Lorenz Hellmann geht in den Ruhestand

Von: Karl Stüber
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Schulleben bunt dokumentiert: Der scheidende Leiter der Realschule Würselen, Lorenz Hellmann, erinnert sich gerne an viele Projekte – so an den Austausch mit einer Schule in Lettland im Rahmen des Comenius-Projektes. Foto: Karl Stüber

Würselen. Es ist schon ein eigenartiges Gefühl: Da schließt er aktuell mit dem Lehrerkollegium in Zeugniskonferenzen das erste Schulhalbjahr ab, aber für die zweite Etappe bis zu den Sommerferien wird er nicht mehr verantwortlich zeichnen: Lorenz Hellmann.

Exakt 20 Jahre und sechs Monate hat er dann die Geschicke der städtischen Realschule am Wisselsbach geleitet. Am 29. Januar wird er mit bald 65 Jahren die Bildungsstätte verlassen und in den Ruhestand gehen. Im ansonsten stets gut aufgeräumten Schulleiterbüro sind erste „Auflösungserscheinungen“ zu sehen, während Hellmann eine Tasse Kaffee holt. Eine bunte Klappbox steht halb gefüllt neben dem Schreibtisch. Geleerte Aktenordner liegen im Regal.

Hohe Qualität der Ausbildung

Wer Nachfolger wird, steht noch nicht fest, sagt Hellmann. Einstweilen werden die beiden Konrektoren Paul Witschen und Monika Froitzheim die Verantwortung für die Realschule tragen. Aber welche Lösung auch immer gefunden wird, sie wird nur bis Juni 2020 Bestand haben. Denn dann schließt die Realschule ihre Pforten. Das hat die Stadt Würselen längst beschlossen.

Und dann dürfte auch dieser Schulstandort gänzlich verschwinden. Denn die Gesamtschule soll an der Krottstraße neu errichtet werden und nicht – so der Plan B – die Realschulgebäude entsprechend ausgebaut und modernisiert werden. Voraussetzung ist, dass der Gesamtschulneubau nicht mehr als 28 Millionen Euro kosten wird.

Das alles wird dann aber nicht mehr Sache von Lorenz Hellmann sein. „Ich habe vier Jahre lang für den Bestand meiner Schule gegenüber Rat und Verwaltung gekämpft“, sagt Hellmann. Letztlich fiel die schulpolitische Entscheidung anders.

Aber an der Qualität der Einrichtung wird es nicht gelegen haben, ist er sich sicher. „Weiterführende Schulen haben gerne unsere Schüler genommen, so das Berufskolleg in Herzogenrath und das Gymnasium Würselen.“ Mehrfach seien ehemalige Realschüler unter den besten Abiturienten gewesen. Ausbildungsbetriebe würden immer noch gerne Absolventen der Realschule nehmen.

Und die eigene Schulzeit? Helmmann ist gebürtiger Jülicher, „baute“ am Haus Overbach sein Abitur, war immer ein begeisterter Sportler. Tennis und Badminton haben es ihm angetan. Und die Reisen und der Austausch mit Frankreich haben ihn geprägt. Da lag es nahe, Romanistik und Sport an der RWTH Aachen zu studieren und Lehrer zu werden.

Bereut hat das der scheidende Schulleiter nie. Am 1. Februar 1976 trat er sein Referendariat in einer Realschule in Eschweiler an, anderthalb Jahre später folgte der erste Arbeitstag als Realschullehrer in Stolberg. Konrektor wurde er 1990 an der Alkuin-Realschule in Aachen. Ja, und dann wurde er Chef in Würselen. Gerne erinnert er sich an die damals noch paradiesische Umgebung mit angrenzendem Freibadgelände. Zwischenzeitlich sind neue Häuser entstanden. Es würde nicht wundern, wenn auch das Areal der Realschule in wenigen Jahren zu Bauland wird.

Als Hellmann Leiter der Realschule Würselen wurde, standen ganz andere Themen an. Seine Vorgängerin war nach nur drei Jahren an Krebs gestorben. Die Schule hatte die Folgen der geburtenarmen Jahrgänge zu spüren bekommen und war von rund 800 auf 482 Schüler geschrumpft.

Die räumliche und inhaltliche Weiterentwicklung sollten Hellmann und sein Kollegium die folgenden Jahre beschäftigten. Bald waren es wieder rund 800 Schüler. Derzeit hat das „Auslaufmodell“ noch rund 600 „Zöglinge“ und wird bis 2020 jedes Jahr rund 120 Schüler verlieren.

Das muss Hellmann nicht mehr begleiten. Er kann sich auf seine Aktivitäten am Wohnort Aachen-Brand konzentrieren. Langeweile wird nicht aufkommen. Hellmann ist seit Jahren Sprecher der SPD-Fraktion in der Bezirksvertretung und in einigen Initiativen aktiv, so im dortigen Bürgerverein. Am Freitag wird in der Realschule Würselen ab 11 Uhr Abschied gefeiert.

Die Bühne ist schon aufgebaut. Aber was da auf ihn zukommt, weiß Hellmann nicht. „Ich muss immer raus, wenn es darum geht.“ So kennt er auch noch nicht die neue Ausgabe der Schulzeitung, an der er seit Jahren mitarbeitet. Er darf sich überraschen lassen.

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