Lurch-Peter Hansen: „Hege keinen Groll gegen die Bahn“

Von: Valerie Barsig
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Henning Bornemann tritt als Lurch-Peter Hansen auf. Foto: WDR/Herby Sachs

Alsdorf. Henning Bornemann kennt sich aus mit allerlei Absurdem zum Thema Bahn: Bornemann ist wohl der bekannteste Schaffner in Nordrhein-Westfalen. Seit dem Bahnstreik im Jahr 2015 ist er bekannt als Lurch-Peter Hansen, der mit seinen humorvollen Zugdurchsagen den Nerv vieler Radiohörer bei WDR2 trifft. Dort parodiert er in kurzen Comedy-Stücken die Bahn.

Aufhänger für die Geburt der Kunstfigur waren Medienberichte, dass die Bahn im Jahr 2013 rund 7,2 Jahre Verspätung hatte – kein Witz, wie Bornemann beteuert. Seitdem trägt er vorzugsweise Nasenklammer, nuschelt und schmatzt – gerne auch mal im Auto, wenn er seine Kinder vom Kindergarten abholt. So bekommt er näselnd die besten Ideen für Lurch-Peter Hansen.

Außerdem isst der Komiker gern Pralinen, am Liebsten den ganzen Tag, und trägt bei der Arbeit vorzugsweise seinen Schlafanzug – jedenfalls steht das auf seinem Twitter-Profil. Vor seinem Auftritt in Alsdorf spricht er über seine letzte Bahnfahrt, Alkohol im Zug und die Stellung der Satire in den deutschen Medien.

Hallo Herr Bornemann, tragen Sie gerade Ihren Schlafanzug?

Bornemann (lacht): Nein, gerade nicht. Zum Telefonieren werfe ich mir immer etwas über.

Sie sind gerade für die Show „WDR2 Lachen Live - Die ganze Wahrheit“ unterwegs. Obligatorische Frage: Wie reisen Sie?

Bornemann: Wahrscheinlich soll die Frage auf die Bahn abzielen.

Ich gebe zu: das war mein Gedanke.

Bornemann: Ich wohne allerdings mitten auf dem Land, in einer Art Bullerbü-Szenerie. Dort kann man gar nicht so leicht mit der Bahn fahren, weil man selbst mit dem Auto lange bis zum nächsten Bahnhof braucht. Deshalb fahre ich erschreckend wenig Zug, was eigentlich schade ist, weil ich das gern tue. Außerdem wäre das natürlich ein Quell der Inspiration, denn in der Bahn könnte man das Diktiergerät mitlaufen lassen und man würde so einiges erleben, das verwertbar wäre.

Wann saßen Sie denn das letzte Mal im Zug?

Bornemann: Die letzte richtige, schöne ICE-Reise ist tatsächlich etwa ein Jahr her – die Fahrt hatte aber alles mit dabei: Baustellen, geänderte Streckenführung, verpasste Anschlusszüge – also alles, was das klassische Bahnfahren so mit sich bringt. Früher bin ich viel mehr mit der Bahn unterwegs gewesen. Man könnte denken, dass ich einen Groll gegen die Bahn hege, was gar nicht stimmt. Eigentlich mag ich den Laden.

Neben wem würden Sie auf keinen Fall in der Bahn sitzen wollen?

Bornemann: Da gibt es keine Person, die mir einfällt. Grundsätzlich kann ich aber sagen, dass es unangenehm wird, wenn Alkohol im Spiel ist. Da fallen mir Bundeswehrabgänger ein oder Fußballfans am Samstagnachmittag nach dem Spiel – so etwas ist dann schwierig. Aber aus verrückten Zufallsbegegnungen in der Bahn zieht man natürlich auch Geschichten.

Ronald Pofalla bekommt für 2015 anteilig 283.000 Euro Vorstandsgehalt. Stellen Sie sich vor, er ruft Sie an und schlägt vor, Halbe-Halbe zu machen. Was würden Sie mit dem Geld tun?

Bornemann: Ich würde in den Vorruhestand gehen, Privatier werden. Wie viel Geld war das nochmal?

283.000 Euro anteilig für 2015.

Bornemann: Na, für den Ruhestand reicht das vielleicht nicht. Ich würde in den Urlaub fahren damit. Die Serie auf Eis legen und auf die Seychellen reisen.

Und mit der Bahn zum Flughafen fahren?

Bornemann: Ja, vielleicht auch mit der Bahn zum Flughafen fahren. Und ich würde dann auch Werbung machen für die Bahn. Kostenlos.

Sie sind während des Bahn-Streiks auf den Charakter des Lurch-Peter Hansen gekommen. Charaktere müssen sich irgendwann weiterentwickeln. Fährt Hansen bald Fernbus?

Bornemann: Ich denke, das wäre zu viel. Es gibt eine Folge, in der sich Lurch-Peter Hansen mit Piloten solidarisiert. Aber er gehört in die Bahn. Die Weiterentwicklung hat uns beschäftigt, als wir wussten, dass es eine Tour geben soll. Wir haben uns gefragt, was man machen muss, damit Lurch-Peter Hansen auf der Bühne funktioniert.

Und wie funktioniert er?

Bornemann: Das Tolle an ihm ist ja, dass man ihn nicht sieht. Wir haben uns also gefragt: ‚Reicht es, wenn da nur einer sitzt oder muss man einen Zug um ihn herum bauen?‘ Bei kleineren Veranstaltungen haben wir das dann alles mal ausprobiert und festgestellt: Eigentlich mögen ihn die Leute so, wie er ist. Kleine Mittel, wie Schaffnermütze, Brille und Nasenklammer reichen. Seine Bewegungen, die Mimik, oder wenn er einfach mal nichts sagt: das finden die Leute lustig. Wir haben und also ganz umsonst wochenlang den Kopf zermartert.

Seit diesem Jahr moderieren Sie auf WDR5 die Sendung „Satire Deluxe“ zusammen mit Axel Naumer. Beschreiben Sie die Zusammenarbeit als Bahndurchsage.

Bornemann (lacht): Das kann ich so spontan gar nicht. Die Sendung ist einzigartig. Gerade haben wir ein Interview mit Christian Ehring von „Extra 3“ geführt, das war lustig und spannend, gerade nach seinem Satire-Video über den türkischen Präsidenten Erdogan. Mit solchen Gästen auch über ernstere Themen zu sprechen und nicht nur Klamauk zu machen, das ist schön. Es macht großen Spaß, sich jede Woche aufs Neue etwas zu überlegen. Bei WDR 5 gibt es ja viel Wort, aber ich denke man hört, dass „Satire Deluxe“ irgendwie anders ist, als andere Sendungen.

Sie haben Christian Ehring angesprochen: Wie wichtig ist Satire in den deutschen Medien?

Bornemann: Satire war immer wichtig und wird immer wichtig sein. Das Video von „Extra 3“ hat für deutsche Verhältnisse für viel Wirbel gesorgt, allerdings ist Christian Ehring nicht der erste, der Songs über Erdogan gemacht hat. Es gibt noch mehr, die möglicherweise noch viel forscher sind. Interessant ist aber der Blick in die Türkei: Dort hat Erdogan mit seiner Reaktion Werbung für etwas gemacht, dass sich türkische Journalisten eigentlich nicht trauen können und so dafür gesorgt, dass das Video dort geklickt wird. Satiriker sind für mich Journalisten mit Narrenkappe und das zeigt sich an diesem Beispiel.

Mit Satire kann man Menschen zeigen, dass Themen, die uns bedrohlich erscheinen, auch lustige Aspekte haben und dass man sich durch so etwas nicht die Weltsicht verhageln lassen muss.

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