Würselen - Madrigalchor Aachen begeistert Zuhörer in Würselen

Madrigalchor Aachen begeistert Zuhörer in Würselen

Von: ehg
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Unter dem Motto „Von Rheinberger bis Reda“: Der Aachener Madrigalchor gastierte in Würselen. Foto: Wolfgang Sevenich

Würselen. Wieder einmal gastierte in der Reihe „Pius am Mittwoch“ der vor 35 Jahren gegründete und heute aus 35 Sängerinnen und Sängern bestehende renommierte Madrigalchor Aachen unter der Leitung des versierten Gastdirigenten Lo Louppen in der Kirche an der Ahornstraße.

Überschrieben war sein anspruchsvolles Programm mit „Von Rheinberger bis Reda – Deutsche Chormusik vom Kaiserreich bis zur Stunde Null“. Brillant dargeboten wurde sowohl Musik aus Renaissance und Barock, aber auch von zeitgenössischen Komponisten.

Somit lebte das Konzert von vielfältigen Kontrasten. Bei den einzelnen dargebotenen Werken formierte sich der Chor neu zu einem harmonischen mehrstimmigen Klangkörper. Ein in den musikalischen Chorgenuss stimmten die Sängerinnen und Sänger mit zwei Werken von Josef Gabriel Rheinberger (1839 - 1901), mit dem „Abendlied“ und mit dem Kyrie aus „Cantus Missae“.

Der Komponist stand ganz in der klassischen Tradition, wobei neben Mendelssohn-Barthody Mozart und Bach seine Leitbilder waren. Seine Messe in Es ist doppelchörig und erinnerte damit auch an die frühbarocke venezianische Chortradition. Mit Siegfried Redas Chormusiken aus chinesischen Dichtungen (Pfirsichblüte, Die Schaukel, der zarte Vogel und Ruderlied“ setzte der Chor den ersten dicken Kontrapunkt.

Reda (1916 - 1968) war wie sein Lehrer Hugo Distler, der sich durch den Madrigalchor Aachen am Ende des Programms eindrucksvoll zu Wort meldete, ein Erneuerer der evangelischen Kirchenmusik. Seine präsentierten Lieder sind „Miniaturen auf Gedichte“. Sie gaben mit wenigen Worten eine Stimmung oder ein Bild wieder. Interpretiert werden Redas Lieder auch als Rückzug in die Innerlichkeit nach dem Lärm des Zweiten Weltkrieges.

Dass auch Heinrich von Herzogenberg (1843 – 1900), ein für viele Konzertbesucher unbekannter Komponist, großes Interesse an alter Musik von Bach und Schütz hatte, belegte der Madrigalchor mit „Soll ich denn auch des Todes Weg und finstere Straßen reisen“. Auf traditionelle Weise wurde jede neue Zeile für sich kontrapunktisch entwickelt. Wie schon beim voraufgegangenen Auftritt des Aachener Chores in St. Pius durfte auch in dem neuerlichen Konzert Paul Hindemith (1895 – 1963) nicht fehlen.

Seine von dem österreichischen Dichter Rainer Maria Rilke auf Französisch verfassten und von Wolfgang Leliveldt ins Deutsche übertragenen „Six Chansons“ zogen die Konzertbesucher über alle Maßen in ihren Bann. Mit ihrer sorgfältigen Deklamation und dem unsentimentalen leichten Ton wirkte auch die im Jahre 1939 komponierte Musik wie ein Gruß aus Frankreich.

In einer Zeit, als die Kirchenmusik nicht gerade in voller Blüte stand, offenbarte sich bei Felix Mendelssohn-Bartholy (1809 – 1847) dessen starkes Interesse an geistlicher Chormusik. Ein Beispiel dafür war die Hymne „Hör mein Bitten“. Sowohl die Sopranistin Kathinka Kobelt als auch Christine Moraal an der Orgel setzten sich beeindruckend in Szene.

An barocken und präbarocken Klangidealen orientierte sich Hugo Distler (1908 – 1942). In seiner Chormusik lassen sich Anklänge an die Musik von Heinrich Schütz erkennen, besonders im wortmalerischen Umgang mit dem Text, gepaart mit großer rhythmischer Vielfalt. Mit „Singet dem Herrn ein neues Lied“ rief Distler zum Aufbruch in eine neue Zeit auf. Der akustisch prädestinierte Kirchenraum hallte davon wider.

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