Marodes Mahnmal wird mit Blaustein neu aufgebaut

Von: Karl Stüber
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Steinplatte für Steinplatte: Mitarbeiter der KDW tragen das marode VVN-Mahnmal an der Ecke Bahnhof-/Nordstraße ab. Foto: Karl Stüber

Würselen. Heinz-Gerd Groten wirft den mobilen Kompressor an, um anschließend mit dem Bohrhammer auf das Mahnmal der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) zu klettern, das an der Ecke Bahnhof-/Nordstraße in Würselen steht.

Der Mann vom Fachdienst „Kommunale Dienstleistungsbetriebe Würselen“ (KDW) ist mit Kollegen angerückt, um das marode Mahnmal abzutragen.

Winfried Hahn beobachtet die Arbeiten und ist sehr zufrieden. Schließlich hat sich die Mühe gelohnt, die sich der Vorsitzende des Bissener Bürgervereins und seine Mitstreiter gemacht haben. Sie haben sich auf die Fahnen geschrieben, das seit Anfang 2015 eingeschalte Mahnmal zu sanieren. Damals hatte sich eine Blausteinplatte gelöst, und das Objekt wurde vorsichtshalber „eingepackt“.

Allerdings stellte sich heraus, dass eine einfache Sanierung nicht ausreicht. Das Mahnmal besteht im Kern aus einem großen gegossenen Betonblock. Mit den Jahren hatte Regenwasser seine zerstörende Wirkung langsam, aber konsequent entfaltet. Die Blausteinplatten verloren ihren Halt. Würden sie nur neu „geklebt“, würde das Grundproblem nicht gelöst.

So wurde nach Rücksprache mit Fachleuten entschieden, das Mahnmal bis zum erhaltenswürdigen Sockel abzutragen und mit neuem Material völlig neu aufzubauen. Dem Spendenaufruf folgten erfreulicherweise Geldinstitute ebenso wie die Kulturstiftung Würselen und Privatleute, wie Hahn sagt. Die Stadt Würselen sicherte tatkräftige Unterstützung durch die KDW zu. 15.000 Euro wird der Wiederaufbau kosten. Der Bissener Bürgerverein will als Eigenanteil 10.000 Euro aufringen.

Weitere Spenden sind willkommen, sagt Vorsitzender Hahn, der hierfür unter Telefon 02405/91726 zu erreichen ist. Anstelle des maroden Betonblocks sollen drei „langlebige“ Blausteinblöcke aufeinander gepackt werden. 3,5 Tonnen wiegen sie. Der Steinmetz und Bildhauer Marcel Ziemons aus dem belgischen Raeren wird die auf den demontierten Platten stehenden Namen der Würselener Opfer des Naziregimes neu aufbringen bzw. lasern, wie Hahn sagt. Der Würselener Schmiedebetrieb Heinz-Friedrich Schümann wird zwei Kerzenleuchter nebst Rosetten beisteuern.

Unterdessen haben Heinz Groten und seine Kollegen Platte für Platte vorsichtig gelöst und verladen. Nun gibt der KDW-Mann mit dem Bohrhammer richtig Gas. Der Betonquader schmilzt zusammen. Betonbrocken spritzen umher. Absperrgitter halten das Umfeld auf Distanz. Der Sockel ist vorsorglich abgedeckt und kann keinen Schaden nehmen.

Ursprünglich hatte das Mahnmal nach dem Zweiten Weltkrieg auf dem sogenannten Dreiecksplatz an der unteren Wilhelmstraße errichtet werden sollen, auf dem einst eine Kanone stand, sagt der Vorsitzende des Bürgervereins Bissen mit Verweis auf die Quelle Kulturarchiv Würselen. Es kam anders. Auf Antrag der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes beschloss der Stadtrat Würselen am 3. Februar 1947, die Gedenkstätte zu errichten – auf dass das Mahnmal ewig an die Opfer erinnern möge.

Bis Ende Oktober sollen die Arbeiten abgeschlossen sein und das Mahnmal mit neuer Standfestigkeit in einer kleinen Feierstunde eingeweiht werden, lautet der Plan des Bürgervereins. Einmal im Jahr wird dann die Gedenkstätte wieder in den Mittelpunkt des Interesses rücken – jeweils am 8. Mai. Der Jahrestag, an dem in Deutschland „der Krieg aus“ war. Dann, so Hahn, werden wohl wieder Schüler des städtischen Gymnasiums Würselen in Texten an die Opfer des Naziregimes erinnern. Und deren Namen werden wieder ganz deutlich auf den neuen Blausteinquadern zu lesen sein, damit sie niemals in Vergessenheit geraten.

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