Herzogenrath - Marienorgel geht die Luft aus: Sanierung für 100.000 Euro

Marienorgel geht die Luft aus: Sanierung für 100.000 Euro

Von: ath
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Auch für ihn ist Orgelspiel eine wichtige Form des Gotteslobes: Mit Diakon Willibert Pauels (Mitte) konnten Pfarrer Dr. Guido Rodheudt (l.) und Kantor Herbert Nell (r.) einen prominenten Paten für die Marienorgel gewinnen.

Herzogenrath. Orgelspielen ist in St. Marien derzeit ein bisschen wie Navigieren in seichtem Gewässer mit zahlreichen Riffs. Man muss genau wissen, welche Taste man anschlagen darf und welche nicht.

„Manche Töne fallen aus, sind nicht mehr hörbar, andere bleiben liegen und klingen dauerhaft nach, sogennannte Heuler”, erklärt Kantor Herbert Nell. Beides ist kein Hörgenuss, weder für den Kantor, noch für die Gemeinde.

Grund dafür: Der Marienorgel geht die Luft aus. Die rund 1500 Pfeifen der Orgel werden über Membrane, kleine Ledersäckchen, die sich mit Luft füllen, angesteuert und zum Klingen gebracht. Schlägt der Musiker am Spieltisch der Orgel eine Taste an, wird ein Windstoß, der „Spielwind”, ausgelöst und über ein Bleiröhrchen zu der entsprechenden Membran geleitet. Sie füllt sich mit Luft und öffnet das Ventil unter der Pfeife.

Jetzt strömt Luft aus dem großen Hauptblasebalg in die Pfeife und erzeugt den Ton. Diese kleinen Ledersäckchen und auch der Hauptblasebalg sind fast 70 Jahre nach dem Bau der Orgel nicht mehr dicht. Der Effekt sei in etwa so, wie wenn ein Kind eine Brötchentüte aufpustet, um sie mit lautem Knall zum Platzen zu bringen, erklärt Nell. Hat die Tüte ein kleines Loch, entweicht die Luft zu früh, der schöne Knall bleibt aus.

Der Kirchenmusiker hat inzwischen Übung darin, ausfallende Töne und „Heuler” zu umgehen, doch ist das keine dauerhafte Lösung. Die Marienorgel muss saniert werden. Eine neue Orgel steht mit Kosten von etwa einer halben Million Euro nicht zur Diskussion, wie Pfarrer Guido Rodheudt erklärt. Schließlich gehören zur Pfarre St. Gertrud neben St. Marien mit St. Gertrud und St. Antonius zwei weitere Kirchen, die einschließlich ihrer Orgeln instand gehalten werden wollen. Außerdem sei die Marienorgel zwar sehr wichtig für die Liturgie, aber auch keine Konzertorgel.

Gesucht war daher eine pragmatische und bezahlbare Lösung. Kantor, Pfarrer und Kirchenvorstand entschieden sich für den Bestandsschutz der alten Orgel mit leichten technischen Veränderungen. Aus Kostengründen seien beim Bau der Orgel nach dem Krieg einige Elemente erst nachträglich ergänzt worden, erläutert Herbert Nell, die nun an die dafür eigentlich vorgesehenen Stellen verlegt werden sollen.

Um das Problem der porös werdenden Lederbälgchen zu beseitigen, werden die 400 Meter Bleiröhrchen, die bisher per Luftdruck die Ventile unter den Pfeifen angesteuert haben, durch elektrische Leitungen ersetzt. Außerdem wird die Marienorgel gründlich vom Staub der letzten Jahrzehnte gereinigt. Sehr zur Freude von Herbert Nell bietet sich dabei auch die Möglichkeit, die Orgel künstlerisch aufzuwerten. Für rund 100.000 Euro soll die Orgel aufbereitet werden.

Benefizessen und Flohmarkt

Um diese Summe so schnell wie möglich zusammenzubekommen, damit die Sanierung noch in diesem Jahr beginnen kann, hat sich das zu diesem Zweck gegründete Orgelkomitee einiges einfallen lassen. So konnten sie mit Diakon Willibert Pauels alias „D´r Bergische Jung” bereits prominente Unterstützung gewinnen.

Mitte April war er im Rahmen der Montagsgespräche in St. Gertrud zu Gast und übernahm die erste Ehrenpatenschaft für zwei Orgelpfeifen. Orgelspiel und Gesang seien für ihn wichtige Ausdrucksformen des Gotteslobs, wie Pauels versicherte. Neben den Patenschaften für eine oder mehrere Pfeifen, wird es Chor- und Orgel-Konzerte zugunsten der Marienorgel geben sowie regelmäßige Türkollekten.

Für Anfang kommenden Jahres ist ein großes Benefizessen mit fünf Gängen und musikalischer Unterhaltung geplant. Ein Internet-Flohmarkt soll obendrein das nötige Geld einspielen. „Die Meisten haben Sachen, wie zum Beispiel die nie gehörten Mahler-Sinfonien auf CD, oder anderes, die sie gerne abgeben und an denen andere Freude haben. Die wollen wir zugunsten unserer Orgel versteigern”, erläutert Pfarrer Rodheudt die Idee. Insgesamt seien sie auf einem guten Weg, die Unterstützung der Gemeindemitglieder sei bereits bemerkenswert. Die Zeit der „Heuler” dürfte damit endlich bald vorbei sein.


Mit der Drehorgel beim Burgfest
Beim Burgfest am Sonntag, 6. Juni, ist das Orgelkomitee am Stand des Fördervereins St. Gertrud vertreten. Hier soll an einer kleinen Drehorgel fleißig für die Sanierung der großen Orgel geworben werden.

Einige Prominente haben bereits zugesagt, eine halbe Stunde Orgelsmann oder -frau zu spielen. Außerdem können Interessierte sich die Schäden an dem Instrument in der Kirche ansehen und Pfeifen-Paten werden.

Auch der Internet-Flohmarkt braucht noch etwas Anschubhilfe. Hierfür werden nicht nur Dachboden-Schätze gesucht, sondern vor allem Leute, die Zeit und Spaß haben, sich um die Versteigerungen im Internet zu kümmern. Wer helfen möchte soll sich bei Herbert Nell unter 02406/12331 oder per E-Mail an herbert.nell@t-online.de melden.

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