Alsdorf - Mariadorfer Treff: Klönen, Kichern und Kaffee trinken

Mariadorfer Treff: Klönen, Kichern und Kaffee trinken

Von: Annika Thee
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Der Mariadorfer Treff im Pfarrheim St. Mariä Empfängnis ist jeden Mittwoch gut besucht. Foto: Annika Thee
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Das Team um Gerda (1. v.r.) und Heinz-Martin Willems (2.v.r.) bereitet das Frühstück für die 40 Gäste vor. Foto: Annika Thee

Alsdorf. Es ist laut im Gemeinschaftsraum des Pfarrheimes St. Mariä Empfängnis. Geschirr klappert, die Erwachsenen sitzen vor ihren reichlich gefüllten Tellern und unterhalten sich, während kleine Kinder zwischen den Beinen ihrer Eltern und Großeltern umhertoben und Nachlaufen spielen. Wie jeden Mittwoch haben sich etwa vierzig Menschen hier versammelt, um gemeinsam zu frühstücken, zu plaudern und Gleichgesinnte, Altbekannte und neue Gesichter zu treffen.

Der Mariadorfer Treff ist inzwischen zu einer festen Institution in Alsdorf geworden. Zwischen 10 und 12 Uhr gibt es Brot, Wurst, Käse, Marmelade, Eier und Kaffee für nur einen Euro. „Bei uns bekommt jeder Frühstück, auch wenn man den Euro nicht bezahlen kann“, sagt Koordinatorin Gerda Willems mit Überzeugung.

Pfarrer Heribert Brendt rief den Mariadorfer Treff damals für einsame und sozialschwache Mitbürger ins Leben. Sein Ziel war es, den Menschen, die bereits frühmorgens scheinbar verloren im Park vor dem Pfarrheim herumlungerten, einen Ort zu geben, wo sie aufgehoben und sicher waren und in Ruhe bei einer Tasse Kaffee Karten spielen konnten.

Inzwischen hat sich die Klientel beim Mariadorfer Treff gewandelt. Einige Jahre noch hatten die Kartenspieler mittwochs einen festen Tisch im Gemeinschaftsraum. Inzwischen sind die meisten von ihnen verstorben und ihre Plätze haben neue Menschen eingenommen, denn „in der Stadt hat sich der Treff schon lange rumgesprochen“, sagt die 74-jährige Gerda Willems nicht ohne Stolz. Vor 13 Jahren hat sie zusammen mit ihrem Mann Heinz-Martin (78) die Leitung des Treffs übernommen. Unterstütz werden sie von einer Handvoll ehrenamtlicher Helfer und der Caritas.

„Die meisten Menschen kommen das erste Mal zum Treff, wenn sie ihren Ehepartner verloren haben und verwitwet sind“, erklärt Heinz-Martin Willems. Dann kommen sie wieder. Woche für Woche, Jahr für Jahr. „Wir sind hier wie eine große Familie. Mit der Zeit werden die Gespräche sehr intim“, sagt Gerda Willems. Um diese Familie kümmert sich das Ehepaar auf herzliche Weise.

Sie sorgen dafür, dass die kleinen Kinder Süßigkeiten bekommen, ein Schokoladenei an Ostern oder kleine Geschenke zu Weichnachten. Jedes Jahr organisieren Gerda und Heinz-Martin Willems eine Weihnachtsfeier, sie bestellen ein Festtagsmenü und organisieren eine Blaskapelle, die für die Besucher Weihnachtslieder spielt. Einmal im Jahr wird außerdem ein Tagesausflug angeboten.

Doch die familiäre Atmosphäre beschränkt sich nicht nur auf die Stammkunden. „Bei uns wird jeder sofort integriert“, fasst Gerda Willems den wichtigsten Aspekt des Treffs zusammen: Gemeinschaft. Diesmal sitzt eine neue Frau am Tisch. Gerda Willems setzt sich zu ihr, stellt sich vor und beginnt eine Unterhaltung um der Frau zu zeigen, dass sie willkommen ist.

Willkommenskultur

Dass niemand ausgeschlossen wird, beweist auch ein Schild auf dem Esstisch. „Jeder ist willkommen. Egal welcher Herkunft, Religion oder Hautfarbe. Also jeder Mensch“, steht dort in großen Buchstaben.

Um dieser Botschaft Nachdruck zu verleihen, hatte das Ehepaar Willems vor zwei Jahren versucht, auch Flüchtlinge zu erreichen und in den Flüchtlingsunterkünften für den Mariadorfer Treff zu werben. Doch dort wurde das Angebot kaum wahrgenommen. „Als die Flüchtlinge herkamen, gab es so viele Angebote für sie. Inzwischen ist es weniger geworden. Vielleicht sollten wir jetzt erneut einen Anlauf starten und unsere Zettel verteilen“, überlegt Gerda Willems.

Doch so viel Gemeinschaftsgefühl und glückliche Stunden der Mariadorfer Treff den Besuchern auch bietet, so viel Mühe und Arbeit steckt für das Ehepaar Willems und die vier weiteren ehrenamtlichen Helfer dahinter. Für sie beginnt die Arbeit bereits um 8 Uhr morgens. Dann sammeln sie Lebensmittel ein, die Einzelhändler aus Alsdorf für den Treff spenden, bereiten das Frühstück vor und kochen Kaffee, betreuen die Gäste und räumen später den Saal wieder auf.

Herausforderungen

Die Arbeit hinterlässt ihre Spuren, denn Urlaub gibt es keinen, denn der Treff fällt nie aus. „Drei der Helfer sind bereits 80 Jahre alt, wir suchen dringend neue Helfer, die mit anpacken können“, sagt Gerda Willems, die heute ihren 74. Geburtstag feiert. Ihr selbst macht die viele Arbeit scheinbar nichts aus. „Es macht Spaß und die Menschen geben so viel Vertrauen und Dankbarkeit zurück“, sagt sie mit einem strahlenden Lächeln.

Wenn es nach ihr und ihrem Mann ginge, könnte es immer so weiter gehen. Allerdings hat Heinz-Martin Willems beim Blick in die Zukunft ein unwohles Gefühl. „Im Herbst soll die Kindertagesstätte vergrößert werden. Ich weiß nicht, wie wir mit weniger Platz auskommen sollen“, sagt er besorgt. „Ich glaube nicht, dass es eine Lösung für dieses Problem gibt. Wir werden in ernsthaften Schwierigkeiten sein“, fügt er niedergeschlagen hinzu. Seine Frau ist dagegen voller Zuversicht. „Man wächst mit seinen Aufgaben und bisher haben wir noch alle Herausforderungen gemeistert“, sagt sie entschlossen. In ihren Augen funkelt purer Kampfgeist.

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