Luther samt Reformation im Blick: Pfarrer Paul Schnapp referiert

Von: Margret Nußbaum
Letzte Aktualisierung:
15369096.jpg
Paul Schnapp: Er liest viel und gerne über Martin Luther und die Reformation auslöste. Foto: M. Nußbaum

Baesweiler. Er war 13 Jahre evangelischer Pfarrer in Alsdorf-Hoengen, danach Leiter der Diakonie in Düsseldorf und später zehn Jahre Krankenhauspfarrer in Düsseldorf-Gerresheim. Nun ist Paul Schnapp, mittlerweile, 70 Jahre alt, im Ruhestand – jedoch nicht so ganz.

Er hält höchst interessante Vorträge, etwa am Donnerstag, 21. September 2017, um 19 Uhr im Gemeindehaus der Evangelischen Kirchengemeinde Baesweiler. Das Thema: „Luther – Ketzer oder Heiliger, Rebell oder Fürstenknecht?“ Mit im Boot sitzt der Geschichtsverein Baesweiler, dessen Vorstand sich immer wieder aufs Neue um gute Referenten bemüht.

Vorträge hat Paul Schnapp immer schon gern gehalten. Denn er teilt sein Interesse gern mit anderen und erzählt so, dass öfter auch mal die Lachmuskeln beansprucht werden. Das Anliegen der Reformation, sagt er, habe sogar Papst Hadrian VI. gut verstanden. Er trat gegen die Missstände in der römischen Kirche auf. Das gefiel dem Klerus damals in keiner Weise.

Denn Hadrian hielt das Geld im Vatikan zusammen, verzichtete auf Trinkgelage und rauschende Feste mit Mätressen und prangerte öffentlich das ausschweifende Leben der Prälaten und Pfaffen an. So ließ er seinen Legaten im Januar 1523 auf dem Reichstag in Nürnberg für sich sprechen. Sein plötzlicher Tod im September des gleichen Jahres lässt einen Giftmord vermuten. „Hadrians Kampf gegen die Missstände war dadurch vergeblich“, erzählt Paul Schnapp.

Konsequenter Staatsbürger

„Die Päpste und andere Obere der Kirche verwalteten das Geld und gaben es mit vollen Händen aus. Für theologische Themen interessierten sie sich kaum. Wäre Hadrian nicht auf so tragische Weise ums Leben gekommen, hätte er wahrscheinlich gründlich im Klerus aufgeräumt.“ Luther war als frommer Mönch mit der damaligen katholischen Kirche sehr verbunden. Allerdings wandte er sich zunächst gegen den Ablasshandel.

Er erkannte dass es nur einen Mittler zwischen Gott und Mensch gibt: Jesus Christus. „Dass ein Christ in Glaubensdingen frei sei, deuteten die Bauern damals anders“, erzählt Paul Schnapp. „Sie dachten, dieser lutherische Gedanke beinhalte automatisch auch ein Ende der Leibeigenschaft. Doch Luther war ein konsequenter Staatsbürger und stellte sich in den Bauernkriegen gegen die Bauern selbst.“ Der Ablasshandel schürte die Angst vor dem Fegefeuer, dem man durch das Zahlen möglichst hoher Summen an den Klerus entgehen konnte. „Luther hat vermittelt, dass die Menschen keine Angst vor ewigen Höllenqualen haben müssen“, sagt Paul Schnapp.

Doch dies war ein langer, sehr persönlicher Prozess. Denn Martin Luther selbst teilte die Angst der Menschen seiner Zeit vor der ewigen Verdammnis. Er studierte die Bibel – Wort für Wort – und entdeckte die Frohe Botschaft, die sie enthielt. Luther erkannte, dass der Mensch allein aus Gnade und aus seinem Glauben von Gott angenommen und von Schuld befreit werde. Aus dieser seiner Rechtfertigungslehre entstand die evangelische Kirche.

Erklärung zur Rechtfertigungslehre

Woran niemand in den ersten Jahrhunderten nach der Reformation geglaubt hätte, traf dann am 31. Oktober 1999 ein. Der Lutherische Weltbund und die Katholische Kirche unterschrieben in Augsburg die gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre, in der sie sich auf ein gemeinsames Verständnis der Rechtfertigung allein aus Gnade beriefen. „Ein gewaltiger Meilenstein in der Ökumene“, kommentiert Paul Schnapp.

Doch wie ist es darüber hinaus um sie bestellt? „Eigentlich sind wir eine große gemeinsame christliche Kirche“, sagt er. „Überleben können wir nur, wenn wir uns dessen bewusst sind und an einem Strang ziehen.“ Dies setze die Bereitschaft zur Veränderung voraus – sowohl beim katholischen als auch beim evangelischen Lager. Ein erster Schritt sei getan, etwa mit gemeinsamen Aktivitäten von katholischen und evangelischen Gemeinden vor Ort, in der gegenseitigen Hilfe und Unterstützung. „Das gemeinsame Abendmahl wird kommen, da bin ich fest überzeugt“, meint Paul Schnapp. „Das passiert ja in Taizé schon seit langem. Warum dann nicht auch in Alsdorf, Baesweiler, Herzogenrath und Würselen?“

Bei seinem Vortrag über Luther wirft der Referent auch mal einen Blick hinter die Kulissen. Das Sterbehaus Luthers in Eisleben etwa ist ein Fake. Denn es befindet sich, so Paul Schnapp, drei Häuser weiter. „Inzwischen erklären Eislebener Stadtführer das richtig. Aber zu DDR-Zeiten befand sich im eigentlichen Sterbehaus Luthers die SED-Kreisleitung. Kein Wunder, dass die Stadtführer da schummeln mussten.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert