Mainacht im Schaltjahr: Ein Herz für Fußball-Fans

Von: nai/pia/vm
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Herzen für Star-Wars- oder Bayern-München-Fans: Alles möglich, zeigen die Floristinnen Nadine Koch (l.) und Andrea Weber. Foto: vm

Nordkreis. Allerspätestens, wenn man in die Schaufenster mancher Blumenläden schaut, wird einem schlagartig bewusst: Es muss Schaltjahr sein! Denn Maiherzen mit „Star-Wars“-Schriftzug oder in den Farben von Fußballvereinen können wohl nur für die Männerwelt bestimmt sein.

Zumindest, wenn man mal in den Rollenklischees bleiben will, und die spielen schließlich nach wie vor eine große Rolle im Maibrauchtum

Floristinnen wie Nadine Koch hatten die vergangenen Wochen alle Hände voll zu tun: Rund 80 Prozent der Aufträge hätten im April aus Maiherzen bestanden, sagt die Inhaberin von Villa Botanica in Alsdorf. „Das ist auch ganz gut so, denn in den Wochen nach Ostern ist traditionell wenig zu tun“, sagt Nadine Koch. Die meisten Kunden seien dann schon gut mit Frühlingsgestecken oder dergleichen versorgt. Und so arbeiteten sie und ihre Mitarbeiterinnen zuletzt in zwei Schichten. „Normalerweise gehen die Vorbestellungen eine Woche vorher ein. Die ersten Anfragen für Maiherzen haben wir in diesem Jahr schon Anfang April erhalten“, so die Floristin. Bei der Menge – wer kauft, wer dreht selbst die Röschen – hielten sich die Geschlechter die Waage.

Und die Trends? „Bei den Herzen für Mädchen sind Creme und Bordeaux gefragt“, sagt Koch. Also eher gedeckt und edel statt knallig bunt. Und am besten groß.

Brauchtum im Wandel

Und was bestellen die Mädchen für die Jungs? „Fußballvereine, allen voran Bayern München“. Also das Krepppapier in den Vereinsfarben, in der Mitte die Initiale des Angebeteten und danebendrappiert das Vereinslogo. „Am Kuriosesten war ein Jim-Beam-Herz“, erzählt Nadine Koch. Der Fantasie sind halt keine Grenzen gesetzt.

Die Idee, dass die Mädels den Jungs im Schaltjahr einen Mai stecken oder ein Herz aufhängen, ist noch relativ jung (siehe Interview), auch die Verknüpfung zu den Hobbys der Angebeteten. Brauchtum ist also nicht immer in Stein gemeißelt, wie man landläufig meint. Je nach Ort gibt es außerdem Eigenheiten.

In Linden-Neusen gibt es in diesem Jahr beispielsweise das erste Mal einen Maibaum für die Kinder im Ort. Die Idee ist durch eine Kooperation des Pritschenmeisters mit den Linden-Neusener Jungenspielen und der Kita entstanden. „Wir wollen auch die Kleinen an die Maitradition heranführen und das Brauchtum auf- und weiterleben lassen“, sagt Elisabeth Doum, Leiterin der Kindertagesstätte An der Dell. Viele der Kinder seien durch ihre Familien in die Maitradition eingebunden, „aber auch Familien, die zugezogen sind, wollen wir die Tradition nahe bringen.“

Florian Koch (5), Lotte Schlösser (5), Till Püttmann (5), Matty Paulicks (5) und Nele Mainz (6) laufen bei den Pritschenkindern mit. Sie freuen sich auf den Kindermaibaum. Nicht nur, weil es eine Premiere ist, sondern auch, „weil wir ihn selbst schmücken dürfen“, freut sich Lotte. In knapp zwei Wochen haben sie in der Kita viel über das Brauchtum gelernt und die Bänder für den Baum geschnitten. „Die Bänder sind ganz bunt“, sagt Florian und weist darauf hin, dass der Kindermaibaum von dem traditionell grün-weiß geschmückten Linden-Neusener Maibaum abweicht.

„Wenn ein Junge ein Mädchen gern hat, dann stellt er ihr einen Baum mit Bändern vor die Türe“, sagt Nele. Da lacht Matty, denn er weiß schon, dass die Jungen zusammen durch die Straßen ziehen. Und Till weiß: „Die Bäume sind auf einem Traktor, aber es sind so viele Jungs, dass sie vorne keinen Platz haben und hinten auf dem Anhänger sitzen müssen!“

Reichlich Erfahrung mit Fragen wie diesen hat beispielsweise Alex Nussbaum von den Baesweiler Junggesellen. Wie war das noch mal mit dem Brauch, als „Fremder“ dem ortsansässigen Junggesellenverein einen Kasten Bier oder eine Flasche Schnaps zahlen zu müssen, damit der vor dem Haus der Liebsten aufgestellte Maibaum eine „Standberechtigung“ hat? Nussbaum: „Niemand braucht Angst zu haben, dass wir Maibäume oder Herzen klauen, wenn bei uns kein Bierkasten als Pfand abgegeben wurde. So etwas machen wir nicht.“

Statt Mädchen zu versteigern, wird das Maipaar beispielsweise in Niederbardenberg inzwischen unspektakulärer ermittelt: „Ein Umschlag mit Geld wird von den Jungen und Mädchen an den Vorstand überreicht. Diejenigen, die das meiste Geld an den Verein gespendet haben, werden zum Maipaar gewählt“, so Benedikt Hemmen von den Maijungen. Und: „Bei uns ist es Tradition, dass unsere Freundinnen besungen werden. Die Maijungen klingeln in der Nacht bei den Mädchen, um dann gemeinsam in den Mai zu tanzen und zu singen.“ Die Feierlichkeiten würden am Dorfplatz bis in die Morgenstunden gehen.

„Die Jungen machen sich gemeinsam zu Fuß auf den Weg, um einen Baum für ihr Mädchen aufzustellen. Drei bis vier Mann tragen einen Baum, der sieben bis acht Meter lang ist. Als Gegenleistung wartet ein Kasten Bier auf sie, den ihre Freundinnen als Dankeschön bereitstellen“, so Hemmen weiter.

Und wie viele Jungen werden wohl ein Herz bekommen? „Sicher werden einige Mädchen etwas für ihre Freunde geplant haben. Wir lassen uns mal überraschen“, sagt Hemmen.

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