Marienglocke am Tag des Denkmals im Rampenlicht

Von: ehg
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Eröffnen die Denkmaltage in St. Sebastian: Rolf Rüland (v.l.), Gerhard Hoffs, Pfarrer. Rainer Gattys, Mechtild Niebeling-Mause und Karl-Heinz Klinkenberg. Foto: Wolfgang Sevenich

Würselen. Wohl kein anderes Musikinstrument überdauerte die Jahrhunderte so unbeschadet und klanggleich wie die Glocke. Das belegen auch drei Exemplare in der Pfarre St. Sebastian, nicht zuletzt die 1384 gegossene Marienglocke.

Am Tag des Denkmals 2016 wurden auch sie als Klangdenkmal und unverzichtbares Kulturgut durch den ehemaligen Glockensachverständigen für das Erzbistum Köln sowie die Bistümer Aachen und Essen, Gerhard Hoffs, der für seinen erkrankten Nachfolger Nobert Jachtmann in die Bresche sprang, ins Rampenlicht gerückt. Hoffs führte aus: „Ähnlich wie Gebäude und Kunstwerke genießen Glocken mittlerweile auch den Status als Denkmäler.“ Im Gegensatz zu anderen Denkmälern könne man sie zum Klingen bringen. Ihr Klang bleibe über Jahrhunderte gleich. Insofern lasse sich die Glocke als Klangdenkmal bezeichnen.

Hoffs betonte, dass mit keinem anderen Instrument so viel Emotion verbunden werden: Keines sei so weit hörbar, keines stifte auf „einen Schlag“ so viel Gemeinschaft, keines polarisiere mancher Ort so stark wie die Glocke. Hoffs wörtlich: „Die Glocke steht – ohne dass man das Bauwerk Kirche sehen muss – wie kein anderes Element für das Vorhandensein einer christlichen Tradition an einem Ort.“ Für den Sachverständigen sind Glocken auch Kulturdenkmäler vom hohem ästhetischen Wert. Viele verschiedene Kunstfertigkeiten werden vereint. Neben der künstlerischen Gestaltung wird präzise Form- und Gusstechnik sowie Materialkunde verlangt. Diese Kunst wurde – so Hoffs – im 15. Jahrhundert zur Vollendung gebracht. In dieser Epoche wurde die heute so typische „gotische Rippe“ perfektioniert. Als Vollender dieser Entwicklung gelte der holländische Glockengießer Gerhard Wou van Kampen, der seine Kunst zur Meisterschaft führte. Seine filigranen, künstlerisch meisterlichen Zierfriese, seine anmutigen Heiligenabbildungen, seine perfekten Proportionen, seine Wou-Rippe, sein optimales Gussmaterial und das enorme Klangvolumen lassen Glockenfreunde und Wissenschaftler in Ehrfurcht verharren. Das berühmteste Beispiel ist die „Gloriosa“ des Erfurter Doms.

Aus dieser Blütezeit stammt in St. Sebastian die Balbina-Glocke, „die eindeutig“ von einem Kölner Glockengießer gegossen wurde. Auf ihr sind der heilige Quirinus von Neuß, Papst Kornelius und Bischof Servatius dargestellt. Allesamt Zeugen des Christentums. Über die Marienglocke mit ihrer ausgeprägten Klangfarbe führte Hoffs aus, dass sich eine zweite Glocke mit demselben Text und vom selben Glockengießer im Erzbischöflichen Diözesanmuseum in Köln befindet. Sie stammt aus St. Germanus in Aachen-Haaren und trägt dieselbe Inschrift wie die Balbina-Glocke.

Die Glocke sei neben ihrer Funktion als Ruferin zum Gottesdienst in früheren Jahrhunderten auch profanen Zwecken gewidmet worden. Nicht unerwähnt ließ Hoffs, dass der mitternächtliche Uhrschlag zum Streitpunkt vor Gericht geworden sei. Vor allem in Städten sei dies der Fall. Die geistliche Dimension eines Uhrschlages vom Kirchturm werde weder durch eine Armbanduhr noch durch die Gigitalanzeige auf dem Smartphone, noch durch die Ansage des Nachrichtensprechers ersetzt werden können. Gerade in der heutigen Zeit der Globalisierung und des wachsenden Atheismus beziehungsweise Pluralismus innerhalb des allgemeinen Glaubensspektrums sei es umso wichtiger, „die charakteristische Klanglandschaft, wie sie die Glocken innerhalb des christlichen Abendlandes prägen, zu bewahren“.

Musikalisch umrahmt wurde die Eröffnung der Denkmaltage von Kantorin Ulrike Botzet auf der Euleorgel. Sie intonierte „Präludium, Fuge und Ciacona“ von Dietrich Buxtehude, „The Arraival oft die Queen of Sheba“ von Georg Friedrich Händel und „Fanfare“ von William Mathias. Die Malerin Mechtild Niebeling-Mause stellt im Eingangsbereich ausgefallene Aquarelle aus, die mit ihren leuchtenden Farben und ihrer Transparenz Erinnerungen an Aufenthalte in der Toscana und in der Provence wecken, aber auch am Meer in Nordfriesland. Die Künstlerin ist unter anderem Dozentin für experimentelle Aquarell- und Acrylmalerei an der VHS Nordkreis.

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