitglieder der Pfarrbezirke bei. Das Presbyterium beschloss die Ausgemeindung des Pfarrbezirks Würselen und seine Erhebung zu einer eigenen Kirchengemeinde, die mit dem 1. April 1959 in die Kirchengemeinden Würselen und Hoengen-Broichweiden vollzogen wurde.

Das Kirchengebäude wurde 1964 um einen freistehenden, zwanzig Meter hohen Glockenturm erweitert. 1970 entstand in Bardenberg ein weiteres Gemeindezentrum. 1976 wurde, weil die Räumlichkeiten an der Grevenberger Straße aus allen Nähten platzten, erneut zum Spaten gegriffen. In der Weißdornstraße entstand ein neues Pfarrhaus, in dem neben der Wohnung des Pfarrers auch das Gemeindebüro untergebracht wurde. Erweitert wurde unterdessen das Gebäude in Bardenberg am Tannenweg.

Im Bezirk Würselen war die Zeit nicht stehen geblieben. Im Herbst 1992 zogen erneut die Handwerker in Kirche und Gemeindezentrum ein. Durch Renovierungs- und Erweiterungsmaßnahmen mit einem Einsatz von 2,5 Millionen Mark wurden vorhandene Mängel und neue Nutzungsmöglichkeiten geschaffen. Durch Neugestaltung des Innenraumes der Kirche wurde die Gemeinde noch stärker an die Gestaltung des Gottesdienstes einbezogen. Nach Abschluss der Arbeiten erhielt das Gotteshaus an der Bahnhofstraße einen Namen: Martin-Luther-Kirche.

Wieder belebt werden konnte in dieser Zeit der Gedanke der Ökumene aus den sechziger Jahren, von der die Glocken im Turm von St. Sebastian und im Turm an der Bahnhofstraße heute noch künden, zu Beginn des 21. Jahrhunderts durch Ökumenische Kirchengemeindetage.

Wieder-Eintritte

Am 1. Februar 2009 verabschiedete sich der langjährige Pfarrer Ido Pizzini in den Ruhestand. Als sein Nachfolger wurde am 1. Juni 2009 ein neuer Seelsorger eingeführt, Pfarrer Harry Haller. „Wir sind die einzige Gemeinde im Nordkreis, die Zuwachs zu verzeichnen hat.“ Er freut sich darüber, dass immer wieder neue ehrenamtliche Mitarbeiter gewonnen werden. Die Zahl der Austritte habe sich in den vergangenen Jahren in Grenzen gehalten. Es habe Wieder-Eintritte gegeben, Erwachsene hätten sich taufen lassen. Bei einem derart bestellten Haus mit dem Herzstück Martin-Luther Kirche blickt er voller Zuversicht in die Zukunft.

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