Literaturabend steht ganz im Zeichen der Zeit

Von: jope
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Viele nachdenkliche Texte zum
Viele nachdenkliche Texte zum Thema „Zeit”: Ingeborg Reichel, Brigitte Meertens und Gertrud Kreutzer (v.l.) vom Merksteiner Literaturkreis „KU-GE-L” stellten sie bei der musikalischen Lesung in der Stadtbücherei Alsdorf vor. Foto: Joachim Peters

Alsdorf. Man kann sich die Zeit mit mehr oder weniger Sinnvollem vertreiben. Man kann sie achtlos vergeuden. Oder wir schenken sie einem lieben Menschen. Kaufen und bestimmen kann man sie jedoch nicht.

Denn es gibt nur eine bestimmte Zeit zum Leben und Sterben, zum Lieben und Warten. Und mit zunehmender Lebenszeit wird Zeit kostbarer. Es war daher wohl kaum ein Zufall: Die Frauen, welche die Lesung „Zeit” in der Alsdorfer Stadtbücherei mit eigenen Texten bereicherten, sind inzwischen alle in der zweiten Lebenshälfte angekommen. Die Gedanken über Zeit waren da nachdenklicher und tiefgründiger, als in der unbesorgten Jugend.

Atemlose Gegenwart

Der Alsdorfer Literaturkreis „Wortreich” ist seit seiner Gründung vor fast sieben Jahren bereits viermal in der Alsdorfer Stadtbücherei aufgetreten. Diesmal erhielt die Gruppe Verstärkung durch den Merksteiner Literaturzirkel „KU-GE-L”. Die Abkürzung steht für „Kurzgeschichten, Gedichte, Literatur”. So kamen denn auch verschiedene Gattungen der Wortkunst an diesem Abend zu Gehör. In den nachdenklichen Gedichten der Frauen spiegelte sich sowohl die Erfahrung derer wider, die verschiedene Lebensphasen bereits durchschritten haben, als auch die Sorge um eine zunehmend „atemlosere” Gegenwart und Zukunft, die den Menschen „keine Zeit für die Zeit” mehr lässt.

Ute Weber aus Merkstein rief in ihrem Beitrag den griechischen Mythos ins Gedächtnis, um dies zu verdeutlichen: „Kronos war ein Titan, der seine Kinder tötete. Die heutigen Kinder des Kronos stehen unter dem Diktat der Stechuhr”. Auch Gertrud Kreutzer aus Merkstein ging dem Gedanken nach, dass „die Zeit knapp wird”: für jeden Menschen, aber auch als Grundgefühl eines rasenden Zeitalters.

Doch dies gilt glücklicherweise auch: „Die Zeit heilt alle Wunden!” Renate Grob aus Alsdorf erinnerte sich in ihrer Kurzgeschichte daran, wie misstrauisch und vorurteilsbeladen die Gastarbeiter als neue Nachbarn in ihrer Heimatstadt empfangen wurden. Mit der Zeit näherten sich die Einheimischen und die türkischen Familien dann doch gegenseitig an. Ursel Lemaire aus Merkstein hielt in einem ihrer Gedichte eine spirituelle Vision bereit, welche den gehetzten Zeitgenossen tröstlich stimmt: „Wir haben Zeit - für die Ewigkeit”.

Das geht zu Herzen

Ingeborg Reichel, ebenfalls aus Merkstein, widmet sich nach ihrem Arbeitsleben verstärkt dem geliebten Hobby „Kreatives Schreiben”. Zu Herzen ging ihre Geschichte über den Karnevalisten Karl, der kurz vor seinem Traumziel, einmal Prinz zu werden, mit der Krebs-Diagnose konfrontiert wird. Wie er diesen Niederschlag als Herausforderung annimmt - das forderte den Zuhörern Respekt ab. Dass beim Philosophieren über die Zeit auch immer Gott ins Spiel kommt, der den Menschen mit dem Überzeitlichen konfrontiert, machten die Texte von Edeltraud Lorentz und Gisela Luise Till deutlich. Und Brigitte Meertens aus Kohlscheid steuerte mit „Die Bescherung” eine Weihnachtsgeschichte bei.

Musik entfaltet sich

Immer mehr bewährt sich bei Lesungen die Kombination von Wort und Musik. Letztere spielte die Alsdorfer Musikpädagogin Boguslawa Reale. Zwar gibt eine keine spezielle Musik zum Thema „Zeit”, aber, so die Pianistin: „Musik entfaltet sich anders als etwa die räumliche Malerei in der Zeit. Musik ist Zeit”. Die ihr gegebene Zeit zwischen den Lesungen füllte Boguslawa Reale mit Wohlklang: Die gebürtige Polin spielte Werke von Chopin und Paderewski, gab passend nach der Erzählung vom Miteinander von Alt-Alsdorfern und Fremden den „Türkischen Marsch” von Mozart. Den Abend voller Worte ließ sie ausklingen - mit Mendelssohns „Lied ohne Worte”.
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